Schallaburg zeigt Islam in allen Facetten

Der Islam und die muslimischen Kulturen in Österreich stehen im Zentrum der diesjährigen Ausstellung auf der Schallaburg, die am Freitag eröffnet wurde. Die Schallaburg sei Zentrum der Bildung und Weltreligionen, wurde betont.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der Dialog und das Verhältnis zwischen muslimisch und westlich-abendländisch geprägten Kulturen in Österreich. „Es herrscht eine große Zweiteilung in unseren Köpfen - wer sind wir, wer sind die anderen? Wir wollen zeigen, dass es viel mehr Facetten gibt“, sagte Lisa Noggler-Gürtler, eine der beiden Kuratorinnen, bei einer Presseführung am Freitag, vor der offiziellen Eröffnung. „Uns ist ganz wichtig gewesen, dass wir diese Bilder, die wir momentan schwer im Kopf haben, aufbrechen. Nicht, weil sie nicht wichtig sind, sondern weil es noch viele andere Facetten gibt, über die derzeit gar nicht gesprochen oder in den Medien berichtet wird. Es gibt auch nicht nur den einen Islam, sondern verschiedene Strömungen, verschiedene Facetten“, so Noggler-Gürtler im Gespräch mit noe.ORF.at.

Arabisches Zimmer, um 1900Wien
Klaus Pichler
Die Ausstellung zeigt auch ein arabisches Zimmer, das sich ein Wiener Unternehmer um 1900 einrichten ließ

In der fast dreijährigen Vorbereitungszeit habe das Ausstellungsteam mit vielen Personen gesprochen, die in Österreich zusammenleben - vom Betreiber eines Halal-Lokals über Zeitungsfotografen bis zu Islamwissenschaftern, erzählte Noggler-Gürtler. „Wir haben versucht, diese Gespräche in der Ausstellung einzufangen.“ Mit der Schau wolle man auch die Gemeinsamkeiten der Religionen und das Verbindende einfangen, so die Kuratorin: „Wenn man am Abend Lust hat, über den Gartenzaun oder im Gemeindebau mit jemand anderem als sonst immer zu sprechen, dann haben wir etwas gewonnen.“

Schau lädt zum Dialog und Nachdenken ein

Die Ausstellung ist ab Samstag öffentlich zugänglich und findet bis 5. November statt. „Dieser Ort und diese Ausstellung unterstreichen, wie wichtig uns in Niederösterreich die Kulturpolitik ist“, sagte die designierte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Eröffnung. Die Kultur sei „eine wichtige Wissensvermittlerin“ und lade „zum Dialog und zum Nachdenken“ ein, so Mikl-Leitner. Die Schallaburg sei „ein Zentrum der Bildung und auch ein Zentrum der Weltreligionen“.

Innenhof Schallaburg
Thomas Schnabel

Die Schau widmet sich muslimischen Kulturen in Österreich und dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Traditionen. Neben religiösen Objekten wie Gebetsketten, einer Koranrolle oder Gewand für die Pilgerfahrt Hadsch werden unter anderem Gegenstände aus dem Alltag wie orientalische Gewürze oder Halal-Gummibären sowie ein „arabisches Zimmer“, das sich ein Wiener Unternehmer um 1900 einrichten ließ, präsentiert. Das Zimmer, eine Schenkung an das Wien Museum, sei das „größte Objekt, das je auf der Schallburg ausgestellt wurde“, sagte Kurt Farasin, künstlerischer Leiter der Schallaburg, in dem Pressegespräch.

Der Islam in acht Kapiteln

Mit der Ausstellung befinde man sich „am Puls der Zeit“, betonte Noggler-Gürtler. Aufgegriffen werden auch Debatten um Burkini, Flüchtlinge und Verschleierung. So dreht sich der Teil „bekleidet“, eines von insgesamt acht Kapiteln, etwa um die Frage, was wir durch Gewand zeigen. In einem Video erzählen Frauen, warum sie Kopftuch tragen, und Männer, warum sie Bart tragen. Präsentiert wird in einem Raum Bekleidung vom Nikab bis zum „osmanischen Dirndl“ aus Walkstoff mit kalligrafischer Bestickung von der Wiener Modedesignerin Canan Ekici.

Ausgehend vom Teil „besprochen“ mit Information über Übersetzungen von Koran und Bibel können Besucher im Kapitel „bewohnt“ hinter Türen blicken und erfahren, wer in einer Nachbarschaft zusammenlebt. Verschiedenen religiösen Strömungen und der Ausübung der Religion widmet sich „beseelt“. Präsentiert werden Gebetsräume sowie unter anderem traditionelle Kopfbedeckungen von Derwischen und Imamen, eine Digitalanzeige zählt die Zeit bis zum Fastenmonat Ramadan.

Schallaburg_Ausstellung ISLAM
Klaus Pichler
Die islamische Bekleidung ist eines von vielen Themen, die auf der Schallaburg behandelt werden

Das Kapitel „begrenzt“ spielt mit geografischen Grenzen und Grenzen in unseren Köpfen und beschäftigt sich mit Fragen rund um Bekleidung im Schwimmbad und Halal-Essen. Der Teil „bedroht“ zeigt unter anderem einen Raum mit Feldbetten aus einer Erstaufnahmestelle und thematisiert Ängste. Im Kapitel „berufen“ wird über den Umgang mit dem Gleichbehandlungsgesetz berichtet. Und zum Abschluss wird unter der Überschrift „beliebt“ der Orient als Sehnsuchtsort präsentiert.

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