Marchfeldkogel: Sondermüll statt Baureste?

In Markgrafneusiedl (Bezirk Gänserndorf) findet am Mittwoch eine UVP-Verhandlung zum Projekt „Marchfeldkogel“, einer geplanten Baurest-Deponie, statt. Der Umweltdachverband befürchtet eine Sondermülldeponie.

In einer Aussendung am Dienstag wurde von einem „massiven“ Deponieprojekt mit 60.000 Lkw-Fahrten pro Jahr und einer Ablagerung von rund 15 Millionen Kubikmeter Bodenaushub sowie elf Millionen Kubikmetern Baurestmassen gesprochen. Der Umweltdachverband äußerte unter Hinweis auf ein Gutachten des technischen Ingenieurbüros für Umweltschutz von Johann Wimmer große abfallrechtliche Bedenken und forderte statt des vereinfachten ein „ordentliches UVP-Genehmigungsverfahren“.

Blaukalk-Ablagerung befürchtet

So enthalte der positiv beurteilte Abfallkatalog für die geplante Baurestmassen-Deponie einige Abfallarten wie Konverterschlacke, Kiesabbrand und Gichtgasschlamm. Diese würden aus gutachterlicher Sicht in der Praxis immer Schadstoffgehalte aufweisen, die über den Grenzwerten der Deponieverordnung liegen. Weiters sei etwa der Asphalt-Bestandteil Bitumen auf einer Baurestmassen-Deponie nicht zulässig.

Aufgrund einer rechtlichen Lücke könnte auch mit Blaukalk kontaminiertes Material auf dem Marchfeldkogel landen. „Aus den Erfahrungen in Kärnten und aus reinem Vorsorgeprinzip heraus ist dies jedenfalls massiv abzulehnen“, erklärte Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes.

Ein Sprecher der Projektgesellschaft weist das auf Anfrage von noe.ORF.at entschieden zurück. Gefahrenstoffe wie HCB könne er für die Deponie ausschließen. Der Betreiber dürfe lediglich ungefährlichen Abfall entsorgen.

Umweltdachverband: „Nicht genehmigungsfähig“

Laut Umweltdachverband würden darüber hinaus alle Einwände in Sachen Luftreinhaltung aufrecht bleiben. Die Schadstoffbelastung würde direkt und indirekt erhöht. Das Projektgebiet liege aber in einem Feinstaubsanierungsgebiet, in dem eigentlich Maßnahmen zur Reduktion der Luftschadstoffbelastung zu ergreifen wären, betonte der Umweltdachverband. „Vor diesen Hintergrund und vor den massiv negativen abfalltechnischen Konsequenzen und Risiken ist aus unserer Sicht dieses ‚Wolf-im-Schafspelz-Projekt‘ nicht genehmigungsfähig“, so Proschek-Hauptmann.

Das Projekt von vier Unternehmen auf einem 112 Hektar großen Kiesabbau- und Deponiegelände nordwestlich der Gemeinde Markgrafneusiedl steht seit Jahren im Raum und rief wiederholt Kritik von den niederösterreichischen Grünen hervor. Das Vorhaben sei nach den gültigen österreichischen Regeln des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-Gesetz) eingereicht worden, ist auf www.marchfeldkogel.at zu lesen. Anrainer wollen vor allem die Höhe von bis zu vierzig Meter verhindern.

Laut Homepage der Betreibergesellschaft handelt es sich um eine Deponie für Erdaushub und Baurestmassen mit Rekultivierungs- und Vogelschutzkonzept plus Anlage für das Recycling von Bauschutt. Nach der Verfüllung soll demnach u.a. ein Naherholungsgebiet entstehen.

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