Mehr Schutz für Einsatzkräfte gefordert

Fast 18.000 Freiwillige haben sich im Vorjahr für das Rote Kreuz Niederösterreich engagiert. Nach den Attacken auf Sanitäter in der Silvesternacht fordern heute sowohl ÖVP als auch SPÖ besseren Schutz für die Mitglieder.

„Es kann nicht sein, dass Einsatzkräfte, die Hilfe leisten, von Chaoten gestört werden“, hielt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Mittwoch bei einer Bilanz-Pressekonferenz des Roten Kreuzes fest. Das Land fordert deshalb eine Ausweitung beziehungsweise Klarstellung der Strafbestimmungen bei Widerstand gegen die Staatsgewalt und bei tätlichen Angriffen auf einen Beamten. Diese sollen auch für Rettung und Feuerwehr gelten, „denn es ist unsere Verantwortung, die Einsatzkräfte zu schützen“, so Mikl-Leitner.

Rotes Kreuz Pressekonferenz
RK NÖ / H. Kellner
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Karin Renner (SPÖ), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Josef Schmoll, Präsident des Roten Kreuzes Niederösterreich

Dafür werde man sich auf bundespolitischer Ebene einsetzen, erklärte die Landeshauptfrau. Unterstützt wird die Forderung von Landeshauptfrau-Stellvertreterin Karin Renner (SPÖ), die derartige Attacken und Störungen bei Einsätzen als „unerträglich“ bezeichnete. „Das kann einfach nicht sanktionslos bleiben“, so Renner.

Aktueller Anlass für diese Forderung von ÖVP und SPÖ sind Attacken mit Böllern auf Rot Kreuz-Sanitäter in Horn in der Silvesternacht. Zwei Sanitäter erlitten bei dem Vorfall ein Knalltrauma - mehr dazu in Böller-Attacke auf Sanitäter in Silvesternacht (noe.ORF.at; 4.1.2018). Das Rote Kreuz verurteilte die Tat schon damals scharf und forderte strenge Konsequenzen - mehr dazu in Rotes Kreuz verurteilt Böller-Attacke (noe.ORF.at; 4.1.2018).

Mehr Freiwillige, aber weniger geleistete Stunden

Thema bei der Pressekonferenz war auch die Einsatzbilanz des Roten Kreuzes im Jahr 2017. Die Zahl der Freiwilligen stieg im Vorjahr um etwa 507 auf 17.826. Die geleisteten Stunden sanken dagegen auf knapp 2,9 Millionen, heißt es. Die Zahl der Ehrenamtlichen nimmt damit nach wie vor zu, die zur Verfügung stehende Zeit ist aber rückläufig.

Rotes Kreuz Pressekonferenz
RK NÖ / H. Kellner

Für Josef Schmoll, Präsident des Roten Kreuzes Niederösterreich, ist das ein „Zeichen, dass sich das Freiwilligenwesen verändert“. Da die Einsätze in der Nacht zugenommen haben, sei es etwa für Berufstätige schwierig, diese Dienste zu übernehmen. Gestiegen ist auch die Zahl der hauptberuflichen Mitarbeiter beim Roten Kreuz - von 1.044 auf 1.119.

Rückgang bei den Zivildienern

Die Zahl der Zivildiener ist von 864 auf 847 im Vorjahr gesunken. Das liege laut Schmoll zum einen an geburtenschwachen Jahrgängen, zum anderen mache auch das Bundesheer Werbung. Für den Dienstbeginn im April fehlen noch immer 40 Zivildiener. In einzelnen Regionen werde man deshalb Personal anstellen müssen, sagte der niederösterreichische Rot-Kreuz-Präsident.

Die durchschnittlichen Einsätze pro Tag im Rettungs- und Sanitätsdienst erhöhten sich laut der Leistungsbilanz von 2.200 auf 2.250. Bei den Gesundheits- und Sozialen Diensten wurden 144.390 Klienten betreut. Das Angebot wurde ausgeweitet, so wurden beispielsweise neue Henry-Second-Hand-Läden eröffnet.

Bereits im Jänner wurde ein Logistikzentrum des Roten Kreuzes für Großunfälle und Katastrophenhilfe in Tulln eröffnet. Ein zweites wird derzeit in Münchendorf (Bezirk Mödling) errichtet. Für beide Projekte stellt das Land 1,6 Millionen Euro zur Verfügung.

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