Essl Museum: Diskussion um Nachnutzung

Am Dienstag ist bekannt geworden, dass das Essl Museum in Klosterneuburg (Bezirk Wien-Umgebung) Anfang Juli seinen Betrieb einstellt. Fraglich ist nun, wie und ob der Museumsstandort künftig genutzt wird.

Es war ein Knalleffekt in der österreichischen Kulturszene, als Karlheinz Essl am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt gab, dass das Essl Museum in Klosterneuburg mit 1. Juli seinen Betrieb einstellt. Die Finanzierung des Museums sei trotz aller Bemühungen nicht mehr möglich - mehr dazu in Essl Museum stellt Betrieb ein.

Ausstellung im Essl Museum
Regina Holler-Strobl/Sammlung Essl
Am 1. Juli stellt das Essl Museum seinen Betrieb ein

Essl: Haus soll als Depot dienen

Das Land Niederösterreich hätte zwar weiter gefördert, aber der Bund hat nicht zugeschossen. Die Pläne von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sehen nun vor, dass ein großer Teil der Sammlung Essl künftig im Wiener Künstlerhaus ausgestellt werden soll. „Das Wesentliche ist: Die Sammlung, insbesondere jene der Kunst nach 1945, bleibt erhalten und wird auch in Zukunft ausgestellt - wenn auch nicht mehr in Klosterneuburg, sondern im Künstlerhaus in Wien“, so der Kulturminister.

Eine offene Frage ist nun aber, was mit dem Museumsstandort in Klosterneuburg passiert. Geht es nach Karlheinz Essl selbst, so steht eines fest. Das Gebäude im Bezirk Wien-Umgebung wird weiterhin als Depot für die Werke der Sammlung genutzt. Archiv, Restaurierung und Technik bleiben mit vier Mitarbeitern erhalten. Ebenso erhalten bleibt der internationale Leihverkehr. Die übrigen der insgesamt 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren allerdings ihren Job.

Essl Museum Klosterneuburg
Stefan Oláh

Wofür und ob künftig die 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche genutzt werden, ist noch nicht geklärt, sagt Essl. „Der Ball liegt jetzt ganz eindeutig bei der öffentlichen Hand. Wir haben alles getan, was wir tun konnten“, so Essl. Generell gesprächsbereit zeigt sich das Land Niederösterreich. „Es gibt aber derzeit keinen Plan B“ sagt der Leiter der Kulturabteilung des Landes, Hermann Dikowitsch. Man habe aber stets eine gute Gsprächsbasis mit der Familie Essl gehabt. Der Grundeigentümer des Essl Museums ist das Stift Klosterneuburg. Von Seiten des Stiftes heißt es, dass die künftige Nutzung eine Sache des Besitzers ist. Der Pachtvertrag laufe jedenfalls unverändert weiter.

Wipplinger für Neunutzung des Essl Museums

Aufforderungen, die Museumsräumlichkeiten in Klosterneuburg weiter zu nutzen, kommen aus der Kulturszene. Für eine Neunutzung des Standortes ist etwa Hans-Peter Wipplinger, der jetzige Direktor des Leopold Museums in Wien und frühere Direktor der Kunsthalle Krems. „Es kann nicht sein, dass dieses Haus leer steht“, so Wipplinger, „man muss Ideen generieren.“ Er sieht mehrere mögliche Perspektiven für das Klosterneuburger Museum, dessen Architektur sich hervorragend bewährt habe. Eine Möglichkeit sieht er etwa in der Fremdbespielung des 1999 eröffneten Hauses. „Vielleicht sind andere Sammlungen bereit, sich da einzubringen, sich da einzumieten oder das anzukaufen, um ihre Sammlungen zu präsentieren.“ Auch für genreübergreifende Kunstprojekte seien die sehr verschiedenen Räumlichkeiten ideal, so Wipplinger.

Bereits am Dienstag zeigte sich die Österreich-Präsidentin des Internationalen Museumsrats ICOM, Danielle Spera, in einer Aussendung entsetzt: „Alle zuständigen Stellen sind angesichts dieser Entwicklung dazu aufgerufen, alles in ihrer Macht stehende zur Rettung des Museums zu unternehmen“, so Spera.

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