Tonkünstler auf Großbritannien-Tournee

Das Landessymphonie-Orchester Niederösterreichs, die Tonkünstler, sind seit zwei Wochen auf großer Großbritannien-Tournee. Unter der Leitung des Chefdirigenten Yutaka Sado spielt das Orchester in berühmten Konzerthallen.

Die Tonkünstler sind das einzige österreichische Symphonieorchester, das im eigenen Land über drei Residenzen verfügt. So spielt das Orchester regelmäßig im Wiener Musikverein, im Festspielhaus St. Pölten und in Grafenegg. Aber auch Tourneen gehören schon seit einigen Jahren zum künstlerischen Portfolio der Tonkünstler. Mitte Februar nahm das Orchester bereits zum fünften Mal Kurs auf die britische Insel, um an acht Konzerttagen an sechs verschiedenen Spielstätten aufzutreten.

Drei Konzerte in Londoner Cadogan Hall

Neben Leeds, Manchester, Cardiff, Edinburgh und Nottingham spielte das Tonkünstler-Orchester drei Mal in der Londoner Cadogan Hall. Die Cadogan Hall liegt inmitten des noblen Londoner Stadtteils Chelsea und gilt als modernste und architektonisch interessanteste Konzerthalle der britischen Metropole.

Tonkünstler Orchester unterwegs in London

An einem sonnigen Nachmittag beginnen im Londoner Stadtteil Chelsea die Vorbereitungen für das große abendliche Konzert der Tonkünstler.

An drei Konzerttagen konnte das Londoner Publikum die Tonkünstler mit drei verschiedenen Programmen erleben. Gemeinsam mit der Klarinettistin Emma Johnson in Mozarts Klarinettenkonzert, mit der Pianistin Angela Hewitt in Beethovens viertem Klavierkonzert und schließlich mit Alexander Sitkovetsky in Mendelssohns Violinkonzert begeisterten sie das Londoner Publikum. Die Kurzresidenz in der Londoner Cadogan Hall war für das Orchester der Höhepunkt der Tournee - wieder einmal, denn die Tonkünstler gastierten hier schon 2008 unter der Leitung ihres damaligen Chefdirigenten Kristjan Järvi sowie 2011 und 2014 unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada. Und bereits im November 2018 werden sie wieder in der Cadogan Hall auftreten.

Das Konzerthaus bietet knapp 1.000 Menschen Platz. Spannend ist seine Geschichte, denn zunächst wurde es als Kirche erbaut und 1907 eröffnet. 1996 wurde das Gebäude dann von der Gemeinde aufgegeben. Die Immobiliengesellschaft Cadogan Estates im Besitz der Earls of Cadogan, einer der reichsten Familien im Vereinigten Königreich, erwarb die Halle im Jahr 2000, um deren Zukunft zu sichern, und eröffnete sie im Juni 2004 als Konzertsaal neu.

97 Instrumente und 81 Orchestermitglieder

Die Vorbereitungen für ein Tourkonzert in der Cadogan Hall, so wie am 2. März, beginnen bereits am Nachmittag. Die drei Orchesterwarte der Tonkünstler treffen gegen 15.00 Uhr vor der Halle ein, so wie auch die Lastkraftwägen, die die Musikinstrumente von einem Konzertort zum anderen transportieren. Stück für Stück werden die insgesamt 97 Instrumente ausgeladen und auf der Bühne im Saal akribisch und nach einem genauen Orchesterplan aufgebaut.

Aufbauarbeiten Cadogan Hall

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Mit viel Kraft und Fingerspitzengefühl werden die Instrumente ausgeladen und aufgebaut.

Eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn treffen dann die Musikerinnen und Musiker sowie der Chefdirigent Yutaka Sado ein. Sado möchte während der Tournee an jedem Konzertabend etwas Eigenes kreieren. „Die Akustik hier ist sehr gut. Für uns ist es sehr speziell, dass wir drei Konzerte in London spielen“, sagt Sado. Nach einer kurzen Einspielprobe ziehen sich die Musikerinnen und Musiker um. Um 19.30 Uhr wird das Konzert dann mit Schuberts „Unvollendeter“ eröffnet. Höhepunkt des Abends ist das Klarinetten-Konzert von Mozart mit der britischen Solistin Emma Johnson. Das Londoner Publikum ist begeistert. Viele sagen in der Pause, dass sie Mozart noch nie so brilliant gehört haben.

Reaktionen des Publikums

Die meisten Gäste des Konzerts in London waren vom Programm des Tonkünstler Orchesters mehr als begeistert.

Tonkünstler sind in England angekommen

Neben Großbritannien tourte das Orchester in den vergangenen Jahren auch etwa durch Deutschland, Slowenien, Spanien oder die baltischen Länder. Tourneen werden immer wichtiger, sagt der Geschäftsführer des Orchesters, Frank Druschel. Man müsse sich allerdings genau überlegen, auf welchen Märkten man sich positioniert. „Das Orchester hat mit England eine sehr enge Verbindung. Man merkt hier vom Publikumszuspruch, dass wir als Orchester angekommen sind. Deshalb spielen wir auch in immer besseren Konzerthallen“, so Druschel.

Konzert der Tonkünstler in der Cadogan Hall

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Das große Ziel sei selbstverständlich, dass die Tourneen kostendeckend durchgeführt werden. „Natürlich muss man auch in Märkte investieren und etwas aufbauen. Das ist ein Prozess, den man über längere Zeit anlegt, und so versucht verschiedene Märkte zu bedienen.“ Druschel versucht nun den Markt in Deutschland aufzubauen. „Deutschland ist ein Markt, der von allen Orchestern bespielt werden will. Das versuchen wir, mal schauen, wann es gelingt. Zudem wollen wir den spanischen Markt erschließen.“ Fix ist jedenfalls schon jetzt eine große Japantournee im Mai 2018.

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