Neujahrsbräuche: Borstenvieh und Donauwalzer

„The same procedure as every year?“ Gerade zum Jahreswechsel gibt es zahlreiche Bräuche, man wünscht jemandem etwa einen „guten Rutsch“. Reinhard Kriechbaums neues Buch „Borstenvieh und Donauwalzer“ bietet viel Kulturhistorisches.

„Einen guten Rutsch ins neue Jahr!“ Damit soll „niemand aufs Glatteis geschickt werden. Auf solches begeben wir uns nämlich sprachgeschichtlich bei diesem Glückwünsch“, schreibt Autor Reinhard Kriechbaum. Der Publizist und Kunsthistoriker erklärt, dass die Formulierung aus dem Jiddischen komme: „Rosch ha-Schana“ heißt das jüdische Neujahrsfest - und „Rosch“ (das haupt, in übertragenem Sinn „der Anfang“) wurde verballhornt zum „Rutsch“. „Ein guter Jahresanfang also“, so Volkskundler Kriechbaum.

Warum sagt man „Prosit Neujahr“?

Für den Wunsch „Prosit Neujahr“ wurde bei den Römern Anleihe genommen. „Pro sit“ in der Sprache des Gaius Iulius Caesar bedeutet „es möge gut sein“ oder „es soll gedeihen“. Dabei war es dieser Staatsmann und Feldherr, der den Jahresanfang am 1. Jänner als erster „amtlich“ verordnete. „Er hat damals den Kalender mit der Einführung von regelmäßigen Schaltjahren in Ordnung gebracht. So einigermaßen jedenfalls“, erfährt man in dem im Anton Pustet Verlag erschienenen Buch „Borstenvieh und Donauwalzer“.

Glücksbringer Schweine
APA/Herbert Pfarrhofer
„Ein kluger Mann verehrt das Schwein, er denkt an dessen Zweck. Von außen ist es ja nicht fein, doch drinnen sitzt der Speck“ (Wilhelm Busch)

Wie viele Bräuche gibt es zu Silvester und Neujahr? Bleigießen? Raketen in die Luft schießen? Das Neujahrskonzert im Fernsehen anschauen? Ein Kleeblatt verschenken? Einen Walzer tanzen? Kriechbaum beschreibt auf 240 Seiten eine Vielzahl unterschiedlicher Rituale und Gepflogenheiten, Umzüge und Maskeraden in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Es gäbe noch viel mehr, „Altes, wie es seit Generationen eingebürgert ist, und Neues, das der gegenwärtigen urbanen Betriebsamkeit entspricht: ein bunter Mix, ein Bild unserer Zeit“, meint der Autor.

Buchhinweis

Reinhard Kriechbaum: Borstenvieh und Donauwalzer. Geschichten und Bräuche rund um den Jahreswechsel. Verlag Anton Pustet, 240 Seiten, € 19,95.

Geld spielt zu Silvester keine Rolle

Die letzten Tage des heurigen Jahres bringen den Händlern in den großen Einkaufsstraßen und Shoppingcentern noch einmal einen kräftigen Umsatzschub. Zu den großen Gewinnern zählt auch der Lebensmittelhandel, der jetzt die „höchsten Peaks“ des Jahres hat. Vor den Festtagen und vor Silvester steigen die Ausgaben für Essen und Trinken enorm. Die Sektbranche fährt ihr Jahresgeschäft in diesem Zeitraum ein, trinken die Österreicher doch etwa zwei Millionen Flaschen Sekt zu Silvester. Die Feuerwerksbranche erlöst etwa zehn Millionen Euro.

Wie viel geben die Österreicherinnen und Österreicher für Glücksklee und Hufeisen, Schweinchen und Marienkäfer aus? Nach Auskunft der Wirtschaftskammer Österreich legen Frau und Herr Österreicher zwischen zehn und 25 Euro auf den Tisch, um zum Jahreswechsel kleine Glücksbringer zu kaufen und zu verteilen, die dann den Rest des Jahres in alten Kaffeetassen oder in irgendwelchen Schubladen vergessen werden.

Warum Hufeisen und Fliegenpilze Glück bringen

Wieso soll ein Hufeisen Glück spenden? Darüber gibt es - wie so oft in der volkskundlichen Forschung - unterschiedliche Auffassungen der Gelehrten, meint Autor Kriechbaum: „Die einen führen die geöffnete Kreisform ins Treffen: Der geschlossene Kreis stand im Volksglauben zumeist für Schutz. Dies ist der magische Gedanken-Ursprung von Halsreifen und anderem ringförmigen Körperschmuck. Von außen Kommendes sollte abgewehrt werden. Im Falle einer runden Form, die auf einer Seite offen ist, handelt es sich hingegen um eine Art ‚Pforte‘, durch die das Glück Einlass findet.“

Glücksbringer Rauchfangkehrer
APA/dpa/Caroline Seidel
„Das Glück is a Vogerl, gar liab, aber scheu, es lasst si schwer fangen, aber fortg’flogn is glei“, heißt es in einem populären Wienerlied

Wie kommt ausgerechnet ein Giftpilz wie der Fliegenpilz zu einem so positiven Image als Glücksbringer? „Narrenschwamm“ wurde der Fliegenpilz auch oft genannt. „In kleinen Mengen eingenommen, hat der Fliegenpilz sedative und halluzinogene Wirkung. Das haben sich vor einigen hundert Jahren Leute zunutze gemacht, um Rauschzustände herbeizuführen. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich der Fliegenpilz in Sibirien sogar zu einer Modedroge“, weiß Kriechbaum.

Dass so ein auffälliger Pilz zu Fantasien anregt, auch wenn man ihn nicht essen kann, ist verständlich: „Zum Namen ‚Hexenröhrling‘ kam er, weil die Pilze gern im Kreis wachsen. Das tun andere Pilze auch, aber bei den roten Kappen sticht es besonders hervor. Abergläubische Menschen nahmen dann an, dass so ein Fliegenpilz-Rund ein Tanzplatz für Hexen wäre.“

Reinhard Linke, noe.ORF.at

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