Die Parteikonzepte zum ländlichen Raum

Das Land Niederösterreich und seine Bevölkerung sind im Wandel. Eine künftige Herausforderung ist die Gestaltung des ländlichen Raums. noe.ORF.at hat die Konzepte der Landtagsparteien und NEOS dazu zusammengefasst.

Es ist ein Trend, den es schon seit einigen Jahren gibt, der sich aber vor allem jetzt und in der nahen Zukunft weiter zuspitzen wird: Die Landflucht. Einige Regionen in Niederösterreich kämpfen mit Bevölkerungsschwund, allen voran die Bezirke Zwettl und Horn.

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Auf der anderen Seite wachsen die Städte Niederösterreichs, vor allem rund um Wien. Der sogenannte „Speckgürtel“ wird immer größer, Menschen suchen die Nähe zur Stadt. Doch was bedeutet das für den ländlichen Raum und was kann die Politik tun - noe.ORF.at hat nachgefragt.

ÖVP will digitalen Wandel für große Chancen nutzen

ÖVP-Spitzenkandidatin und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner rückt bei dieser Frage den digitalen Wandel in den Fokus, denn dieser bringe, so Mikl-Leitner, große Chancen und Perspektiven für den ländlichen Raum. „Durch moderne Technologien werden sich auch neue Betriebe in den ländlichen Regionen ansiedeln und auch Arbeitsplätze schaffen“, so die ÖVP-Spitzenkandidatin.

Die moderne Technologie macht es laut Mikl-Leitner zudem auch möglich, dass das Land 500 Arbeitsplätze von der Verwaltung in St. Pölten in die ländlichen Regionen verlagere. „Damit schaffen wir neue Arbeitsplätze in den Regionen und heben auch die Innovationskraft vor Ort. Das heißt, ganz große Chancen gibt es im digitalen Wandel und wir wollen den digitalen Wandel so nutzen, dass er dem Land und den Menschen hilft.“

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ORF / Novak

Grüne wollen Breitband-Milliarde

Für die Klubobfrau und Spitzenkandidatin der Grünen, Helga Krismer, ist das Geld im ländlichen Raum bislang nicht richtig investiert worden. Die Grünen wollen eine Milliarde Euro in den Breitbandausbau investieren.

„Für die Grünen sind zwei Dinge im ländlichen Raum wichtig, zum einen der öffentliche Verkehr, denn das bringt auch Arbeitsplätze. Menschen können, weil Betriebe angesiedelt werden, arbeiten und zum anderen ist man schneller in einem zentralen Ort. Wir brauchen endlich diese Daten-Highways. Wir stehen da für eine Milliarde, die wir brauchen in Niederösterreich“, sagt Krismer.

SPÖ will Gesundheits-Netz am Land dichter schnüren

Sendungshinweis:

„NÖ heute“, 13.12.2017

Landesrat und SPÖ-Spitzenkandidat Franz Schnabl möchte den ländlichen Raum in Niederösterreich in vielerlei Hinsicht weiterentwickeln, wie er gegenüber noe.ORF.at sagt, etwa in den Bereichen Arbeitssituationen und Gesundheit. „Man muss schauen, was sind die Gründe, warum die Menschen in Ballungszentren ziehen, obwohl dort die Wohnungen viel teurer sind. Die Gründe sind auf jeden Fall die Arbeit, zum zweiten die vielfältigen Freizeitangebote, zum dritten das Thema Gesundheit und soziale Versorgung, das dort viel dichter gestaltet ist als im ländlichen Raum“, so Schnabl.

Man müsse das Netz im ländlichen Raum laut dem SPÖ-Politiker in diesen Bereichen dichter machen. „Das ist nur möglich, wenn auf der einen Seite die Infrastruktur passt und auf der anderen Seite Schwerpunktversorgungen im Bereich Soziales und soziale Vorsorge da sind. Wir sind zum Beispiel im Bereich der Altenbetreuung dafür, bei den Seniorenbetreuungen und Residenzen viel kleinere dezentrale Einheiten im ländlichen Raum zu schaffen.“

FPÖ will in „allen Speckgürteln“ tätig werden

Dass die Landflucht primär ein weibliches Phänomen ist, sagt FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer. „Der Mangel an Schulen, Infrastruktur und Arbeitsplätzen im ländlichen Gebiet ist natürlich ein Problem, mit dem wir konfrontiert sind.“

Landbauer spricht zudem davon, dass Niederösterreich nicht nur einen Speckgürtel habe. „Denn nahezu jede Bezirkshauptstadt stellt einen Speckgürtel dar. Da sage ich, es geht um die Ausweitung all dieser Speckgürtel in allen Bezirken, die wir haben, weitest möglich in den ländlichen Raum hinein mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, mit Bildungseinrichtungen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, um hier den Menschen vor Ort die Möglichkeit zu bieten zu wohnen, zu leben und zu arbeiten“, so Landbauer.

NEOS setzt auf „übergeordnete Planung“

Für NEOS-Spitzenkandidatin Indra Collini ist es wichtig, dass die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher die Freiheit haben, sich aus eigener Kraft etwas schaffen zu können. „Ganz wichtig ist dabei, dass sie in ihrer Region oder Gemeinde bleiben können. Man muss in unserem Land Tourismus, Wirtschaft, Landwirtschaft und Verkehr ganzheitlich denken und nicht immer nur kleine Teillösungen schaffen“, so Collini, die für eine übergeordnete Planung für gemeinsame Infrastruktur eintritt, wie etwa für Krankenhäuser, Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten. „Und es braucht bessere Rahmenbedingungen, dass wieder Leben einkehren kann: Es muss leichter werden unternehmerisch tätig zu sein. Das schafft Arbeitsplätze. Es braucht eine passende Kinderbetreuung, damit junge Familien am Land bleiben können“, sagt Collini.

Benedikt Fuchs und Claudia Schubert, noe.ORF.at

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