Aficionado der Bühne: Erwin Schrott in St. Pölten

Als showgeeichter Strahlemann im musikalischen Latino-Outfit und wahrer Aficionado der Bühne hat sich der aus Uruguay stammende Starbariton Erwin Schrott am Samstagabend im Festspielhaus St. Pölten präsentiert.

Tags zuvor hatte er bei einem Benefizkonzert in Wien 90.000 Euro Reinerlös erzielt, die Not leidenden ostafrikanischen Kindern zugutekommen. Nun ging die Reise weiter, mit einem südamerikanischen Repertoire, das klassische Songs aus Tango, Samba, Salsa und Bolero enthielt. Carlos Gardel stand am Beginn, Piazzolla, Jobim, Veloso folgten und manches mehr, davon vieles von Schrott selbst gekonnt arrangiert, „Perfida“ von Alberto Dominguez zum Beispiel von Christian Kolonovits. Die Instrumentalmusiker spielten durchwegs hoch professionell, Bassistin Gina Schwarz steuerte sogar eine feine Nummer bei, Pianist Federico Lechner einige aberwitzige Soli.

Erwin Schrott Cuba Amiga
Thommy Mardo
Assistiert von einer ausgezeichneten Band, riss Schrott mit seinem Programm „Cuba Amiga“ das Publikum förmlich von den Stühlen: Standing Ovations!

Ein Strahlemann im Latino-Outfit

Die Show ereigne sich nicht auf der Bühne, sondern primär im Publikum, erklärte Schrott. Quod erat demonstrandum, denn von Show versteht er schon einiges. Wenn er zwischen Singen und (viel) Plaudern, Tänzeln und Dirigieren zum Mitklatschen einlädt, lässt sich (fast) niemand lange bitten. Im späteren Verlauf des Abends schwingt er die Jacke seines hellen Anzugs wie ein Torero das Tuch und wirft sie in den Zuschauerraum. Man sieht: Der Mann hat Spaß an seinem Tun und teilt ihn gern. Da glühen denn auch die Mobilkameras in den Zuschauerreihen.

Dass viele Balladen - darunter auch das populäre „Besame Mucho“ - letztlich doch wie dramatische Opernarien klingen, vermag Schrott-Fans nicht wirklich zu irritieren. Als letztes Stück auf der regulären Setlist stand das legendäre „Hasta siempre“ des kubanischen Komponisten Carlos Puebla aus dem Jahr 1965, eine Hommage an Comandante Che Guevara. Auch wenn Schrott gleichsam prophylaktisch vorausschickte, Musik solle grundsätzlich mit Politik und Ideologie nichts zu tun haben, blitzte hier doch ein ganz wesentliches Element südamerikanischer Identität auf.

Sympathisch kam auch die Mitwirkung zweier Gäste an: Der erst 16-jährige Michael Häringer, Urururenkel von Franz Liszt, stellte seine pianistische Virtuosität u.a. bei „El Manisero“ unter Beweis, und die österreichische Musicalsängerin Daniela Dett erwies sich bei zwei Nummern nicht nur als kongeniale Gesangs-, sondern auch Tanzpartnerin. Die Zugaben absolvierte Schrott ohne Mikrofon - und genoss den lange anhaltenden Beifall.

Ewald Baringer, Austria Presse Agentur

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