Der politische Weg zur Landesspitze

Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ist die erste Landeshauptfrau Niederösterreichs. Sie war lange an der politischen Seite ihres Vorgängers Erwin Pröll (ÖVP). Nach ihrer Zeit als Innenministerin kehrte sie 2016 nach Niederösterreich zurück.

Johanna Mikl-Leitner wurde am 9. Februar 1964 in Hollabrunn geboren und wuchs in Großharras (Bezirk Mistelbach) auf. Vor dem Beginn ihrer politischen Karriere war sie Lehrerin an der Handelsakademie in Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach), danach Unternehmensberaterin.

Über „Initiative für Erwin Pröll“ in die Politik

1993 begann ihre politische Karriere in der ÖVP, damals an der Seite von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) mit der „Initiative für Erwin Pröll“ bei der damaligen Landtagswahl. Zwei Jahre später holte sie Ernst Strasser (ÖVP) als Marketingleiterin in die Landespartei. 1998 folgte sie ihm als ÖVP-Landesgeschäftsführerin nach, 1999 zog sie außerdem in den Nationalrat ein.

Nachdem die ÖVP 2003 die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl erreicht hatte, legte Mikl-Leitner ihr Mandat im Nationalrat und die Landesgeschäftsführung zurück und wurde zum Mitglied der Niederösterreichischen Landesregierung gewählt. Sie wurde zunächst Landesrätin für Europa- und Familienagenden, später auch für den Bereich Soziales.

Fünf Jahre Innenministerin in Wien

Ein erster Schritt in den Bund war der Posten der Vize-Parteiobfrau unter Josef Pröll (ÖVP). Als im April 2011 Pröll als Vizekanzler und Parteiobmann zurücktrat und im Kabinett Werner Faymann (SPÖ) eine Regierungsumbildung anstand, wechselte Mikl-Leitner von der Landes- in die Bundeshauptstadt und wurde Innenministerin. Sie galt auch als wichtige Stütze von Sebastian Kurz (ÖVP) in dessen ersten Wochen im Integrationsstaatssekreteriat und auch danach.

„Wenn man Sicherheitsministerin sein darf, bedarf das sehr viel an Sensibilität, sehr viel an Spitzengefühl, bedarf es aber auch viel an Durchsetzungskraft und vieler klarer Entscheidungen“, so Mikl-Leitner bei ihrer Angelobung. Im selben Jahr wurde sie Bundesobfrau der ÖVP-Teilorganisation ÖAAB (Österreichischer Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund).

Einer ihrer größte Erfolge in der Bundespolitik war die Volksbefragung zur Wehrpflicht, für deren Erhalt sie die ÖVP an die vorderste Front schickte. Ihre schwierigste Aufgabe war die Bewältigung der Asylkrise. Waren die Monate davor noch vom Ringen mit den Ländern um Quartierplätze und teils unschönen Bildern in Traiskirchen (Bezirk Baden) geprägt, war man ab September 2015 im Dauerkrisen-Modus. Ihre Bemühungen waren ausschlaggebend - gemeinsam mit Außenminister Kurz - dass das Umdenken der Bundesregierung in der Flüchtlingsfrage stattfand. Zunächst kam es zum Beschluss einer Obergrenze, später zur Schließung der Balkanroute.

2016 Rückkehr nach Niederösterreich

Am 21. April 2016 wurde Mikl-Leitner im niederösterreichischen Landtag mit großer Mehrheit zur neuen Stellvertreterin von Landeshauptmann Pröll gewählt. 50 der 54 anwesenden Abgeordneten (von 56) stimmten für sie. „Ich habe den härtesten Job in der Bundesregierung hinter mir und die schönste Aufgabe Österreichs vor mir“, sagte die Ex-Innenministerin in ihrer ersten Rede. In der Landesregierung ist sie für die Bereiche Finanzen, Wohnbau und Arbeit zuständig.

Nur einen Tag, nachdem Erwin Pröll am 17. Jänner 2017 seinen Rückzug aus der Politik bekanntgegeben hatte, entschied sich der Landesparteivortand der ÖVP in der Frage der Nachfolge einstimmig für Mikl-Leitner. Am 25. März wurde sie mit 98,5 Prozent der Stimmen zur neuen Landesobfrau der ÖVP Niederösterreich gewählt - mehr dazu in Mikl-Leitner mit 98,5 Prozent gewählt.

Pressekonferenz mit der damaligen LH Stv. Liese Prokop und Landesgeschäftsführerin Johanna Mikl-Leitner im Jahr 1998

OTS/SCHNABL

Prokop ist das politische Vorbild

Frauen an der Regierungsspitze sind in Österreich etwas höchst seltenes. Eine Bundeskanzlerin gab es noch nie - und Mikl-Leitner ist erst die dritte von dann 70 Landeshauptleuten seit 1945. Ihre beiden Vorgängerinnen sind Waltraud Klasnic (ÖVP) in der Steiermark und Gabi Burgstaller (SPÖ) in Salzburg. Beide gingen nach zwei Amtsperioden, also fast zehn Jahren, wegen Wahlschlappen.

Mikl-Leitner über Prokops Politik:

Mikl-Leitner schätzt die Verbindung von Konsequenz und sozialer Komponente, die in Prokops Politik für sie prägend waren.

Die 53-jährige Mikl-Leitner ist verheiratet und Mutter zweier Töchter. Sie lebt mit ihrer Familie in Klosterneuburg (Bezirk Tulln), wo sie immer wieder gerne mit ihrem Hund spazieren oder wandern geht. Auch im nahen Museum Gugging kehrt sie immer wieder ein. Das politische Vorbild von Mikl-Leitner ist die 2006 verstorbene Liese Prokop.

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