Ardagger: Eine Gemeinde mit vier Identitäten

Gemeindezusammenlegungen stoßen oft auf heftige Kritik. So auch 1971 im Mostviertel, als man Ardagger Markt, Ardagger Stift, Stephanshart und Kollmitzberg zusammenführte. Viele Befürchtungen von damals blieben aber unbegründet.

Die Überlegung, die vier Gemeinden Ardagger Markt, Ardagger Stift, Stephanshart und Kollmitzberg (Bezirk Amstetten) im Zuge einer Gemeindestrukutrreform zu einer Gemeinde zusammenzuführen - nämlich Ardagger - sorgte Anfang der 70er-Jahre nicht unbedingt für Jubel unter den Einwohnern. Stattdessen gab es Reibereien und viel Kritik.

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Man habe vor allem befürchtet, dass die Gemeinden ihre Eigenständigkeit aufgeben müssten, weiß Bürgermeister Johannes Pressl (ÖVP). „Die Orte, die hier zusammengelegt worden sind, sind wirklich in sich selbständig gewachsene Strukturen, mit eigener Kirche, eigener Pfarre, mit einem Musikverein, mit eigenem Dorferneuerungsverein, eigener Feuerwehr“, gibt Pressl zu Bedenken.

Individualität trotz gemeinsamer Verwaltung

All das gibt es auch heute noch. Die Befürchtungen hätten sich nämlich nicht bewahrheitet, heißt es. Jede Katastralgemeinde blieb bei ihrer Selbständigkeit. Nach wie vor setzt man in Ardagger auf die Individualität der einzelnen Gemeinden. Nur Infrastruktur, etwa Schulen, werden gemeinsam genutzt und es gibt auch eine gemeinsame Verwaltung. „Obwohl die vier Katastralen seit 1971 zu einer Gemeinde zusammengefasst sind, haben sie ihr eigenes Vereinsleben. So gibt es in der Marktgemeinde Ardagger vier Feuerwehren, vier Musikkapellen, vier Pfarren“, heißt es auch auf der Homepage der Gemeinde.

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Abgesehen davon sei den Menschen heute aber immer mehr bewusst, dass man nach außen hin als eine Gemeinde wahrgenommen werde, sagt Pressl. Mittlerweile habe man sogar einen gewissen Stolz entwickelt. Viele würden heute sogar durchaus sagen „Ich bin aus Ardagger“, sagt der Bürgermeister. Und dass obwohl man in den 90ern sogar noch einmal überlegt hatte, sich wieder zu trennen. Soweit kam es dann allerdings nicht.

Verkehr und Hochwasser als Herausforderungen

Heute steht die Gemeinde vor ganz anderen Herausforderungen. Eines davon ist die Hochwassergefahr durch die Nähe zur Donau. Nach wie vor werden Bewohner von Häusern im Gefahrengebiet abgesiedelt. Ein anderes Problem ist der Verkehr. Gleich zwei Katastralgemeinden liegen nämlich direkt an der B119, die gerne von Pendlern aus Oberösterreich genutzt wird. Bis zu 7.000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs. Deshalb arbeitet man in Ardagger derzeit an einem neuen Verkehrskonzept.

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Laut Pressl geht es dabei vor allem um Verkehrssicherheitsfragen. „Wir haben an einer definierten Strecke zum Beispiel 14 Aus- und Einfahrten auf einem bis 1,5 Kilometer“, skizziert er das Problem, „Und letztlich geht es darum, hier Aus- und Einfahrten zu bündeln, hier sichere Kreuzungsbereiche zu schaffen.“ Derzeit entwickle man mit der Straßenbauabteilung Konzepte, die man mittel- bis langfristig umsetzen wolle, heißt es.

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