Pöggstall zeigt Gefängniszelle und Folterbank

Die Landesausstellung „Alles was Recht ist“ auf Schloss Pöggstall eröffnet offiziell am Freitag und beleuchtet die Rechtsgeschichte. Eine begehbare Gefängniszelle und Strafbänke warten ab Samstag auf die Besucher.

Die Schau spannt den Bogen der Rechtsgeschichte bis zur Gegenwart - vom Wandel des Umgangs mit Straftätern bis zur heutigen Rechtslage. So beschäftigt sich etwa der erste Abschnitt der Ausstellung mit der historischen Entwicklung von Rechtsordnung und Justizeinrichtung. Strafbücher aus dem 19. Jahrhundert sind für die Besucher und Besucherinnen zu sehen. Auch interaktive Installationen sollen die Welt des Gerichts näher bringen.

„Wo Menschen ihr Zusammenleben organisieren, entsteht Recht. Wir alle sind mit Recht in Kontakt, es betrifft uns in unserem täglichen Alltag. Deswegen ist es auch interessant zu sehen, wo alles den Anfang nahm, sich Rechtssysteme entwickelten, im Laufe der Zeit sich veränderten und wo wir jetzt stehen“, so die Wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung Elisabeth Vavra.

Drehscheiben
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Durch das Drehen der Räder erfahren Besucher, wie Straftaten in den verschiedenen Zeitepochen sanktioniert wurden

Multimediale und interaktive Stationen

Der zweite Abschnitt widmet sich dem Thema Strafe und deren unterschiedlichen Formen. Unter anderem können Besucher durch das Drehen zweier Informations-Scheiben herausfinden, wie Straftaten in den unterschiedlichen Epochen gerichtet wurden. Ebenso ist eine begehbare Gefängniszelle aufgebaut, die sieben Quadratmeter groß ist. Daneben ist ein vier Quadratmeter großer WC-Raum für Rollstuhlfahrer am Boden aufgezeichnet, sowie ein 12 Quadratmeter großer Parkplatz. Dadurch sollen die Besucher ein Gefühl für die Größe der Gefängniszelle bekommen.

Ausstellungshinweis

„Alles was Recht ist“, von 1. April bis 12. November 2017, Schloss Pöggstall, ab 2. April ist die Ausstellung für Besucher zugänglich.

Recht und Rechtsprechung zur Zeit des Nationalsozialimus stehen im Fokus des dritten Kapitels. Mit der Entwicklung der Folter beschäftigt sich Teil vier der Ausstellung. Hier wird zum Beispiel auf das Gefangenenlager Guantanamo und deren Folter- und Verhörmethoden Bezug genommen. In Abschnitt fünf geht es um die Geschichte der Menschen- und Grundrechte. Insgesamt bietet die Schau eine Mischung aus Originalobjekten, grafischen Aufbereitungen, multimedialen und interaktiven Stationen.

Gefägniszelle
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Besucher können eine nachgebaute Gefängniszelle betreten

85 Regionsbetriebe im Waldviertel als Partner

Seit Herbst 2015 wurde das Schloss für die Landesausstellung generalsaniert. Dafür wurden rund neun Millionen Euro bereitgestellt, für die heurige Landesausstellung wurden 23 Millionen investiert. Von dem renovierten Schloss aus können die Gäste die Region des Südlichen Waldviertels, zwischen dem Donau, Ysper- und Weitental bis zum Weinsberger Wald, erleben. 23 Gemeinden aus den Bezirken Melk, Krems und Zwettl, 85 Regionspartnerbetriebe und sechs Ausflugsziel-Stationen sind für Gäste gerüstet.

„Niederösterreichische Landesausstellungen sollen die Bevölkerung in der Ausstellungsregion stolz auf ihre Region und ihr Dorf machen, verstärkt durch die Einbindung und den Wiedererkennungswert. Andererseits sollen Gäste neugierig auf die Region in der Begegnung mit Menschen gemacht werden“, sagt Kurt Farasin, Künstlerischer Leiter der Landesausstellungen.

Sonderschau zeigt Wappen von Dürer

Neben „Alles was Recht ist“ befasst sich im Rondell eine Sonderausstellung unter dem Titel „Schloss Pöggstall - zwischen Region und Kaiserhof“ mit Erkenntnissen der Bauforschung und der Besitzgeschichte des Schlosses, das seit 1986 der Gemeinde gehört. Denn durch die Generalsanierung wurden neue Erkenntnisse gefunden, die nun in der Sonderschau zu sehen sind. Etwa durch eine Computersimulation wird der Bau des Schlosses rekonstruiert.

Auch Kunstobjekte sind zu sehen, die weltweit in musealen Sammlungen verstreut sind. In Pöggstall, wo diese Objekte unter anderem in Auftrag gegeben wurden, werden sie erstmals nach 500 Jahren wieder zusammengeführt. Als Highlight zählt der Wappenholzschnitt Albrecht Dürers, den er für die damaligen Schlossbesitzer, Wilhelm und Wolfgang von Roggendorf, angefertigt hatte. Die Sonderschau soll auch nach Ende der Landesausstellung zu sehen sein. Zudem soll es weitere Ausstellungen geben und 2018 soll das Gemeindeamt in das Schloss einziehen.

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