Nach Explosion: Anlage wieder in Betrieb

Nach der Gasexplosion in Baumgarten an der March (Bezirk Gänserndorf) mit einem Toten und 21 Verletzten geht die Suche nach der Ursache weiter. Inzwischen ist die Anlage wieder in Betrieb. Der betroffene Teil konnte isoliert werden.

Noch in der Nacht konnte die Gasstation in Baumgarten an der March wieder hochgefahren werden. Bis spät am Abend seien Experten damit beschäftigt gewesen, die Anlage zu kontrollieren, heißt es bei der Betreiberfirma Gas Connect Austria. Demnach gelang es, den von der Explosion betroffenen Teil im westlichen Bereich der Anlage abzuschotten und zu isolieren. Dieser Teil der Anlage bleibt bis auf weiteres abgeschaltet.

Die internationalen Gasleitungen sind unterdessen wieder in Betrieb. Alle Transitleitungen seien kurz vor Mitternacht wieder in Betrieb genommen worden, bestätigte der Geschäftsführer von Gas Connect Austria, Harald Stindl, am Mittwoch im „Ö1-Morgenjournal“. Alle diese Leitungen seien wieder zu 100 Prozent leistungsfähig.

Luftaufnahme Gasstation in Baumgarten
APA/ Matthias Fischer

Bei einer Explosion in der Gasstation von Gas Connect in Baumgarten in Niederösterreich kam am Dienstag in der Früh eine Person ums Leben. 21 Menschen wurden verletzt, einer davon schwer. Das mit Verbrennungen schwerverletzte Opfer wurde nach ÖAMTC-Angaben von „Christophorus 9“ ins AKH Wien geflogen - mehr dazu in Explosion: 21 Verletzte auf Spitäler aufgeteilt (noe.ORF.at; 12.12.2017).

Laut Gas Connect handelt es sich bei dem Toten um einen Mitarbeiter des TÜV (Technischer Überwachungsverein). Seitens der Polizei hieß es am Dienstag, dass man noch einen DNA-Abgleich abwarte. Mittwochfrüh bestätigte Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion Niederösterreich, dass es sich um einen 32-jährigen Mann aus dem Bezirk Korneuburg handle.

Todesopfer führte offenbar Überprüfungen durch

Laut einem Bericht des „Kurier“ soll der 32-Jährige mit Überprüfungen am Gelände in Baumgarten an der March beschäftigt gewesen sein, als es zur Explosion kam. Offenbar war am Montag ein neuer Anlagebehälter in Betrieb genommen und mit sechs Bar Druck begast worden. Nachdem am Dienstag kein Druckverlust bemerkbar gewesen sei, sollte er demnach in Vollbetrieb übernommen werden - das sollte vom TÜV überprüft werden.

In diesem Bereich soll es zu einer Verpuffung gekommen sein. Die Erhebungen der Brandermittler werden am Mittwoch in der Früh fortgesetzt, sagte Sprecher Heinz Holub von der Landespolizeidirektion Niederösterreich.

Ursache für den Unfall dürfte ein technisches Gebrechen gewesen sein. Die Anlage wurde im „kontrollierten Zustand“ heruntergefahren und war am Nachmittag noch außer Betrieb. Bei den Opfern handle es sich mehrheitlich um Mitarbeiter von Gas Connect, sagte Unternehmenssprecher Andreas Rinofner. Der Verstorbene war allerdings Mitarbeiter einer Fremdfirma, hieß es von seiner Seite. Etwa 50 Personen wurden nach der Explosion von Kriseninterventionsteams (KIT) betreut. Die gewaltige Explosion war laut der Nachrichtenagentur TASR auch von slowakischer Seite sichtbar.

Am Nachmittag wurde Brand aus gegeben

Die Explosion hatte sich laut dem Sprecher im westlichen Bereich der Anlage ereignet. Die Ausdehnung der Explosion auf dem 17 Hektar großen Areal beschrieb Gas Connect-Geschäftsführer Stefan Wagenhofer mit etwa 100 mal 100 Metern. Es handle sich um einen Bereich, wo es zuletzt eine Bautätigkeit gegeben habe. „Heute nicht“, fügte der Geschäftsführer hinzu. Erst gegen 15.30 Uhr gab es schließlich Brand aus. Nachlöscharbeiten dauerten aber weiter an. Zudem sollte eine Brandwache die gesamte Nacht auf Mittwoch aufrecht bleiben. Wann die Gasstation den Betrieb wieder aufnehmen kann, wurde am Dienstagnachmittag von Experten beraten.

