„Nahaufnahme“

Rudolf Buchbinder: „Kann nicht still sitzen“

Rudolf Buchbinder ist heuer zum 13. Mal als künstlerischer Leiter für das Musikfestival in Grafenegg verantwortlich. In der „Nahaufnahme“ erzählt der Pianist, was ihn antreibt und warum er nie in der ersten Reihe sitzt.

Rudolf Buchbinder, der sich als Perfektionist bezeichnet, findet man entweder auf der Bühne oder inmitten des Publikums. In die erste Reihe zieht es ihn nie: "Die Akustik ist ganz einfach schlecht“, so der Ausnahmepianist und Festivalleiter im Gespräch mit Alice Herzog in der Radio NÖ-„Nahaufnahme“.

Rudolf Buchbinder mit Radio NÖ Moderatorin Alice Herzog
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Rudolf Buchbinder im Gespräch mit Radio NÖ-Moderatorin Alice Herzog

Seinen Ehrentitel Professor hört er nicht sonderlich gerne, lieber spricht er offen über „sein“ Grafenegg: „Für mich ist hier immer noch das schönste Ambiente und der beste Klang“, so Buchbinder, der sich die Latte immer schon sehr hoch gelegt hat. Nur den Ansprüchen des Publikums zu genügen, war ihm immer schon zu wenig. Ihm gehe es in erster Linie darum, sich immer weiterzuentwickeln und selbst zu übertreffen. Dabei sprüht er vor Energie und Tatendrang: „Müdigkeit gibt es bei mir nicht, ich kann auch tatsächlich nicht lange ruhig sitzen.“

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„Nahaufnahme“, 11.8.2019

In der „Nahaufnahme“ erzählt er über das Pianino in der kleinen Wohnung seiner Eltern in der Nachkriegszeit, auf dem er als Kind die Lieder aus dem Radio nachspielte. „Wunderkind war ich keines, aber ich habe immer gerne gespielt“, erzählt Buchbinder, der als Fünfjähriger die Aufnahmeprüfung auf die Musikhochschule in Wien schaffte.

Vom stundenlangen Üben hält er bis heute noch nicht viel, eine Stunde am Tage reiche völlig aus, so der Starpianist. „Ich mag auch das Wort ‚begleiten‘ nicht. Ich sehe meine Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne als Partner. Begleiten tue ich nur meine Frau in ein Restaurant.“ Im Interview erzählt Rudolf Buchbinder auch von seinen beiden Kindern und seinen Enkelkindern, die er gerne verwöhnt: „Großeltern sollen ihre Enkel ja nicht erziehen, sondern nur lieben.“

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Semino Rossi: „Das Leben ließ mich warten“

Von der Donauinsel über die Schlagernacht bis zum „Wenn die Musi spielt“ Sommer Open Air: Semino Rossi ist einer beliebtesten Schlagerstars im deutschsprachigen Raum. Erst im Juni war er auf der Radio-Niederösterreich-Schlagerbühne beim Wiener Donauinselfest zu Gast. Nun präsentiert er ein neues Album mit dem Titel „So ist das Leben.“ Im persönlichen Interview erzählt er in der Radio-NÖ-„Nahaufnahme“ von seinem Leben als 20-jähriger Straßenmusikant, der von Argentinien nach Europa auswanderte, bis zum großen Erfolg, der sich erst nach zwei Jahrzehnten einstellte.

