Sommerspiele Melk zeigt Zehn Gebote
Daniela Matejschek
Daniela Matejschek
Kultur

„Die 10 Gebote“ zum Jubiläum in Melk

Die Sommerspiele Melk holen ab 16. Juni die für 2020 geplanten Feiern anlässlich ihrer 60. Saison nach. Zum Jubiläum gibt es ein Auftragswerk mit zehn Uraufführungen. Zehn Autorinnen und Autoren beschäftigen sich mit „Die 10 Gebote #wiewirlebenwollen“.

Ursprünglich wollten die Sommerspiele Melk mit „einem außergewöhnlichen Programm“ ihre 60. Spielzeit feiern. Durch die Pandemie kam dann alles anders und aus der geplanten Jubiläumsfeier wurde eine nach eigenen Angaben „Pandemic Edition“.

Deshalb sollen nun 2021 die Feierlichkeiten nachgeholt werden. Dazu wurden zehn namhafte Autorinnen und Autoren eingeladen, je ein Minidrama, inspiriert von einem der zehn Gebote, zu verfassen. So werden im Auftragswerk „Die 10 Gebote #wiewirlebenwollen“ etwa Fragen nach zukünftigen Gesellschaftsordnungen behandelt.

Otto Lechner begleitet Szenen am Akkordeon

„Die vergangenen Monate haben für uns alle viele Veränderungen mit sich gebracht, deren Auswirkungen wir noch kaum erahnen“, erklärte Alexander Hauer, künstlerischer Leiter des Festivals. Unter seiner Regie gehen Bernhard Aichner, Dimitre Dinev, Franzobel, Paulus Hochgatterer, Stephan Lack, Julya Rabinowich, Eva Rossmann, Cornelia Travnicek, Susanne Wolf und Feridun Zaimoglu mit Günter Senkel Fragen zu Freiheit, Moral und Pflicht nach.

Sendungshinweis

„Theaterfest“, 19.6.2021

Im Stück sollen die unterschiedlichen Figuren in den Ruinen einer Zivilisation die Notwendigkeit von Regeln, die Folgen der gewonnenen Unabhängigkeit und das Gebot des Respekts fernab von gesellschaftlichen Normen, Zwängen und Vorgaben diskutieren. Otto Lechner wird am Akkordeon die Szenen musikalisch miteinander verbinden.

Theaterfest Melk
DANIELA MATEJSCHEK
Mit „So What?! Kann denn Liebe Sünde sein?“ inszeniert Lukas Wachernig eine Bearbeitung von Carl Maria von Webers „Freischütz“

Zwei weitere Uraufführungen mit Schwerpunkt Musik

Die Sommerspiele bieten zudem zwei weitere Uraufführungen: Mit „So What?! Kann denn Liebe Sünde sein?“ inszeniert Lukas Wachernig eine Bearbeitung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ mit „absurden Wendungen“ und Rock- und Pop-Hits.

Für Kinder wurde die von Alexander Hauer verfasste Musikrevue „Lisa Lustig und die steinernen Tafeln“ angekündigt. Als Rahmenprogramm wird es zudem Workshops, Vorträge, Ausflüge und Konzerte, z.B. von Ina Regen und Bodo Wartke, geben.

Vier Fragen an den künstlerischen Leiter

noe.ORF.at: Was bedeutet das 60-Jahr-Jubiläum für die Sommerspiele Melk?

Alexander Hauer: Es gibt einem Spielort schon eine besondere Bedeutung. Noch dazu, wo Melk der Spielort ist, mit der längsten ununterbrochenen Aufführungstradition. Es macht uns als Team stolz, in so einer reichen Tradition arbeiten zu können. Und es ist immer wieder eine neue Herausforderung, denn: Ausruhen auf einer Geschichte – das gibt es nicht. Vielmehr ist dies ein großer Ansporn.

noe.ORF.at: Wie schlimm war es, das Jubiläum nicht im tatsächlichen Jubiläumsjahr 2020 feiern zu können?

Hauer: Darüber zu jammern wäre wohl wirklich vermessen. Vielmehr bin ich froh, dass wir im letzten Jahr sehr kurzfristig mit unserer Xperiment-Reihe ganz besondere Produktionen auf die Bühne stellen konnten. So haben wir zwar nicht groß gefeiert, die ununterbrochene Spielserie wurde jedoch aufregend und experimentierfreudig fortgesetzt und beibehalten. Diese Lösungskompetenz, dieses gemeinschaftliche und kreative Herangehen ist weit wichtiger als da Jahr.

Wiebke Leithner und Alexander Hauer
DANIELA MATEJSCHEK
Geschäftsführerin Wiebke Leithner mit dem künstlerischen Leiter Alexander Hauer

noe.ORF.at: Wie haben sich die Sommerspiele Melk über die Jahrzehnte entwickelt?

Hauer: In so einer langen Zeit gibt es ganz unterschiedliche Phasen. Eine Gründungszeit und die Pionierphase als wichtiges Festival in Niederösterreich. Dann gab es wohl auch Zeiten, wo die Luft mal draußen war. Seit 2009 gab es ein neues Durchstarten: neue Energie, neue Formate, anhaltende Neugier, wunderbare Künstler und Künstlerinnen und wirtschaftlich abgesicherte Rahmenbedingungen ließen die Sommerspiele Melk neu erblühen. Heute bieten wir künstlerisch anspruchsvolle Produktionen, die großen Begeisterungswert haben.

noe.ORF.at: Wo sollen sich die Sommerspiele Melk noch hin entwickeln? Was für Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?

Hauer: Wir werden weiter neugierig sein und wollen weiterhin unverwechselbare Aufführungen an einem einzigartigen, weltberühmten Ort schaffen. Dies heißt gleichzeitig, dass wir wach bleiben müssen und relativ neue Ideen und Möglichkeiten aufnehmen wollen. Aber ich muss auch noch geheimnisvoll sein. Mein Kopf ist voller Pläne, Ideen und faszinierender Stoffe, die wir hier in Melk präsentieren wollen. Wir werden jedenfalls versuchen, manche Überraschung auszupacken.