Medizinisches Modell vom Beckenboden mit Hanteln
ORF/Birgit Zrost
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„La Vita“

Update für das Beckenbodentraining

Der Beckenboden ist vielen gar nicht bewusst. Frauen stoßen spätestens bei der ersten Schwangerschaft auf das Thema – Männer oft erst, wenn es Probleme wie etwa Inkontinenz gibt. Mittlerweile gibt es auch neue, moderne Methoden, um den Beckenboden zu trainieren.

Beckenboden

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die den Bauchraum und die Beckenorgane von unten abschließt.

Wenn die „Kraft aus der Mitte“ nachlässt, wird im zertifizierten Beckenbodenzentrum im Landesklinikum Lilienfeld eine genaue Diagnose erstellt. Neben einem „Blasentagebuch“ werden etwa Ultraschalluntersuchungen oder auch Druckmessungen durchgeführt.

Bei dem anschließenden Therapieplan werde vielen erst bewusst, dass der Beckenboden aktiv trainiert werden sollte. „Die Menschen glauben, sie machen das automatisch mit“, schildert Gynäkologin Ingrid Geiss, Leiterin der Beckenbodenambulanz. Sie beobachtet allerdings, dass das Thema Beckenbodentraining „zunehmend positiv besetzt“ ist, „weil die Frauen sehr wohl etwas für ihre Gesundheit machen wollen und sehr wohl auch vorbeugend etwas machen wollen.“

La Vita: Beckenbodentraining

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Trainingssessel aktiviert Muskeln durch Magnetfeld

Schnell, „höchst effektiv“ und niederschwellig soll das etwa auf speziellen Stühlen funktionieren, bei denen die Muskeln über eingebaute Magnetspulen aktiviert werden. Die 20-minütigen Sitzungen werden in manchen Fitnesscentern angeboten, auch im „Gesund & Fit“ in St. Veit an der Gölsen. „Man muss gar nichts machen, man setzt sich einfach drauf. Man muss sich nicht einmal umziehen oder ausziehen“, beschreibt Geschäftsführerin Larissa Lea Hirsch-Reisenbichler die Vorteile der Methode.

Pelvipower Beckenbodensessel
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Im Sessel sind Magnetspulen eingebaut, die die Beckenbodenmuskeln aktivieren

Genutzt werde das Angebot oft von Frauen nach der Geburt oder bei Blasenschwäche, schildert Hirsch-Reisenbichler, etwa ein Drittel der Kundschaft sei aber männlich: „Radfahrer haben beispielsweise oft einen sehr verspannten Beckenboden.“ Aber auch Inkontinenz, Prostata-Probleme, Rückenschmerzen oder erektile Dysfunktion könnten durch das Beckenboden-Training verbessert werden.

Im Landesklinikum Lilienfeld sieht man die neuartige Trainingsform als Bereicherung, mit einem kleinen Aber: „Dass die Patientinnen oft vorher nicht abgeklärt sind. Das heißt, die Patientinnen therapieren vielleicht niederschwellig, holen sich ein Abo und es wird dadurch eine Diagnosefindung verzögert“, sagt Gynäkologin Ingrid Geiss, „gleichzeitig muss man sagen, dass auch Menschen hinkommen, die vielleicht nie zum Arzt gegangen wären.“

Handy und Beckenbodentrainer
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Handyapps sorgen für Abwechslung im Beckenbodentraining

Handyapps machen Training kurzweiliger

Seit einiger Zeit am Markt sind auch Beckenbodentrainer für Frauen, die eingeführt und mit einer Handyapp verbunden werden. Auch sie werden in Lilienfeld als gute Ergänzung gesehen – vor allem für jüngere, handyaffine Patientinnen, meint Doris Koschka, Fachärztin für Physikalische Medizin.

Durch das richtige Anspannen des Beckenbodens werden dann etwa Raketen gestartet, Luftballons zum Platzen gebracht oder Dartpfeile abgeschossen. „Man hat diverse Spiele, dadurch ist es einfach kurzweilig und das Training wird abwechslungsreicher gestaltet“, so die Beckenboden-Expertin. Eine Erinnerungsfunktion kann helfen, Regelmäßigkeit ins Training zu bekommen.

Physiotherpeutin erklärt Patientin Beckenbodentraining
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Wie und wo man anspannen muss, um den Beckenboden zu trainieren, kann etwa mit einer Physiotherapeutin erarbeitet werden

Zunehmend auch ein Männer-Thema

Aber auch im Beckenbodenzentrum merkt man einen Anstieg an männlichen Patienten, sagt Doris Koschka: „Meistens kommen Männer nach einer Prostataentfernung zu uns, die nach dieser Operation unfreiwilligen Harnverlust haben.“

Sendungshinweis

„NÖ heute“, 3.2.2024

Aber schon bevor Probleme auftreten sollten Frauen wie Männer ihren Beckenboden trainieren. Wer nicht weiß, wie oder wo er jetzt anspannen soll, kann sich laut Koschka etwa so annähern: „Wenn Sie eine aufrechte Haltung einnehmen, merken Sie schon, dass sich da etwas aufrichten muss – und da ist der Beckenboden schon aktiv. Hebe ich dann noch ein Bein und bringe mich ein bisschen aus dem Gleichgewicht, muss der Beckenboden bereits mitarbeiten.“ Gezieltere Übungen können dann etwa mit einer Physiotherapeutin erarbeitet werden.