Flugaufnahmen der Unglücksstelle

Das verheerende Ausmaß der Gasexplosion im Weinviertel zeigen diese Luftaufnahmen, die am Dienstagnachmittag gemacht wurden.

Die Explosion hatte ein Großaufgebot an Einsatzkräften gefordert. So wurden etwa 22 Feuerwehren mit 240 Mann alarmiert, wie Landeskommandant Dietmar Fahrafellner mitteilte. Das Rote Kreuz stellte 40 Mitarbeiter. Hinzu kamen noch vier Notärzte und drei Mediziner aus der unmittelbaren Region sowie zwei Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT). Die Polizei entsandte 14 Streifen und 41 Mann der Einsatzreserve. Zudem wurde die Feuerwehr vom Hubschrauber „Libelle“ aus mit Live-Bildern bei der Findung des Brandherdes unterstützt.

In Österreich droht kein Gasengpass

Die Gasstation ist die größte Import- und Übernahmestation für Erdgas in Österreich. Erdgas aus Russland, Norwegen und anderen Ländern wird dort übernommen, gemessen, geprüft und für den Weitertransport verdichtet. Zudem wird vor allem der Osten Österreichs versorgt. Obwohl die Station heruntergefahren wurde, droht vorerst aber kein Engpass an Erdgas. Gas Connect Austria sagte zu, dass die nationale Erdgasversorgung auf „absehbare Zeit abgedeckt werden kann“.

Der Transit durch Österreich Richtung Süden und Südosten sei allerdings bis auf weiteres beeinträchtigt. Die Unternehmen der EAA Gruppe - Energie Burgenland, EVN und Wien Energie - haben nach eigenen Angaben vorsorglich „große Mengen Erdgas für ihre Kunden in leistungsfähigen Speichern gelagert“. „Über die sogenannte Westschiene, eine leistungsstarke Transportleitung von den Gasspeichern in Oberösterreich in den Osten, kann Erdgas zu den Kunden in Ostösterreich transportiert werden“, versicherte die Allianz in einer Aussendung.

Anlage soll bald wieder in Betrieb gehen

Italien erklärte hingegen den Notstand bei der Energieversorgung. Italiens Gasnetz-Betreiber SNAM, der neben dem Versicherungskonzern Allianz ebenfalls an Gas Connect beteiligt ist, hofft auf eine rasche Rückkehr zur Normalität. Nach ersten Angaben von Experten und Sachverständigen wurde Dienstagnachmittag der kaputte Teil der Anlage abgekappt, sodass die restliche Anlage in der Nacht auf Mittwoch wieder in Betrieb gehen könne, hieß es Dienstagabend. Damit soll der Transit nach Süden auch wieder sichergestellt sein.

Werner Fetz berichtet aus Baumgarten

Aus Baumgarten an der March berichtet ORF-Reporter Fetz von der Lage, zehn Stunden nach der verheerenden Explosion.

Allerdings zogen nach der Explosion die Gaspreise in Europa scharf an. In Italien stieg der Day-ahead-Großhandelspreis um 87 Prozent auf 44,50 Euro je Megawattstunde (MWh). Der Preis für britisches Gas zur sofortigen Lieferung schnellte um 32 Prozent nach oben. Italien zeigte sich zwar besorgt. Es sei jedoch nicht mit Engpässen in den Gaslieferungen zu rechnen, da Italien auf Reserven zurückgreifen könne, hieß es in einer Presseerklärung des Wirtschaftsministeriums. Die Lage sei unter Kontrolle.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Bundespräsident Alexander van der Bellen zeigten sich in Reaktionen tief betroffen. Die Landeshauptfrau besuchte am Nachmittag den Unglücksort - mehr dazu in Tiefe Betroffenheit nach Gasexplosion.

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