„Christophorus 2“: Müdigkeitstest für Nachtcrew

„Christophorus 2“ aus Krems-Gneixendorf ist österreichweit der einzige Rettungshelikopter, der in der Nacht fliegt. Bisher gab es 59 nächtliche Einsätze. Sie sind für die Crew zum Teil sehr fordernd, daher muss jeder einen Test machen.

„Die meisten Einsätze in der Nacht werden nördlich von Krems geflogen“, sagt Günther Grassinger, Stützpunktleiter in Krems, gegenüber noe.ORF.at. Dabei handelt es sich vor allem um Notfälle wie Wohnungsbrände oder Verkehrsunfälle sowie um Transportflüge. Zum Beispiel rückt „Christophorus 2“ dann aus, wenn ein Herzinfarkt-Patient im Krankenhaus in Mistelbach akut einen Katheter benötigt und diesen nur im Krankenkaus in St. Pölten bekommen kann. Während der Auto-Transport rund eineinhalb Stunden dauern würde, überstellt „Christophorus 2“ den Patienten in nur 22 Minuten.

Christophorus 2 Pilot
ÖAMTC/Postl
Die Nachtsichtbrille funktioniert wie ein Fernglas: Durch die beiden Röhren bildet sich ein Bild

Sichtfeld der Piloten eingeschränkt

Bei Dunkelheit sind solche Einsätze eine besondere Herausforderung. Die Piloten fliegen mit einer Nachtsichtbrille, dadurch ist ihr Sichtfeld stark eingeschränkt. „Normalerweise haben wir ein Sichtfeld von 200 Grad, bei den Piloten beträgt es 40 Grad“, so Grassinger. „Dadurch müssen sie den Kopf mehr schwenken, um mehr zu sehen. Wir lassen uns daher mehr Zeit zum Landen, weil wir den Platz erst erkunden müssen.“ Gelandet wird, sofern kein Landeplatz vorhanden ist, bei nächtlichen Einsätzen unter anderem am Ortsrand, auf Sportplätzen oder auf großen Wiesenflächen. Die Brille trägt der Pilot am Helm, sie ist etwa 1,2 Kilogramm schwer.

Nach mehreren Einsätzen in der Nacht muss jedes Crewmitglied die Müdigkeit testen. Dabei müssen Fragen am Computer beantwortet werden. Sie beziehen sich auf die Schlafdauer und wie lange er schon im Einsatz ist. Das Ergebnis zeigt dann an, ob man für einen weiteren Einsatz bereit ist. Zudem muss nach jedem Einsatz ein Fragebogen ausgefüllt werden. Denn es wird wissenschaftlich erhoben, wie sinnvoll die 24-Stunden-Flugrettung ist. Bis 2019 soll diese auch in anderen Bundesländern eingeführt werden. In Salzburg und Graz finden derzeit die ersten Schulungen bereits statt.

Christophorus 2
ÖAMTC/Postl

Pilotversuch „hat sich bisher bewährt“

Seit Jänner läuft das Pilotprojekt in Niederösterreich und „hat sich bisher sehr bewährt“, sagt Grassinger. „Wir konnten bisher sehr viele sinnvolle Einsätze verzeichnen“. Das Personal wurde dafür aufgestockt: Zehn Piloten, 26 Notärzte und 13 Flugretter sind abwechselnd im Einsatz. Auch der Hubschrauber wurde entsprechend umgerüstet. Beispielsweise wurde die Beleuchtung innen und außen angepasst - mehr dazu in „Christophorus 2“ wird nachtflugtauglich (noe.ORF.at; 19.2.2016).

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