90-jährige Organistin
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Religion

Mit 90 Jahren: Orgelspielen als Lebenselixier

153 Jahre ist die Pfarrkirche von Siebenhirten bei Mistelbach alt. Mehr als die Hälfte dieser Zeit sitzt Juliana Ekel hier regelmäßig an der Orgel. Sie ist 90 Jahre alt und nach wie vor fixer Bestandteil der sonntäglichen Messen.

Die Stufen zur Orgel sind steil, aber Juliana Ekel kämpft sich jedes Mal hoch. Vor 78 Jahren, im Alter von zwölf, hat sie hier zu spielen begonnen. Gelernt hat sie es mithilfe des Pfarrers und eines Professors aus Wien, der alle zwei Wochen nach Mistelbach kam, erzählt die Organistin: „Der Professor hat uns unterrichtet und geprüft. Nach dem Krieg hat der Unterricht aufgehört und der damalige Pfarrer Hütter hat mit uns weitergemacht.“

Sendungshinweis

„Guten Morgen NÖ“, 28.4.2021

Andere Instrumente haben sie nie interessiert, das Orgelspielen ist fixer Bestandteil ihres Lebens und macht ihr große Freude. Die fünffache Mutter fand immer Zeit dafür. „Ich kann mich noch gut erinnern, die Wochentagsmesse war um 19.15 Uhr. Da hab ich die Kinder ins Gitterbett gelegt, bin aufs Rad gestiegen und in die Kirche gefahren, hab gespielt und dann bin ich schnell wieder heimgefahren“, erzählt Ekel.

Die Organistin im Video

In der Pfarrgemeinde wird das Engagement der 90-Jährigen sehr geschätzt, sie gilt als zuverlässig und gewissenhaft. „Es ist heutzutage nicht so einfach, einen Organisten oder eine Organistin zu finden – aber nicht nur das, Frau Ekel spielt auch mit Herzen“, sagt Pfarrer Jude Uzukwu.

Musikalischer Weg zurück

Als sie vor einigen Jahren gesundheitsbedingt in einem Pflegeheim wohnte, half ihr die Liebe zur Musik wieder auf die Beine, erinnert sich ihre jüngste Tochter Andrea Stahl: „Sie hat im Pflegeheim mit einer Miniorgel geübt. Sie durfte dort in der Kapelle spielen. Das hat sie aufgebaut und ihr Mut gegeben.“ Frau Ekel selbst will weiterspielen, sagt sie, „solange ich kann. Wenn mich der Herrgott holt, muss ich halt gehen“.