Frauen, die Geschichte schrieben

Beim diesjährigen Tag des Denkmals, den am Sonntag das Bundesdenkmalamt veranstaltet, stehen Frauen, die Geschichte schrieben, im Mittelpunkt. 31 Destinationen laden bei freiem Eintritt zum Kennenlernen der Landesgeschichte ein.

Der Tag des Denkmals steht unter dem Motto „Heimat großer Töchter“. Der Besucher begibt sich in Niederösterreich auf die Spuren bedeutender Frauen. Kaiserin Maria Theresia sind Führungen im Stift Klosterneuburg (Bezirk Tulln) und im Schloss Mannersdorf am Leithagebirge (Bezirk Bruck an der Leitha) gewidmet. Bertha von Suttners Leben wird im Schloss Harmannsdorf (Bezirk Horn) erzählt. In Pottenstein (Bezirk Baden) steht Hermine Krupp mit ihrem „Kuhsalon“ im Mittelpunkt, der Ende des 19. Jahrhunderts für neue Maßstäbe bei der Hygiene setzte.

Der „Kuhsalon“ der Hermine Krupp

Den modernen Rindermastbetrieb mit der ersten halbautomatischen Melkanlage der k. u. k. Monarchie nannten die Berndorfer „Kuhsalon“.

Unbedingt zu nennen ist die Wissenschaftlerin Marie Jahoda, die in den 1930er Jahren an einer wichtigen soziologischen Studie zur Auswirkung von Langzeitarbeitslosigkeit mitgearbeitet hat. Die Studie ist weltberühmt in der Soziologie und die damals untersuchte Arbeitersiedlung Marienthal in Gramatneusiedl (Bezirk Bruck an der Leitha) ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das gilt auch für die Schwesternheime aus dem Jahr 1914 des ehemaligen Flüchtlingslagers Gmünd im Waldviertel. Das Leben von Frauen in der Bronzezeit beleuchtet das Urzeitmuseum in Nußdorf ob der Traisen (Bezirk St. Pölten).

Reiche Frauen vor 5.000 Jahren

Bestattungsriten und Grabbeigaben reich ausgestatteter Mädchen- und Frauengräber lassen Rückschlüsse auf das Leben vor 5.000 Jahren zu.

Das Benediktinerstift Altenburg (Bezirk Horn) begibt sich auf die Spuren der Klosterstifterin Hildburg von Poigen. Vorträge und Ausstellungsstücke lassen im Stadtarchiv Wiener Neustadt drei Frauen aus drei Jahrhunderten lebendig werden. Das Beethovenhaus Baden beleuchtet das Schicksal der „Frauen rund um Beethoven“. In Sommerein am Leithagebirge (Bezirk Bruck an der Leitha) hat Architekt Friedrich Kurrent seiner Frau, der Keramikerin Maria Biljan-Bilger, ein wunderschönes Museum geschaffen, dessen Fertigstellung die 1997 verstorbene Künstlerin nicht mehr erlebte.

Keramik, Steinskulpturen und Gobelins

In Sommerein werden Arbeiten der bedeutenden Keramikerin Maria Biljan-Bilger (1912-1997) vorbildlich präsentiert.

„Heuer haben wir ein umfangreiches und vielfältiges Programm erstellt, in dem viele Bau- und Kunstdenkmale vom Leben und Schaffen großer Frauen erzählen", sagt Niederösterreichs Landeskonservator Hermann Fuchsberger. „Dabei handelt es sich nicht nur um Herrscherinnen, Nobelpreisträgerinnen, Politikerinnen, Künstlerinnen und Wohltäterinnen, sondern auch um die vielen namenlosen mutigen Frauen vergangener Zeiten.“

Baudenkmäler, die nur an diesem Tag geöffnet sind

Schloss Coburg in Ebenthal (Bezirk Gänserndorf) ist ein mustergültig von dem heutigen Besitzerpaar restauriertes Baudenkmal mit langer Geschichte. Der Schlossherr führt selbst durch die historischen Räumlichkeiten wie dem Prunksaal, in dem Ferdinand I. als Zar von Bulgarien im 19. Jahrhundert inthronisiert wurde.

Innenansicht Bründlkapelle
BDA
Innenansicht der Bründlkapelle in Dietmanns

Ebenfalls nur am Sonntag geöffnet ist die Bründlkirche in Dietmanns (Bezirk Waidhofen an der Thaya). Sie liegt abgeschieden in einem Waldstück und ist ein neugotisches, romantisches Gesamtkunstwerk. Es gibt aber auch Interessantes aus dem frühen 20. Jahrhundert zu erkunden, wie das 1903 bis 1905 errichtete Bischöfliche Seminar der Diözese St. Pölten in Melk. Das spirituelle Zentrum der Anlage ist ein Meditationsraum, der seit 1972 als Jugendkapelle genutzt wird und in seiner künstlerischen Ausgestaltung die nachkonziliare Aufbruchsstimmung in der katholischen Kirche zum Ausdruck bringt.

Hannes Steindl, noe.ORF.at

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