Das Ende der Ersten Republik im Museum

Am 11. März jährt sich um 80. Mal das Ende der Ersten Republik, Bundeskanzler Kurt Schuschnigg kapitulierte mit den Worten „Gott schütze Österreich“. Im Haus der Geschichte in St. Pölten zeigt man dazu die Schau „Die umkämpfte Republik.“

Die Ausstellung „Die umkämpfte Republik. Österreich 1918 - 1938“ dreht sich um einige zentrale Fragen wie etwa, ob und welche Chancen diese Erste Republik überhaupt hatte. Warum glaubten nach dem Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie so wenige Menschen an den Erfolg dieser neuen Staatsform? Warum bekämpften einander die politischen Parteien, wieso kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen? Warum wurde in Österreich und in Niederösterreich für viele Menschen der Nationalsozialismus so attraktiv, obwohl man wusste - oder zumindest ahnen konnte -, für welche Ideologie und Wertvorstellungen die NSDAP in Deutschland stand?

Haus der Geschichte Sonderausstellung Anschluss 1938
Daniel Hinterramskogler
Das Haus der Geschichte in St. Pölten zeigt eine umfassende Sonderausstellung mit dem Titel „Die umkämpfte Republik“

Mehr als 50.000 Menschen besuchten die Dauerausstellung und die Schwerpunktausstellung „Die umkämpfte Republik“ im Haus der Geschichte in St. Pölten seit dessen Eröffnung im September 2017. Die Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges waren ein Kampf um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, um die Grund- und Freiheitsrechte, um Toleranz und um einen gelebten Parlamentarismus, es waren die Jahre der Radikalisierung.

Christian Rapp, der wissenschaftliche Leiter des Hauses der Geschichte: „Man fragt sich bis heute: Hätte es eine Alternative gegeben zu dem Abdriften in den Nationalsozialismus? Hätte es eine Möglichkeit gegeben, dass Österreich sich aus dem herausgehalten hätte oder den Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland tatsächlich durchführen hätte können? Das sind doch viele Fragen, die uns hier in der Ausstellung beschäftigen, und die letztlich heute noch nicht beantwortbar sind.“

Radikale Parolen und ideologische Grabenkämpfe

In der Ausstellung „Die umkämpfte Republik. Österreich 1918 - 1938“ zeigen Uniformen der Wehrverbände und Fotos von deren Aktivitäten, welcher Korpsgeist das politische Geschehen begleitete und bestimmte. Wahlplakate mit ihren radikalen Parolen und ihrer Bildersprache illustrieren die politische Verächtlichmachung des ideologischen Gegners und lassen die damals herrschende Feindschaft zwischen politisch anders Denkenden ahnen.

Haus der Geschichte Sonderausstellung Anschluss 1938
Niki Gail/ÖAW
Unter anderem wird der Justizpalastbrand aus dem Jahr 1927 ausführlich dokumentiert

Das so genannte Schattendorf-Urteil und der Justizpalastbrand im Jahr 1927 werden ebenso ausführlich dokumentiert. So wird eine der Waffen ausgestellt, mit dem in Schattendorf Unbeteiligte während eines Schutzbundaufmarsches erschossen wurden. Sie erinnert an das Geschehen, an den Prozess, dessen Ausgang zum Brand des Justizpalastes führte, ein weiterer Schritt in der Eskalation der Gewalt in den 1920er und 1930er Jahren.

Die Ausstellung zeigt aber auch die Hoffnungen in jenen 20 Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Die größer werdende Motorisierung, der stärker werdende Tourismus und zahlreiche Elektrifizierungsprojekte im Land brachten einen kurzen Wirtschaftsaufschwung. Doch die Weltwirtschaftskrise um 1930 machte der kaum angelaufenen Konjunktur wieder ein frühes Ende.

11. März 1938: „Gott schütze Österreich“

1918 bis 1938: Es waren 20 Jahre, in denen in Österreich zu viele Sieger sein wollten: Parteien, Wehrverbände, Organisationen. Gegenseitiges Misstrauen war in den 1930er Jahren an der Tagesordnung. „Es ist auch so, dass man immer auch davon ausgeht, dass man das eigene Gesellschaftsmodell – ob es jetzt das christlich-soziale Ständestaatmodell oder der sozialistische Staat ist – immer nur umsetzen kann, wenn man den anderen verhindert, vernichtet oder überwindet. Das heißt, es gibt kein Dazwischen, auch das ist charakteristisch für das Denken in der Ersten Republik“, so Christian Rapp.

Ab 1933 verschärfte sich unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die innenpolitische Situation, unter dessen Nachfolger Kurt Schuschnigg wurde die außenpolitische Lage für Österreich immer schwieriger, der Druck von Deutschland unter Reichskanzler Adolf Hitler immer stärker. Am 11. März 1938 musste Schuschnigg vor den Nationalsozialisten kapitulieren, knapp vor 20.00 Uhr verabschiedete er sich in seiner Radiorede mit den Worten „Gott schütze Österreich“.

Reinhard Linke, noe.ORF.at

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