Soziales

Als „Licht ins Dunkel“ in Sollenau entstand

Der Verein „Licht ins Dunkel“ wird 50 Jahre alt. Das wird Freitagabend mit einer großen Fernsehgala gefeiert. Angefangen hat alles 1972 in Sollenau (Bezirk Wr. Neustadt), als der damalige Intendant des Landesstudios Niederösterreich die Lebenshilfe-Einrichtung Sollenau besucht hat – das Karl-Ryka-Dorf.

Aus dem Dorf des Jahres 1972 ist 2022 eine hochmoderne Begegnungsstätte geworden. Im Jahr 2016 haben die Überlegungen begonnen, das Karl-Ryka-Dorf, das nach dessen Gründer benannt wurde, nach heutigen Standards für das Leben behinderter Menschen umzubauen.

„Viele der Werkstätten waren extrem in die Jahre gekommen und wirklich reif, neu gebaut zu werden“, erzählte Friederike Pospischil, Präsidentin der Lebenshilfe Niederösterreich. Das Zentrum, das nun „Werkstätten und Wohnpark Sollenau“ genannt wird, ist energietechnisch optimiert – mit großzügigen hellen Arbeitsräumen und in allen Bereichen barrierefrei.

Finanziert wurde es mit Unterstützung des Landes Niederösterreich und „Licht ins Dunkel“. „Wir haben hier im Haus ein Kaffeehaus eingerichtet, es gibt im ersten Stock einen großen Bewegungsraum. Rund herum wird gerade ein großer Park neu angelegt“, führte Pospischil weiter aus.

Dorf brauchte 1972 Geld für den Bau

Das Karl-Ryka-Dorf wurde damals bewusst abseits aller Ortschaften auf der viel zitierten „grünen Wiese“ errichtet. Man wollte damals möglichst geschützt und in Ruhe arbeiten können. „Das Dorf war fast komplett autark. Es gab Schweine und Hühner, Gemüse wurde auf großen Flächen für den Eigenbedarf angebaut. Es wurde damals – als völliges Novum in Niederösterreich – eine Kirche errichtet“, sagte Präsidentin Pospischil im Gespräch mit noe.ORF.at.

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Kurt Bergmann im TV-Studio
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Kurt Bergmann hatte die Idee für „Licht ins Dunkel"
Sollenau, Kirche
ORF
Und zwar wegen dieser Kirche in Sollenau. Damals war das Karl-Ryka-Dorf noch hauptsächlich Baustelle.
Licht ins Dunkel in den Anfangsjahren
ORF/Archiv
Eine der ersten TV-Sendungen von „Licht ins Dunkel"

Kirchenglocken führten Bergmann nach Sollenau

Und diese Kirche ist jener Ort an dem 1972 Kurt Bergmann, der damalige Intendant des ORF Niederösterreich, die Idee zu „Licht ins Dunkel“ entwickelt hat. Damals gab es in Sollenau nur einen Keller, eine Baustelle und ein paar Werkstätten. „Das Geläut der Glocken aus unserer Kirche wurde damals zur Radiosendung ‚Autofahrer unterwegs‘ übertragen und Kurt Bergmann war hier und hat sich hier alles angeschaut und hat einfach gefragt, wie kann ich euch helfen, was braucht ihr“, erzählte sie weiter.

Sendungshinweis

„NÖ heute“, 18.11.2022

Am 24.12.1972 begann „Licht ins Dunkel“ als einstündige Radiosendung im ORF Niederösterreich. „Die Gründungslegende besagt“, führte Pospischil weiter aus, „dass seine Söhne damals am Telefon saßen und die Spenden entgegennahmen. Es sind damals 35.000 Schilling zusammengekommen, das war 1972 sehr viel Geld.“

Kaffeehaus soll Inklusion fördern

Und heute sind im neu errichteten Werkstättengebäude, in dem die Werkstätte sowie die Gärtnerei untergebracht ist, jeweils 60 behinderte Menschen tätig und werden von etwa 30 Betreuenden begleitet. Die Werkstätten bilden im Grundriss ein Doppelatrium, das den Bewohnern ermöglicht, ihrer Tätigkeit selbstbestimmt nachzugehen.

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Sollenau, Gewächshaus, Pflanzen
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Im Gewächshaus wird in Sollenau heute noch gearbeitet
Sollenau, Arbeiten mit behinderten Menschen, Nähen
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Es gibt auch Betreuer für die Mitarbeitenden
Sollenau, Cafe
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Ein Kaffeehaus soll für mehr Inklusion sorgen
Sollenau, Gewächshaus, Arbeiten mit behinderten Menschen
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Viele Firmen der Region haben bei der Werkstätte Adventkränze bestellt

Im Gebäudeteil der Werkstätte Sollenau ist die Großküche, in der täglich 400 Essenportionen hergestellt werden. Die Großküche dient zur Versorgung der dort arbeitenden Menschen sowie der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am Standort. Die Küche versorgt aber auch umliegende Einrichtungen der Lebenshilfe.

Ein der Küche angeschlossenes Kaffeehaus ist zentraler Treffpunk für behinderte Menschen, Angehörige, Besucherinnen sowie Mitarbeitende. Mittlerweile liegt der „Wohnpark Sollenau“ nicht mehr im „grünen Nirgendwo“. Das Gewerbegebiet von Sollenau hat in den letzten 50 Jahren angedockt. Nun hofft die Führung des Wohnparks auf mehr Kontakt und damit Inklusion.