Kahlschlag im Natura-2000-Schutzgebiet

Der Kahlschlag eines Waldstückes in einem Natura-2000-Gebiet in Wimpassing (Bezirk St. Pölten) sorgt derzeit für Aufregung. Der niederösterreichische Umweltanwalt prüft den Vorfall. Weitere Schlägerungen wurden vorläufig gestoppt.

Manche Bäume in dem betroffenen Waldstück waren bis zu 150 Jahre alt, doch jetzt ragen nur noch die Baumstümpfe aus dem Boden. Obwohl es sich um ein Natura-2000-Schutzgebiet handelt, wurden - wie auch die Tageszeitung „Kurier“ berichtet - bereits zwei Drittel des Auwaldes gefällt. Zudem steht der schwer zu erhaltene Lebensraum, ein Hartholzwald, auf der roten Liste.

Eschen seien Gefahr für Spaziergänger gewesen

Der Grundstücksbesitzer, ein ortsansässiger Landwirt, verweist gegenüber noe.ORF.at auf abgestorbene Eschen, die umzustürzen drohten. Direkt neben dem Wald würde nämlich ein Spazierweg verlaufen. „Die Eschen waren eine Gefahr, denn wenn etwas passiert, muss ich dafür haften“, so der Landwirt.

Kahlschlag Naturerholungsgebiet Wimpassing

Privat

Ein Großteil des Auwaldes im Wimpassing wurde bereits gefällt

Anrainer sprechen von „Schadholzschmäh“

Heftige Kritik kommt von einigen Anrainern. „Die Fläche ist zwar nicht riesig, aber einer der ökologisch wertvollsten Räume“, sagt ein Bewohner. Die Anrainer bezweifeln zudem, dass alle Eschen vom Pilz befallen waren und sprechen von einem „Schadholzschmäh“.

Einerseits sei ein Teil der Eschen in gesundem Zustand gewesen, andererseits wurden auch andere Baumarten wie Erle und Eiche gefällt. Die Anrainer vermuten deshalb, dass die Schlägerungsfirma mit dem Holz nur Profit machen wollte.

Der Landwirt erklärt hingegen, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass der Wald in einem geschützten Gebiet liegt. Allerdings soll die Fläche künftig wieder aufgeforstet werden, weshalb es auch schwierig gewesen sei, nur die betroffenen Eschen zu schlägern. „Wenn wir in ein paar Jahren wieder Bäume wegschneiden müssen, hätten wir wegen der schrägen Hanglage wohl auch junge Bäume verletzt“, so der Grundstücksbesitzer gegenüber noe.ORF.at.

Gutachten soll Klarheit bringen

Der niederösterreichische Umweltanwalt Tom Hansmann prüft nun die Vorwürfe der Anrainer. Dabei wird auch analysiert, ob die Eschen tatsächlich erkrankt waren. Ein Gutachten soll bis nächste Woche vorliegen. Eine Schlägerung des restlichen Auwaldes wurde vorläufig gestoppt.

Für Hansmann steht jedenfalls schon fest, dass „vor dem Fällen eine Naturverträglichkeitsprüfung notwendig gewesen wäre“. Weil der Landwirt die Fläche jedoch ohnehin wieder aufforsten will, drohen ihm keine harten Strafen. Hansmann kritisiert deshalb, dass der Naturschutz im Forstgesetz zu wenig berücksichtigt wird.

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