Patientenbestrahlung
Kästenbauer/Ettl
Kästenbauer/Ettl
Gesundheit

Neue Krebstherapie bei MedAustron

MedAustron in Wiener Neustadt setzt bei der Krebsbekämpfung auf eine neue Methode. Neben der Protonenbestrahlung kommt nun auch die Behandlung mit Kohlenstoffionen zum Einsatz. MedAustron nimmt damit bei der Krebstherapie einen weltweit führenden Platz ein.

Lag ein Tumor etwa zu nahe an der Bauchspeicheldrüse, konnte das Karzinom bisher nur durch eine Operation entfernt werden. Seit drei Wochen kann es aber auch bestrahlt werden, sagte der klinische Direktor für Kohlenstoffionen im MedAustron, Piero Fossati, der in diesem Bereich zuletzt in Italien und Japan Pionierarbeit leistete: „Wir können mit Kohlenstoffionen großen, makroskopisch radioresistenten Krebs töten, mit einer Wirksamkeit, die der Chirurgie sehr ähnlich ist. Es ist wie ein Skalpell für nicht operablen Krebs.“

„Historischer Tag“ für Krebsbehandlung

Die Präzision der Bestrahlung sei zwar genauso gut wie bei der bisherigen Protonenbestrahlung. Bei der neuen Kohlenstoffionen-Therapie kann aber eine noch höhere Strahlendosis eingesetzt werden, die im Körper zudem besser wirke, ergänzte Eugen Hug, Ärztlicher Direktor im MedAustron: „Wenn wir eine 45-jährige Tumorpatientin haben, bei der aber klar ist, dass die Chirurgie verstümmelnd wäre und bei der ich auch nach 30 Jahren Protonentherapie weiß, dass ich an die Grenzen stoße, dann sind wir sehr dankbar, dass wir ihr nun mit der Kohlenstoffionentherapie nochmals eine neue Chance geben können.“

Die neue Behandlungsmethode soll neben Bauchspeicheldrüsenkrebs auch bei Leber- oder Gebärmutterhalskrebs sowie bei Tumoren in Blutgefäßen eingesetzt werden. MedAustron steigt damit zu einem weltweit führenden Zentrum für Krebstherapie auf, freute sich der Aufsichtsratsvorsitzender von MedAustron, Klaus Schneeberger, der von einem „historischen Tag“ sprach: „Es gibt weltweit etwa 74 Protonenstationen, wo also eine Behandlungen mit Protonen möglich ist, aber es gibt mit uns nur sechs solcher Kohlenstoffionen-Therapien.“

Tumorbild auf Computer
ORF
Durch die neue Behandlung kann noch mehr Patienten geholfen werden

Behandlung als Kassenleistung

Für die Patienten bleibt die Behandlung dennoch kostenlos, versprach Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), „denn wir wissen, wenn man krebskrank ist, ist man nur mit dem Krebs beschäftigt und soll durch andere Dinge nicht belastet werden. Da war es uns wichtig, dass es eben nicht auch eine finanzielle Belastung wird“. Die Verhandlungen mit der Sozialversicherung seien „hart gewesen“, betonte Mikl-Leitner. Doch die Abrechnung erfolgt nun wie gewohnt über die E-Card.

Bei der Behandlung soll sich für die Patienten hingegen nichts ändern. Die Bestrahlung erfolge wie schon bisher meist an fünf Tagen pro Woche und dauert in der Regel drei bis fünf Wochen. Das Krebstherapiezentrum ist mittlerweile seit knapp drei Jahren in Betrieb. Seither wurden mehr als 400 Patienten behandelt. Derzeit sind zwei Behandlungsräume im Einsatz, die ab acht Uhr früh im Halb-Stunden-Takt belegt sind. Ab 2021 soll MedAustron um einen dritten Behandlungsraum ergänzt werden.