„Frau Franzi“ im Kohlebergwerk

Das Bergbaumuseum in Grünbach am Schneeberg (Bezirk Neunkirchen) kann mit einer Besonderheit aufwarten. „Frau Franzi“, die Putzfrau des Museums, führt in einfachen Worten durch die Ausstellung. Am Sonntag ist Saisonstart.

Die Kunsttherapeutin und Theaterpädagogin Marika Reichhold schlüpft in ihrem Haus in Grünbach am Schneeberg, dem ehemaligen Gasthaus „Zum Bergmann“, in die Rolle der Putzfrau „Frau Franzi“. Sie erklärt in ihren einfachen, anschaulichen und sehr humorvollen Worten die Geschichte des Steinkohlebergwerks in Grünberg. Es bestand von zirka 1825 bis 1965.

„Frau Franzi“ und die Sprache der Bergleute

Wer sich mit Bergleuten unterhalten will, muss deren Fachbegriffe beherrschen, sonst gibt es bald Missverständnisse.

„Für mich ist das ein wenig eine Hommage an eine Frauengeneration, die jetzt langsam ausstirbt. Viele meiner Freunde kennen eine Person, die wie ‚Frau Franzi‘ ist: die Mutter, die Oma, die Tante, die Nachbarin oder sonst jemand. Ihnen möchte ich mit der ‚Frau Franzi‘ ein Denkmal setzen“, erklärt Reichhold das Wesen der Kunstfigur „Frau Franzi“.

Das Schicksal des Bergwerks

Das Schicksal des Bergwerks und das Schicksal der Familie sind auf Engste verwoben. Marika Reichholds Vater erwarb das Gasthaus „Zum Bergmann“ 1964, ein Jahr bevor die Grube geschlossen wurde. Es gab zwar Gerüchte zur Schließung, doch die Werksführung beteuerte stets, dass weitergemacht werde. 1965 war Schluss. So begann Theddy Krumböck, den Verfall zu dokumentieren und Ausrüstung und Geräte für ein Museum zu sammeln. Er und seine Frau betrieben das Gasthaus noch lange erfolgreich weiter.

Bergleute unter Tag

Marika Reichhold

Schichtwechsel im Steinkohlebergwerk Grünbach

Nach dem Tod der Eltern beschloss die Theaterbegeisterte Tochter, eine andere Art der Führung durch das Gasthaus-Museum zu erarbeiten. „Die ‚Frau Franzi‘ habe ich erfunden, damit ich das trockene Thema Bergbau einer möglichst breiten Zuhörerschaft vermitteln kann, mit viel Information, aber lustig verpackt. Ich denke mir, Informationsvermittlung muss nicht unbedingt wehtun“, erklärt Reichhold verschmitzt.

Von der Kontinentaldrift spielend zum Schneeberg

„Frau Franzi“ schafft es spielend und mühelos, mit zwei Putzfetzen von der Kontinentaldrift vor Millionen von Jahren zur Steinkohle-Entstehung am Schneeberg zu gelangen. Selbst Experten der Montanuniversität lobten „Frau Franzi“ für ihre einfachen, homorvollen und kenntnisreichen Erklärungen zum Thema Bergbau.

Die Auffaltung der Erde

Der Schneeberg ist der östlichste 2.000er der Alpen: „Frau Franzi“ erklärt die Auffaltung der europäischen Gebirge mit ihren Putzfetzen.

Mehr als einen Kilometer tief war der Schacht, die Stollen verzweigten sich in einer Länge von 50 Kilometern, das ergebe eine unterirdische Strecke von Grünbach bis Baden, verdeutlicht „Frau Franzi“ in ihrer Führung. Hochwertigste Kohle wurde in Grünbach am Schneeberg gefördert. Dennoch: 1965 war das Ende besiegelt, obwohl noch nicht einmal die Hauptader abgebaut war. Der Betrieb war offenbar unrentabel geworden. Eine mehr als 150 Jahre währende Bergwerkstradition ging damit auch in Grünbach zu Ende, mit allen schlimmen Konseqenzen für die Bergleute und den Ort.

Bergleute unter Tag

Marika Reichhold

1965: Der Aufzugsturm wird gesprengt

Sendungshinweis

„NÖ heute“, 3.5.2017

Bergbau und Shakespeare

Es ist gut, dass „Frau Franzi“ die stolze Geschichte des Bergbaus, der für das Nachkriegs-Österreich so wichtig war, in Erinnerung hält. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es Führungen mit der quirligen Putzfrau. Geschlossene Gruppen können auch an anderen Tagen einen Terminen telefonisch vereinbaren. „Frau Franzi“ ist mit ihrer Art des Erzählens und Erklärens so erfolgreich, dass sie mittlerweile auch Shakespeare-Stücke interessiertem Theater-und Kabarettpublikum näherbringt.

Hannes Steindl, noe.ORF.at

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