Udo Landbauer
- Partei: FPÖ
- Alter: 36
- Wohnort: Wiener Neustadt
- In der Politik seit: 2005
Für Landbauer ging es lange Zeit nur in eine Richtung und das sehr schnell: Noch im Maturajahr 2005 – am Militärrealgymnasium Wiener Neustadt – wird er Landeschef der FPÖ-Jugendorganisation. Zum „Ring Freiheitlicher Jugend“ kam Landbauer nach eigenen Angaben im Alter von 14 oder 15 Jahren.
Er begann Jurastudien in Wien und Linz, schloss schließlich ein Managementstudium an einer Fachhochschule ab. Währenddessen jobbte er als Skilehrer am Semmering. Den Vorwurf, sein ganzes Leben Berufspolitiker zu sein, den müsse er aushalten, sagte Landbauer in früheren Interviews.
Das Liederbuch und die Politikpause
Mit 23 wurde er Stadtrat in Wiener Neustadt, mit 27 Landtagsabgeordneter, mit 31 Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018 und somit der FPÖ-Kandidat für den Landesrat, den die Partei bei genügend Stimmenanteil über das Proporzsystem erhält. Fünf Tage vor der Landtagswahl veröffentlichte die Wochenzeitung „Falter“ Recherchen zu Landbauers schlagender Burschenschaft, ein Liederbuch enthielt antisemitische und rassistische Texte.
Der Aufschrei war groß. Landbauer war eine Zeit lang stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft. Er stritt ab, die Lieder zu kennen. Nach einer Reihe von Rücktrittsaufforderungen, u.a. von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, legte Landbauer im Februar 2018 alle Ämter nieder, seine FPÖ-Mitgliedschaft stellte er ruhend. Aus der Burschenschaft sei er ausgetreten, sagte er damals im Interview mit dem ORF Niederösterreich.
Das Verfahren gegen Mitglieder der Burschenschaft – Landbauer wurde als Zeuge, nicht als Beschuldigter geführt – wurde im selben Jahr eingestellt. Sechs Monate nach dem Rücktritt kehrte er zuerst als Landtagsabgeordneter zurück, dann wählte ihn die FPÖ auch zum Landesparteiobmann.
Landtagswahl 2023
Von 2. bis 6. Jänner gibt es auf noe.ORF.at, Radio Niederösterreich und in der Fernsehsendung „NÖ heute“ Porträts der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten aller im Landtag vertretenen Parteien für die Landtagswahl.
Die Liederbuch-Affäre sei zwar einige Jahre her, aber „das trägt er natürlich als Rucksack mit. Der FPÖ ist es aber auch auf Bundesebene nicht so schlecht gelungen, Ibiza oder die interne Spesenaffäre vergessen zu machen“, sagt Politikberater Thomas Hofer, „das kann man aus der Oppositionsrolle heraus, wo man angriffig sein kann, da gelingt einem das besser als aus Regierungsfunktion“.
Im Wahlkampf setzt Landbauer auf typische FPÖ-Themen, etwa Asyl. „Dieser Kampf muss in Wahrheit auch rücksichtslos sein – Null-Zuwanderung“, sagte er. Im Landtag fällt er mit Anträgen zum gemeinnützigen Wohnbau auf. „Da hat er die ÖVP auch angezeigt“, sagt Ida Metzger, Journalistin der „Kronen Zeitung.“ Er ist Kritiker von CoV-Schutzmaßnahmen, verpflichtenden Impfungen und er ist gegen ein Herabsetzen des Kindergarteneintrittsalters, wie es die ÖVP Niederösterreich vorsieht.

Politische Großwetterlage als Vorteil
An dieser und an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) äußerte Landbauer bereits einiges an Kritik, mit der Wortwahl setzte er dabei immer wieder auf Provokationen. Eine Schwäche, meint Metzger: „Da überzieht er sprachlich komplett, da hat er zu wenig Feingefühl, da weiß er nicht, wo die Grenzen sind.“
Sendungshinweis
„NÖ heute“, 4.1.2023
Eine Stärke sei die aktuelle Themenlage, sagt der Innenpolitikchef des „Kurier“, Martin Gebhart, auch im Bund sei die FPÖ im Aufwind. „Er hat einen konsequenten Stil. In manchen Aussagen ist er härter als sein Bundesparteiobmann (Herbert Kickl; Anm.). Auch die Achse mit Landesrat Waldhäusl funktioniert, das wird ihm Vorteile bringen.“
Landbauer werde zeigen, was er vor fünf Jahren erreichen hätte können, meint Gebhart. Als Ziel hat sich der 36-Jährige dieses Mal nicht nur das Brechen der ÖVP-Absoluten gesetzt, er stellt den Anspruch auf den Landeshauptmann – mehr dazu in Landbauer stellt Landeshauptmann-Anspruch (noe.ORF.at; 21.11.2022). Das sei „einigermaßen absurd“, so Politologe Hofer, „aber er will sich auf Augenhöhe mit Mikl-Leitner bringen und das war bei der FPÖ in anderen Wahlen immer wieder ein Erfolgsfaktor“.