„Unterwegs in Österreich“

Alte Schiene, neues Leben

Ein TV-Film mit dem Titel „Alte Schiene, neues Leben – Revitalisierte Bahnhöfe in Niederöstereich“ aus dem ORF Landesstudio Niederösterreich zeigt sechs Beispiele von geschichtlich wertvollen Gebäuden, in die neues Leben eingekehrt ist.

In der k.u.k.Monarchie wurde Österreichs Eisenbahnnetz zu einem der größten Europas. Und mit dem Schienennetz wurden auch viele Bahnhöfe gebaut. Sie waren nicht nur funktional, sondern auch architektonisch sehr wertvoll. Mit der Zeit haben aber viele dieser alten Bahnhofsgebäude ihre Funktion eingebüßt. Ehemalige Wohnungen von Fahrdienstleitern standen leer und immer mehr Bahnhöfe wurden verkauft. Die neuen Eigentümer haben aus den historischen Gebäuden etwas ganz anderes gemacht.

Sendungshinweis

„Unterwegs in Österreich“, 24.8.2019, 16.30 Uhr, ORF2

Im „Eisenbahnmuseum Heizhaus Strasshof“ ist die österreichweit größte Sammlung von Zugmaschinen und Eisenbahnwaggons untergebracht. Fast 400 Fahrzeuge – von denen 300 historisch wertvoll sind – sind eine Augenweide für Eisenbahn-Nostalgiker und ein reiches Betätigungsfeld für den gemeinnützigen Museumsverein. Ehrenamtlich und unermüdlich kämpfen dessen Mitglieder gegen Rost und Verfall der wertvollen Objekte. Im denkmalgeschützten Heizhaus wurden ursprünglich die Dampflokomotiven angeheizt, warm gehalten und die Wasserkessel von Kalk befreit.

Von Kulinarik und Kultur bis hin zur Schusterei

Der „Kaiserbahnhof“ in Laxenburg wurde 1847 errichtet. Die erste Lokalbahn Österreichs sollte die Sommerresidenz des österreichischen Kaiserhofes in Laxenburg an die Südbahn anbinden. Der Bahnhof wurde repräsentativ mit drei Gleisen ausgestattet, um auch große Staatsbesuche mit mehreren Zuggarnituren empfangen zu können. Nach einer geglückten Renovierung des Bahnhofs durch die Gemeinde Laxenburg sind nun ein Restaurant, eine Veranstaltungshalle, Räumlichkeiten für Jugendliche und ein Tennisclub im Kaiserbahnhof untergebracht, der auch stolz als einer der ältesten noch erhaltenen Biedermeierbahnhöfe angepriesen wird.

Revitalisierter Kaiserbahnhof in Laxenburg
Marktgemeinde Laxenburg
Heute ist der Kaiserbahnhof in Laxenburg ein Restaurant und Café

Im letzten noch in seiner ursprünglichen Form erhaltenen Ausflugsgasthof mit Jugendstilsaal an der Westbahnstrecke, einem wunderschönen und historisch äußerst wertvollen Gebäude direkt neben dem Bahnhof in Eichgraben, bietet der Verein für Kunst und Kultur seit mittlerweile 43 Jahren hochwertiges Kulturprogramm. Der Maler Lothar Bruckmeier und seine Frau Elfriede haben es bereits im Jahr 1974 gewagt, dort einen Verein für Gegenwartskunst zu etablieren. Und sie sind bis heute damit erfolgreich. Von Mai bis Oktober werden Kunstausstellungen, Konzerte und Literaturveranstaltungen von hoher Qualität geboten. Die Organisatoren bemühen sich jedes Jahr aufs Neue, ungewöhnliche Künstler aufzuspüren und nach Eichgraben zu holen, um kunstinteressierten Menschen Begegnungen mit Kunst aus allen Richtungen zu ermöglichen.

Im Bahnhof in Kernhof im Mostviertel hat Doris Pfaffenlehner ihren Lebensmittelpunkt. Sie lebt dort mit ihrem Lebensgefährten, ihren drei kleinen Kindern und hunderten Paar Schuhen im Gebäude des Kernhofer Bahnhofes. Sie betreibt dort eine der letzten Maßschuhwerkstätten Österreichs. Wie begehrt die Schuhe der jungen Schusterin sind, sieht man daran, dass viele Menschen den langen Weg ins entlegene Kernhof gerne auf sich nehmen, um ein Paar der maßgemachten Schuhe zu ergattern. Liebevolles und gewissenhaftes Handwerk steckt auch in der Restaurierung des alten Bahnhofes, die Doris und ihr Lebensgefährte komplett alleine bewerkstelligt haben.

Alte Postkarten des Bahnhofs in Kernhof
Marktgemeinde St. Aegyd am Neuwalde
Alte Postkarte des Bahnhofs in Kernhof

Manufakturen in alten Bahnhöfen

Nicht weit von Kernhof entfernt befindet sich im Bahnhof von St. Aegyd die erste „Süßmeisterei“ Österreichs. Ein hübscher Name für ein verführerisches Projekt. Anna Mahonie ist der Liebe wegen von Bayern ins hintere Traisental gezogen. Seit einigen Jahren stellt sie dort in Handarbeit Pralinen, Trüffel, Schokoladen, Zuckerabeiten und Torten her, wo früher Fahrkarten verkauft wurden und auf Züge gewartet wurde. Auch hier blieb der ursprüngliche Charakter des Bahnhofs erhalten.

Schließlich ist im alten Bahnhof von Dürnstein blühendes Gold zu sehen. Denn in diesen Bahnhof ist der Safranbauer und Ökologe Bernard Kaar gezogen. Seit 2007 arbeitet er daran, die Tradition des Safrananbaus in der Wachau wieder aufleben zu lassen. Auf Steinterassen am nördlichen Wachauufer baut er die Krokuspflanzen an. Den fertigen Safran und Produkte daraus verkauft er in der Safran-Manufaktur am Bahnhof in Dürnstein. So kann man in der ehemaligen Wartehalle Wachauer Safran-honig, Safran-Pralinen und Safranschokolade verkosten und kaufen. Im Schaugarten beim Bahnhof blühen im Oktober die zart-lila Blüten mit ihren safrangelben Fäden.