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Die Frage der Gerechtigkeit

Korruption. Unschuldsvermutung. Wirtschaftskrise. Sparpaket. Armut. Wo bleiben in Zeiten wie diesen Gerechtigkeit und Moral? Diese Frage diskutierte der Schauspieler Gregor Seberg mit einer namhaften Runde zum Auftakt des Symposions Dürnstein.

Laut Programm des Symposions hätten Begriffe wie Heimat oder christliche Werte im Mittelpunkt der Diskussion im Stift Dürnstein stehen sollen. Doch es kam anders, wohl aus einer Dringlichkeit, die von wirtschaftlichen und politischen Ereignissen in Österreich hervorgerufen wird. Wo bleiben Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Moral in Wirtschaft und Politik in Zeiten der Wirtschaftskrise und der Korruptionsskandale?

„Verfall primitivster Anständigkeit“

Der Wiener Philosoph und Ethiker Peter Kampits sagte, dass die Welt der Ökonomisierung auf den Leim gegangen sei. Das schaffe Probleme: „Es gibt das große Armutsproblem. Es gibt die entsetzlichen Korruptionsgeschichten, die einen Verfall von primitivster Anständigkeit vermuten lassen, zusammen mit der Raffgier!“

Der Mittelstand läuft im Hamsterrad, um sich das Leben finanzieren zu können, während die Reichen immer reicher werden und die Korruption regiert, so der Tenor bei der Diskussion. Warum lassen sich die Menschen das gefallen, fragte Gregor Seberg. Hat uns der Wohlstand träge gemacht? Nein, antwortete die Flüchtlingshelferin Ute Bock, die tausenden Obdachlosen und Asylwerbern in Wien hilft.

„Es muss allen gut gehen“

Bock ist eine Frau der Taten. Man müsse einfach handeln, so ihr Credo. „Jeder hat das Recht zu leben, keiner hat das Recht, jemandem anderen das abzusprechen. Damit es uns gut geht, muss es allen anderen auch gut gehen. Es ist besser, ich habe ein bisserl weniger und der andere hat auch etwas als ich habe alles und der andere nichts.“

Podiumsdiskussion in Dürnstein
ORF

Maximilian Fürnsinn, Propst des Stifts Herzogenburg und liberaler Geist in der Kirche, sieht in der Wirtschaftskrise auch eine ethische Krise. „Ich behaupte, dass wir auch eine Orientierungskrise haben. Es steht ein Wandel bevor. Die Geschichte zeigt, dass Wandel immer nur mit Brüchen vor sich geht.“

"...dann kann es auch in Österreich krachen"

Wann und mit welcher Vehemenz diese Brüche Österreich erreichen, blieb eine spannende Frage. Gregor Seberg sieht nicht viel Schonfrist. „Wenn die Ökonomie weiter so blenderisch vorgeht und sagt, ‚das geht schon, ihr könnt auch schon noch was leisten‘. Irgendwann kommen wir drauf, dass es nicht mehr geht, weil wir uns die Wohnung nicht mehr leisten können, dann kann es auch in Österreich sehr schnell krachen. Vielleicht habe ich da etwas Panik, aber Spanien oder Frankreich sind nicht weit weg.“ Ein bemerkenswerter Befund in einer spannenden Diskussion.

Das Symposion in Dürnstein dauert noch bis Sonntag - mehr dazu in Wertediskussion: Heimat-christlich-Abendland.