Friedrich Cerha: Debüt mit 90 Jahren

Kommende Woche feiert der Komponist Friedrich Cerha seinen 90. Geburtstag. Zu diesem Anlass wurde Cerha am Freitagabend nicht nur ausgezeichnet, sondern er feierte in Krems sogar ein Debüt: nicht als Komponist, sondern als Maler.

Die Schaffenskraft des bald 90-jährigen Friedrich Cerha, der einen Wohnsitz in Maria Langegg (Bezirk Krems) hat, scheint nach wie vor ungebrochen. Am Freitagabend fand zu Ehren des Komponisten eine Soiree im Kino im Kesselhaus in Krems statt. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete ein wissenschaftliches Symposium zum künstlerischen Schaffen des bald 90-Jährigen unter dem Titel „Vernetztes Werk(en)“ an der Donau-Universität Krems.

Friedrich Cerha Erwin Pröll Auszeichnung

ORF

Der Komponist Friedrich Cerha (M.) wurde von Landeshauptmann Erwin Pröll mit der Statuette des Heiligen Leopold in Bronze ausgezeichnet

Pröll würdigte einen „Künstler von Weltrang“

Friedrich Cerha sei ein „Pionier der zeitgenössischen Musik“ und „bedeutender Komponist der Gegenwart“, sagte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) bei der Soiree. Pröll verwies darauf, dass die Freiheit für Künstler das höchst Gut sei und dass das auch bedeute, „wach und kritisch“ zu sein. Cerha habe dieses Verständnis immer gezeigt „durch das Suchen neuer Wege, durch ständiges Hinterfragen und durch die kritische Auseinandersetzung mit herkömmlichen Systemen und Netzwerken“, so der Landeshauptmann. Dadurch sei Cerha zu einem „Künstler von Weltrang“ geworden.

Friedrich Cerha setzt sich nicht zur Ruhe

Der Komponist Friedrich Cerha, der mit 90 Jahren sein Debüt als Maler feiert, hat trotz seines Alters noch einiges vor.

Pröll überreichte Friedrich Cerha „für seine herausragenden Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“ die Statuette des heiligen Leopold in Bronze. Es ist die einzige Auszeichnung des Landes Niederösterreich, die dem Komponisten noch gefehlt hatte. Die Soiree wurde vom Archiv der Zeitgenossen veranstaltet, das Cerhas Werke sammelt. „Es kommt ständig etwas Neues von Friedrich Cerha. Er komponiert weiter, er malt weiter und er ist sehr produktiv“, sagte die Leiterin des Archivs, Christine Grond.

Cerha feiert sein Debüt als Maler

Anlässlich des 90. Geburtstages widmet das Forum Frohner in Krems den kaum bekannten malerischen Werken Cerhas die Ausstellung „Sequenz und Polyvalenz“. Es sind sowohl Cerhas erste Werke aus den 1960er Jahren zu sehen als auch Werke, die der Komponist und Maler Cerha erst vor kurzem fertigstellte.

„Vielleicht ist es für eine Doppelbegabung wie Cerha nicht untypisch, dass die Werke sich nicht nicht chronologisch ordnen lassen. Deshalb hat auch die Ausstellung keine Chronologie“, so Dieter Ronte, der Präsident der Adolf-Frohner-Privatstiftung. Musik und bildende Kunst „liefen immer nebeneinander her“, ergänzte Friedrich Cerha in Bezug auf seine künstlerischen Werke, aber „da mir der Ehrgeiz gefehlt hat, wusste niemand davon. Ich bin nun mit meinen 90 Jahren sozusagen ein Debütant.“

Cerha und sein Bedürfnis nach der dritten Dimension

Theresia Hauenfels, Kuratorin der Ausstellung, traf aus ungefähr 1.000 vorliegenden Arbeiten eine aussagekräftige Auswahl. Sie wies auf die Bedeutung geometrischer, oft ins Reliefhafte gehender Strukturen in Verbindung mit Materialität der Farbe hin. Die Symmetrie sei zwar aufgehoben, doch folgten die Bilder einer inneren Logik.

Cerha, der sich - wie Frohner - als Sammler von Fundstücken outete: „Ich habe ein Bedürfnis nach der dritten Dimension. Eines der Bilder habe ich mithilfe von Spachtelmasse für den Swimmingpool angefertigt. Es befand sich dann 30 Jahre lang im Freien, jetzt ist es so abgewittert, dass es mir wieder gefällt.“

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