Der nicht Einzuordnende: HK Gruber wird 75

Er gehört zu den nicht leicht Fassbaren, zu den nicht Einzuordnenden seines Fachs: Der Komponist HK Gruber, der einen Wohnsitz in Rosenburg (Bezirk Horn) hat, wird am Mittwoch 75 Jahre alt.

Der Komponist vereint in erratischer Weise die Musikgeschichte und die Musiktraditionen des 20. Jahrhunderts in sich und seinem Werk, ist sowohl im Konzertsaal als auch abseits des traditionellen Musikbetriebs erfolgreich. Der Komponist, der auch als Kontrabassist, Chansonnier, Schauspieler und Dirigent wirkt, gilt zu Recht als eines der originellsten musikalischen Talente Österreichs.

HK Gruber 2014
APA/Dietmar Stiplovsek
HK Gruber: Komponist, Kontrabassist, Chansonnier, Schauspieler und Dirigent

Grubers Quellen speisen sich ebenso aus der klassischen Tradition wie dem volkstümlichen Liedschaffen. Zeitgenössische Bewegungen hinterließen im Werk des Wieners ebenso Spuren wie die Weimaraner Arbeiten Kurt Weills oder Hanns Eislers. Bar einfacher Einordnungen in stilistische Schulen reiht HK Gruber chromatische wie diatonische ebenso wie neoklassische Elemente aneinander, gewürzt mit Anklängen an Revue und Pop. Als Kitt dient ihm dabei stets der Humor und der leichte Zugang an schwere Arbeiten.

Mit „Frankenstein!!“ gelang ihm der Durchbruch

Geboren wurde Heinz Karl Gruber am 3. Jänner 1943 in Wien, wo er mit zehn Jahren Sängerknabe wurde (bis 1957). Anschließend studierte er bis 1963 an der Wiener Musikhochschule Kontrabass, Horn, Elektronik, Filmmusik, Tanz, Zwölftontheorie und Komposition (bei Alfred Uhl, Erwin Ratz und Gottfried von Einem). 1968 gründete er mit Kurt Schwertsik und Otto M. Zykan das Ensemble MOB art & tone ART, in dem er gleichzeitig sang und schauspielerte. Parallel war er bis 1969 Kontrabassist des Tonkünstler-Orchesters und von 1969 bis 1995 Mitglied des ORF Radiosymphonieorchesters. Auch dem Ensemble „die reihe“ ist Gruber eng verbunden, was ebenso für das Ensemble Modern und die London Sinfonietta gilt.

Geburtstagskonzert am 12.1.

Anlässlich des 75. Geburtstages von HK Gruber spielt das ORF Radio-Symphonieorchester am 12.1. ein Geburtstagskonzert im Wiener Konzerthaus, das Gruber auch selbst dirigiert. Alle Infos dazu gibt es hier: rso.orf.at

Als Komponist katapultierte ihn das 1978 von Simon Rattle uraufgeführte „Frankenstein!! Ein Pandämonium für Chansonnier und Orchester“ nach Kinderreimen von H.C. Artmann an die internationale Spitze. Erfolg feierte Gruber in den folgenden Jahrzehnten auch mit seinen Streicherkompositionen, darunter zwei für Ernst Kovacic komponierte Violinkonzerte und ein Cellokonzert für Yo-Yo Ma. „Aerial“, 1999 für den Trompeter Hakan Hardenberger geschrieben, entwickelte sich mit mehr als 60 Aufführungen zum modernen Klassiker.

Oper nach Horvath: „Zart und bitter zugleich“

Percussionsdiva Evelyn Glennie zählt sein Schlagzeugkonzert „Rough Music“ zu ihrem Repertoire, während die Wiener Volksoper 1993 Grubers apokalyptische Oper „Gomorra“ uraufführte. Seine musikalische Variante von „Gloria von Jaxtberg“, der Schweinegeschichte von Rudolf Herfurtner, kam in den 1990er Jahren unter anderem am Münchener Volkstheater und dem Festival Wien Modern zur Aufführung, und als Filmkomponist reüssierte Gruber im Rahmen des Mozartjahres 1991 beim Fernsehfilm „Bring me the head of Amadeus“.

Heinz Karl Gruber
APA/Georg Hochmuth
Auch mit 75 gefragt: Heinz Karl Gruber

Beim Wiener Konzerthaus war er 2008/2009 „Artist in Residence“. Zu den jüngsten Arbeiten gehört die 2011 uraufgeführte Orchestersuite „Northwind Pictures“ sowie ein Schlagzeugkonzert mit dem Titel „into the open...“ für Martin Grubinger. 2014 war bei den Bregenzer Festspielen die Uraufführung von „Geschichten aus dem Wienerwald“ nach Ödön von Horvath.

Aber nicht nur als Komponist ist Gruber auf den Bühnen der Welt gefragt. Er übernimmt international regelmäßig die Rolle des Chansonniers in „Frankenstein!!“ und organisierte mit anderen die Reihe Alternative Vienna, die 1993 vom London Philharmonic Orchestra und dem South Bank Centre veranstaltet wurde. Als Dirigent gastiert Gruber überdies regelmäßig bei führenden Orchestern und hat seit 2010 beim BBC Philharmonic die Funktion eines „Composer/Conductor“ inne.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

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