Pizzeria: Angeklagte belasten sich gegenseitig

Am Wiener Landesgericht ist am Donnerstag der Prozess um die in die Luft gejagte Pizzeria in Hollabrunn fortgesetzt worden. Zwei Tschetschenen wurde bisher Brandstiftung vorgeworfen. Nun steht auch ein bedingter Tötungsvorsatz im Raum.

Im Ermittlungsverfahren verantworteten sich die beiden Männer noch als nicht geständig bzw. verweigerten die Aussage. Bei der Aussage am Donnerstag vor Gericht legten sie umfassende Geständnisse ab. Dabei belasteten sie vor allem den Betreiber der Pizzeria und seinen Neffen, die in versicherungs-betrügerischer Absicht bei ihnen „einen kleinen Brand“ bestellt hätten.

Wie der 43-jährige Tschetschene dem Schöffensenat erklärte, traf er sich wenige Tage vor dem Brand mit den beiden Männern in deren Lokal. Diese hätten ihm zunächst ihr Leid geklagt („Die Geschäfte laufen nicht so. Die Pizzeria fällt uns zur Last.“) Für den Auftrag hätten die Betreiber 1.500 Euro geboten, mit denen der 43-Jährige seine Schulden bezahlen wollte.

Lokal bei Explosion völlig zerstört

Der 40-jährige Gastronom und sein 33-jähriger Neffe hätten zudem zugesichert, sie würden für den Brand „alles vorbereiten“. Vergangenen März verschütteten sie im Lokal in Hollabrunn Benzin und legten Feuer. Doch anstatt des erwarteten Feuers kam es zu einer gewaltigen Explosion. Der Eingangsbereich wurde völlig zerstört. Vor dem Lokal geparkte Pkw wurden stark beschädigt. Hausbewohner, die über der Pizzeria schliefen, kamen zum Glück nicht zu Schaden.

Den Besitzern werfen die Tschetschenen vor, das Lokal zuvor extra präpariert zu haben. Sie selbst haben nur Rauch und Ruß erzeugen wollen, damit die Wände schwarz werden. Dass Gaskartuschen in der Pizzeria verblieben waren, hätten sie nicht geahnt. Die beiden Männer wurden bei der Explosion auch selbst verletzt, der 28-Jährige musste sogar wegen eines Schädel-Hirn-Traumas, zahlreichen Knochenbrüchen und offenen Wunden im Spital behandelt werden.

Gastronom: „Ich konnte ihn nicht stoppen“

Der Betreiber der Pizzeria - im Unterschied zu den Tschetschenen sitzt der 40-Jährige nicht in U-Haft - räumte ein, vom Brandanschlag auf sein Lokal gewusst zu haben. Der Plan dazu sei aber nicht von ihm, sondern seinem Neffen gekommen: „Ich konnte ihn nicht stoppen“. Dieser wäre laut Gastwirt sein Geschäftspartner und daher mitspracheberechtigt gewesen. „Die Hälfte der Investitionen hatte er getätigt.“

Weil die Pizzeria sehr schlecht ging, sei der Neffe auf die Idee gekommen, ein „kleines Feuer“ legen zu lassen, um anschließend die Versicherungssumme kassieren zu können. Über einen Friseur habe sein Neffe einen Tschetschenen gefunden, der alles in die Hand nahm.

„Der Onkel lügt“, meinte im Anschluss der 33-Jährige. Dieser habe ihn am 8. März nach Hollabrunn bestellt und ihm erklärt, er habe „ein kleines Feuer“ in Auftrag gegeben. „Warum ausgerechnet bei Tschetschenen?“, fragte die Richterin. „Weil man hört, dass die alles machen“, lautete die Antwort. Er hätte gar kein Motiv gehabt, sich auf einen Versicherungsbetrug einzulassen. Weil er seinen Onkel aber „nicht reinreiten“ wollte, sei er wegen des bevorstehenden Brandanschlags nicht zur Polizei gegangen.

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