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DI | 09.02.2010
CERN-Wissenschafter vor Computer (Bild: EPA/Coffrini)
POLITIK
CERN: Pröll kritisiert Hahn scharf
LH Erwin Pröll (ÖVP) übt scharfe Kritik an Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) wegen des Ausstiegs aus dem Forschungsprojekt CERN. Pröll sieht dadurch das MedAustron-Projekt gefährdet. Hahn will aber am Ausstieg festhalten.
Ausstieg "internationale Blamage"
Sollte die Bundesregierung tatsächlich beschließen, aus CERN auszusteigen, dann sei das "eine internationale Blamage in der Forschungsarbeit", sagte Pröll. Er fordert von der Regierung jetzt "Leadership", damit es nicht zu dem geplanten Ausstieg komme.

Man müsse auch sehen, wohin ein Ausstieg führen könnte, sagte Pröll: "Das bedeutet letztendlich, dass Österreich zu einem forschungspolitischen Entwicklungsland wird, wenn man bedenkt, dass derzeit Rumänien, die Türkei, Zypern und Serbien in das Projekt CERN drängen."
"Riskiert einen Konflikt mit mir"
Hahn sieht durch den CERN-Ausstieg das Krebsforschungszentrum MedAustron in Wr. Neustadt nicht gefährdet. Pröll ist da anderer Meinung als sein Parteikollege.

"Jemand, der etwas anderes behauptet, ist entweder schlecht informiert, oder er sagt nur die halbe Wahrheit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Wissenschaftsminister tatsächlich mit CERN in intensivem Kontakt steht. Ich habe vollkommen andere, authentische Informationen."

Und Pröll warnte Hahn vor den Konsequenzen eines möglichen Endes des Projekts: "Sollte in irgendeiner Art und Weise das MedAustron-Projekt gefährdet werden, das unter der Regierung Schüssel mit CERN abgeschlossen wurde, dann riskiert er einen unglaublichen Konflikt mit dem Bundesland Niederösterreich und mit mir."
Hahn sieht MedAustron durch den CERN-Ausstieg nicht gefährdet.
Hahn gegen "überhitzte Reaktionen"
In einer Reaktion auf das Statement von Pröll mahnte Hahn eine "Entemotionalisierung der Diskussion" ein. Die Aussagen von Pröll bezeichnete Hahn als "aus Sicht eines Landeshauptmannes nachvollziehbar".

Im Gegensatz zu Aussagen von CERN-Verantwortlichen glaubt Hahn nicht, dass der Ausstieg aus dem CERN Probleme für MedAustron bringen könnte. Der Ressortchef verwies auf einen Vertrag Niederösterreichs bzw. der MedAustron-Betreibergesellschaft mit dem CERN. In diesem Vertrag stehe, dass das europäische Forschungszentrum die nötige Technologie für MedAustron zur Verfügung stelle.

"Im Gegensatz zu einem Landeshauptmann vertrete ich eine gesamtösterreichische Sichtweise", betonte Hahn. Dabei müsse klar sein, dass wissenschaftliche Kooperationen und Beteiligungen eines Landes nicht in Stein gemeißelt seien. Er sehe keine Alternativen zum CERN-Ausstieg: "Wir haben uns das reiflich überlegt", so Hahn.
Leitner: CERN-Ausstieg "Rückschritt"
Kritk an dem geplanten Ausstieg übte auch Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Leitner (SPÖ). Der Ausstieg aus dem Forschungsprojekt CERN bedeute einen Rückschritt.

Österreich würde damit seinen Ruf als zuverlässiger Partner bei internationalen Projekten verlieren, so Leitner in einer Aussendung.

Auch Leitner sieht mit dieser Entscheidung die Zukunft des Krebsforschungszentrums MedAustron aufs Spiel gesetzt.
"Gravierende Folgen für Österreich."
Heftige Kritik von Seiten der Wissenschaft
Gegen den Austritt Österreichs aus dem europäischen Kern-Forschungsprojekt CERN gibt es heftigen Protest nicht nur aus der Politik, sondern auch von Seiten vieler heimischer Forscher.

Der Physiker und Universitätsprofessor Herbert Pietschmann, ehemaliger Delegierter im CERN-Rat, warnte in der Zeit im Bild 2 vor den Folgen. "Österreich verabschiedet sich vor den Augen der ganzen Welt von der Spitzenforschung."

Es sei ihm unverständlich wie Österreich als einziges Industrieland in Europa "auf einmal nicht mittun will."

Man müsse sich die Frage stellen ob man sich in die zweite Reihe zurück ziehen wolle oder weiterhin mit großem Erfolg in der ersten, betonte Pietschmann.
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