Zehn Jahre nach spektakulärem Saliera-Fund

Am Donnerstag ist es zehn Jahre her, dass in Brand (Bezirk Zwettl) die weltberühmte Saliera entdeckt worden ist. Das Interesse an dem Ort war immens, der erhoffte Reichtum blieb aber aus, wie Bewohner gegenüber noe.ORF.at sagen.

Innerhalb weniger Stunden rückte die beschauliche Ortschaft Brand am 21. Jänner 2006 in den Fokus der internationalen Presse. Nach dem filmreifen Diebstahl der Saliera führte der Wiener Robert M. die Polizei in das Waldstück, in dem er das Kunstwerk vergraben hatte. „Wir hatten damals den Sportlerball. Es war ein Mordsauflauf von Journalisten und Kamerateams. Wir haben zuerst gar nicht gewusst, was da los ist und haben erst später erfahren, dass bei uns die Saliera vergraben war und gefunden worden ist“, sagt Gastwirt Josef Hagmann.

Salieraweg kaum noch genutzt

Den Sportlerball gibt es auch heute noch. Das Interesse am Fundort des Salzfasses von Benvenuto Cellini riss aber längst ab, nur noch wenige genießen auf dem Salierawanderweg die Idylle des Waldviertels. „Gewisse Brandner haben gesagt, dass wir jetzt reich werden, nur der Flughafen würde uns noch abgehen. Es hat Saliera-Leibchen gegeben, am Berg im Gasthaus einen Saliera-Wein und einen Saliera-Schnaps. Der Reichtum ist aber ausgeblieben“, sagt Leopoldine Hochstöger, die neben dem Wochenendhaus von Robert M. in Brand lebt.

Medienrummel um Brand

Die Saliera mit einem geschätzten Wert von 50 Millionen Euro war eineinhalb Jahre lang in einem Waldstück bei Brand vergraben.

Der Saliera-Dieb wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung kommt er wieder regelmäßig nach Brand: „Er hat mir einmal gesagt, dass das eine ‚besoffene Sache‘ war. Er war angeheitert und ist in der Früh nach Hause. Es hat ihn gereizt, weil es nicht richtig abgesichert war und ist hinauf und hat den, wie er damals sagte, ‚Blödsinn‘ gemacht.“ M. gelangte 2003 über ein Baugerüst in das Kunsthistorische Museum in Wien, die Alarmanlage schlug auch an, allerdings ging das Sicherheitspersonal von einem Fehlalarm aus und entdeckte den Diebstahl erst Stunden später.

„Einbruch unter Ausnützung der Schwachstellen“

„Der Täter lebte in völlig geordneten Verhältnissen, er war von Beruf ein Alarmanlagen-Errichter, dadurch kannte er die Schwachstellen gut und unter Ausnützung dieser Schwachstellen hat er den Einbruch durchgeführt“, erklärte Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt bei einer Pressekonferenz am 22. Jänner 2006, im Rahmen derer die Saliera wieder an das Kunsthistorische Museum übergeben wurde.

Die Saliera

APA/Hans Klaus Techt (Montage)

Drei Jahre lang wurde nach der Saliera gesucht

M. stellte sich allerdings erst, als 2006 Bilder aus einer Überwachungskamera veröffentlicht wurden. „Wir sind dann sofort ins Waldviertel gefahren, wo in einem Waldstück die Saliera von ihm vergraben wurde. Ich muss sagen, ohne die freiwillige Herausgabe, denke ich, hätten wir das so nie gefunden“, sagte Josef Kerbl von der früheren Kriminaldirektion Wien. Laut Polizei war sich M. zunächst übrigens nicht bewusst, was er gestohlen hatte. Der Wert der Saliera wird heute auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt. Brand war kurze Zeit somit quasi die reichste Gemeinde Österreichs.

Gernot Rohrhofer, noe.ORF.at

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