Rollstuhlfahrer macht Motorbootschein

Der 46-jährige Markus Wallner sitzt seit 26 Jahren im Rollstuhl. Jetzt wurde für ihn ein Kindheitstraum wahr: Dank eines engagierten Schiffsführers konnte er in Krummnußbaum (Bezirk Melk) den Motorbootführerschein machen.

Markus Wallner hievt sich vom Rollstuhl auf den Sitz am Boot. Die Sonne scheint auf das Wasser der Donau, im Hintergrund erhebt sich die Basilika Maria Taferl. Mit viel Gefühl lenkt der 46-Jährige das Motorboot von der Anlegestelle weg. Wenn Markus Wallner über die Donau fährt, vergisst er für eine Zeitlang den Alltag.

Seit wenigen Tagen ist er stolzer Besitzer des Motorbootführerscheines: „Ich bin immer viel am Wasser gewesen. Als ich noch gehen konnte, war ich viel Windsurfen. Ich bin ein Wassersportler, weil da der Sommer und schönes Wetter aufeinandertreffen, und das bringt einem wieder ein bisschen ein Lebensgefühl“, so der 46-Jährige.

Markus Wallner lenkt Motorboot über die Donau

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„Für mich bedeutet das wieder ein bisschen Freiheit“, so der 46-Jährige

Fallschirmsprung und Tauchkurs trotz Lähmung

Seit einem Autounfall im März 1991 ist Markus Wallner von der Halswirbelsäule abwärts inkomplett querschnittgelähmt. Das hindert ihn aber nicht daran, sportlich aktiv zu sein - er spielt Rollstuhltennis und Rollstuhlrugby. Es hindert ihn aber genauso wenig daran, Außergewöhnliches auszuprobieren: „Ich mache immer extreme Sachen. Ich bin zum Beispiel schon Tandem-Fallschirm gesprungen, auch Tauchkurse habe ich schon gemacht. Es ist halt ein bisschen ein Ausloten, wo es hingeht und was alles möglich ist“, so der gebürtige Waldviertler.

Markus Wallner wusste: Es muss auch möglich sein, den Kindheitstraum vom Motorbootführerschein zu verwirklichen. Als er dem Inhaber der Bootsschule Hell in Krummnussbaum, Karl Hell, begegnete, wurde dieser Traum auch Realität, erzählt dieser: „Er hat mich einfach gefragt, ob er bei mir den Schein machen könnte. Ich habe nicht lange nachgedacht und gesagt, das probieren wir, das schauen wir uns an“, so Hell.

Mit Vollgas über die Donau

Mit wenigen Änderungen wurde das Boot für den Rollstuhlfahrer umgebaut. Ehefrau Margit begleitet Markus Wallner bei den Bootsausflügen.

Barrierefreie Ausbildung an Land und im Wasser

Der engagierte und erfahrene Schiffsführer adaptierte eines seiner Ausbildungsboote. Der Boden wurde ein wenig erhöht, der Sitz wurde angehoben und mit einem Haltegriff versehen. Auch die Theoriekurse waren kein Problem, denn das neue Schulungszentrum in Krummnußbaum ist barrierefrei.

Laut Karl Hell war Markus Wallner ein sehr engagierter und ehrgeiziger Schüler: „Ich freue mich riesig für ihn. Das war mein erster Schüler im Rollstuhl, aber hoffentlich nicht mein letzter. Ich würde das auch anderen gerne anbieten. Ich bin stolz auf meinen Schüler, er war ganz großartig“, so Hell.

Markus Wallner hat auch schon den nächsten Traum: Ein eigenes Boot. Dann könnte er sein neu gewonnenes Lebensgefühl quasi jederzeit ausleben. „Für mich bedeutet das wieder ein bisschen Freiheit, also, dass ich das machen kann, was halt jeder machen kann.“

Silvia Schreiber, noe.ORF.at

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