Industrie nimmt angekündigte Strafzölle gelassen

Niederösterreichs Industrie reagiert gelassen auf die von US-Präsident Trump angekündigten Strafzölle für Stahlimporte. Exportorientierte Konzerne wie die Voest oder Schöller Bleckmann befürchten keine größeren Auswirkungen.

Für die heimische Wirtschaft sind die USA nach Deutschland das zweitwichtigste Exportland. Die angedrohten Strafzölle bereiten der Industriellenvereinigung Niederösterreich vorerst aber keine großen Sorgen. Und das obwohl pro Jahr Güter im Wert von etwa neun Milliarden Euro aus Niederösterreich in die USA exportiert werden.

Das sei zwar schon eine Größenordnung, die wichtig sei, sagt Andreas Ludwig, Vizepräsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich, aber er glaube nicht, dass man sich „konkret Sorgen machen müsse“ - „vor allem in Zeiten einer Hochkonjunktur, wie wir sie schon lange nicht mehr gehabt haben“, so Ludwig.

Exportbetriebe laut Industrie gut aufgestellt

Beim Voestalpine Konzern, der auch ein Werk in Krems hat, heißt es auf Nachfrage, man werde die Auswirkungen auf das Geschäft in den USA prüfen. Beim Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann in Ternitz (Bezirk Neunkirchen) sieht man ebenfalls noch keine unmittelbaren Auswirkungen.

Die Industrie sieht jetzt die Europäische Politik am Zug. Grundsätzlich seien Strafzölle der falsche Weg, die heimischen Exportbetriebe seien aber gut aufgestellt, heißt es. Ludwig ist überzeugt, dass die Flexibilität vorhanden sei, „durchaus auch kurzfristig zu reagieren, sollte es in den USA etwa schwieriger werden“. Dann könne man auch andere Märkte finden, um das zu kompensieren. Generell profitieren die heimischen Industriebetriebe derzeit vom weltweiten Wirtschaftswachstum, heißt es.

Facharbeitermangel als größtes Problem

Die Auftragslage sei sehr gut, heißt es. Das führe laut Ludwig allerdings zu einem wesentlichen Problem, nämlich dem Mangel an Facharbeitern und Führungspersonal. „Viele Industriebetriebe sowohl in Niederösterreich als auch in Österreich und ganz Europa suchen händeringend nach gut qualifiziertem Personal, um die Nachfrage, die es momentan gäbe, die wahrscheinlich höher wäre als wir momentan befriedigen können, abzudecken“, sagt Ludwig.

Die Wirtschaft habe die Lehrlingsausbildung und die Weiterbildung deshalb mittlerweile verstärkt. Die Lehrlingszahlen würden überall steigen. „Die Schwierigkeit ist nur wirklich motivierte junge Lehrlinge zu finden, die diese Ausbildung dann auch in Anspruch nehmen“, so Ludwig. Die niederösterreichische Industriellenvereinigung spricht sich deshalb für eine Aufwertung der Lehrberufe und flexiblere Arbeitszeiten aus.

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