Immer mehr Asylquartiere werden geschlossen

Immer mehr Asylquartiere in Niederösterreich stehen leer. Seit Jahresbeginn sind 25 Unterkünfte geschlossen oder stillgelegt worden. In Tulln, wo seit Mai ein Aufnahmestopp gilt, wurden jetzt zwei von fünf Rotkreuz-Unterkünften stillgelegt.

Laut Angaben der Stadtgemeinde leben in Tulln derzeit 111 Asylwerber in Quartieren und Privatunterkünften, knapp ein Drittel weniger als noch vor einem halben Jahr. Aufgrund der sinkenden Zahlen stehen zwei Quartiere des Roten Kreuzes, jenes bei der Agrana und jenes in Frauenhofen (Bezirk Tulln), seit kurzem leer. Sie werden allerdings vorerst nicht geschlossen, sondern können bei Bedarf jederzeit wieder verwendet werden.

Aufnahmestopp immer noch in Kraft

Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP) hält nach wie vor am Aufnahmestopp für Asylwerber fest. Dieser war im Mai erlassen worden, als nach der Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens Asylwerber verdächtigt worden waren. Mittlerweile befinden sich zwei Verdächtige, ein Somalier und ein Afghane, in Untersuchungshaft - mehr dazu in Nach Vergewaltigung: Zweiter Mann in Haft (noe.ORF.at; 19.5.2017).

„Die Stadt Tulln hat vor diesem Vorfall enorm viel im Bereich der Flüchtlingshilfe geleistet“, sagt Bürgermeister Eisenschenk im Gespräch mit noe.ORF.at. Angesichts von gesunkenen Ankunftszahlen gebe es derzeit auch kaum Druck auf Asylquartiere. Im Vergewaltigungsfall dürfte die Staatsanwaltschaft St. Pölten in zwei bis drei Monaten einen Abschlussbericht vorlegen. Auf Grundlage dieser Informationen will Eisenschenk anschließend die Lage neu bewerten.

Landesweit rückläufige Zahlen

In den vergangenen Monaten ist auch landesweit sowohl die Zahl der Asylwerber in der Grundversorgung als auch jene der Asylquartiere zurückgegangen. Während zu Spitzenzeiten mehr als 15.000 Asylwerber versorgt wurden, waren es mit Stichtag vom 9. Oktober lediglich 9.525. Zwei Drittel davon waren in organisierten Quartieren, der Rest privat untergebracht. Insgesamt gab es an diesem Tag laut Angaben des Landes 619 Unterkünfte - um 25 weniger als noch zu Jahresbeginn.

Am wichtigsten sei es nun laut Asyllandesrat Franz Schnabl (SPÖ), die Menschen „weiterhin möglichst großräumig auf Niederösterreich zu verteilen.“ Nur so könne „auch in Zukunft die zielgerichtete Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt bestmöglich gewährleistet“ werden, so Schnabl am Montag auf Anfrage.

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