Ein kritischer Blick auf die Medizinberichte

Für Laien ist es schwierig, Berichte über Behandlungsmethoden und Medikamente zu bewerten. Die Donau-Uni Krems hat jetzt eine Internet-Seite gestaltet, die medizinische Berichte unter die Lupe nimmt.

Licht in die Grauzone der Berichterstattung über Gesundheitsthemen zu bringen, das hat sich medizin-transparent.at zum Ziel gesetzt. Das Team, das hinter der Homepage steht, schaut ganz besonders genau hin, wenn über neue medizinische Sensationen berichtet wird.

Für Medizinjournalisten ist es oft sehr schwer, den Hintergrund einer wissenschaftlichen Studie zu durchleuchten, sagt der Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin, Gerald Gartlehner. Die Industrie habe gute Marketingabteilungen. Es bedürfe Wissenschafter, die die Methodik dahinter durchleuchten, um zu sehen, ob die Ergebnisse wirklich haltbar sind, oder ob bewusst in eine bestimmte Richtung gelenkt wurde.

Eine Kaffeetasse
ORF

Stillen, Carotin, Kaffee

Untersucht wurde beispielsweise, ob Stillen gegen plötzlichen Kindstod hilft, wie in Zeitungsartikeln behauptet wird. Stimmt, ergab die Recherche, den höchsten Schutz haben Babys, die ohne Folgemilch großgezogen wurden.

Beta-Carotin schützt vor Krebs, lautete eine weitere Schlagzeile. Für die Wirksamkeit dieser Vitamin-A-Vorstufe gibt es allerdings keine wissenschaftlich fundierten Beweise. Im Gegenteil, man ist draufgekommen, dass Raucher, wenn sie hohe Dosen an Beta-Carotin zusätzlich zu sich nehmen, sogar ein erhöhtes Risiko an Krebs haben, sagt der medizin-transparent-Mitarbeiter Bernd Kerschner.

Als richtig hat sich hingegen eine Aussage herausgestellt, die im ersten Moment sehr unwahrscheinlich klingt. Kaffee verringert das Alzheimer-Risiko, lautet sie. Laut Recherchen ist dem tatsächlich so. Wobei die Nebenwirkungen von zu viel Kaffeekonsum nicht untersucht wurden.

Sendungshinweis

„NÖ heute“, Sendung vom 9. September 2011

Sauberes Wissen als Meilenstein

Um ein Thema genauer zu durchleuchten, bedarf es einer systematischen Recherche in medizinischen Literatur-Datenbanken, sagt Kerschner. Die Mitarbeiter suchen ganz objektiv und vorurteilsfrei alle Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen und versuchen die Studien alle bei der Ergebnisfindung zu berücksichtigen. Und, man kontrolliert sich auch gegenseitig.

Die Erkenntnisse werden dann in verständlicher Sprache zusammengefasst im Internet veröffentlicht. Symbole zeigen auf ersten Blick die wissenschaftliche Beweislage und die Wirksamkeit. Auch Berichte, die von Lesern der Internetseite eingeschickt werden, werde überprüft.

So wie im 19. Jahrhundert sauberes Wasser ein wesentlicher Meilenstein war, um die Gesundheit zu verbessern, ist es jetzt im 21. Jahrhundert sauberes, objektives Wissen, das frei von Interessenskonflikten ist, betont Gartlehner.

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