Semino Rossi mit Radio NÖ Moderatorin Alice Herzog
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Semino Rossi (l.) mit Radio-NÖ-Moderatorin Alice Herzog

„Das Leben hat mich 20 Jahre warten lassen“, sagt der Schlagersänger im Gespräch mit Alice Herzog. Es war eine lange Durststrecke, die Rossi nach seiner Ankunft in Europa durchmachte. Sein Geld verdiente er mit Gelegenheitsjobs als Entertainer in Hotels und als Straßenmusiker. „Ich habe sogar 18 Tage hintereinander in einem Auto geschlafen, weil ich mir kein Zimmer leisten konnte“, erzählt Rossi, „und auf einmal kam der große Erfolg.“

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„Nahaufnahme“, 4.8.2019

In der „Nahaufnahme“ spricht Semino Rossi auch über sein Image als Romantiker und Frauenschwarm: „Ich habe diesen Beruf nicht ergriffen, weil ich Frauen gesucht habe. Ich habe ihn für meine Seele und für mein Herz gesucht. Ich habe Telefonnummern bekommen, sogar einen Heiratsantrag, und bis heute gibt es eine Frau, die mir jede Woche einen Liebesbrief schickt.“ Besonders stolz ist er darauf, seit wenigen Monaten Großvater zu sein. Für seinen Enkelsohn ließ er sich sogar eigens einen Ohrstecker machen, denn „ich will ein cooler Opa sein.“

Die „Nahaufnahme“ zum Nachhören:

Anne Bennent: "Ich bin keine Karrierefrau

„Im Grunde hat das Haus uns gefunden“, sagt Bennent im Gespräch mit Alice Herzog. In Gars am Kamp hat sie für sich und ihre Familie, den Musiker Otto Lechner und ihre beiden Söhne, ein zweites Zuhause gefunden. „Es liegt direkt am Bahnhof und es ist lustig, aber ich hatte schon als Kind das Bild eines Schienennetzes über Kontinente", sagt die 1963 in Lausanne geborene Schauspielerin, die selbst reisend zwischen Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Griechenland in einer Künstlerfamilie aufgewachsen ist.

Auch ihr Vater Heinz Bennent war Schauspieler, ihre Mutter eine französische Tänzerin. Anne Bennent besuchte nie eine Schule, sie wurde zuhause unterrichtet, erzählt sie in der „Nahaufnahme.“ Sie erzählt auch über ihre beiden Söhne und die Gratwanderung als Elternteil, zu viele oder zu wenige Regeln aufzustellen. „Jeder Tag ist bei uns sehr anders, das hat auch etwas Schönes. Ich habe auch schon Regeln aufgestellt, aber ich habe gemerkt, es macht ein Klima im Haus, das ich nicht mag.“

Anne Bennent und Alice Herzog
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Anne Bennent (l.) im Gespräch mit Alice Herzog

Sie selbst ist auf fast allen namhaften deutschsprachigen Bühnen aufgetreten, vom Schillertheater in Berlin über das Residenztheater in München, das Schauspielhaus Hamburg und das Wiener Burgtheater bis zu den Salzburger Festspielen. Außerdem ist sie Trägerin der Kainz-Medaille.

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„Nahaufnahme“, 28.7.2019

„Ich habe es nie in dem Sinn gesteuert. Ich bin keine Karrierefrau und ich gehe auch nicht auf Castings. Im Inneren glaube ich nicht daran. Ich glaube schon an Berufung und an Dinge, die sein müssen. Wenn sie nicht sein müssen, lebe ich den Beruf ja. Der Beruf ist ja für mich eine Art, wie ich leben kann“, sagt Bennent im Gespräch mit Alice Herzog. An der Faszination, Schauspielerin sein zu dürfen, hält sie nach wie vor fest: „Für mich ist es so, dass ich nie aufhöre, wachsam Menschen um mich herum wahrzunehmen und mich zu verwandeln. Das empfinde ich als großes Glück.“

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Franz Viehböck: „Ich würde wieder fliegen“

Zum 50-jährigen Jubiläum der Mondlandung ist Franz Viehböck, erster und einziger Österreicher im Weltall, zu Gast in der „Nahaufnahme“. „Ja, ich würde sofort wieder fliegen“, sagt Viehböck. Der ehemalige Astronaut und Spitzenmanager der Berndorf AG (Bezirk Baden) teilt die Begeisterung für die bemannte Raumfahrt bis heute. „Das ist, abgesehen von aller Technik und aller Wissenschaft, eine enorme Errungenschaft, die die Menschheit damals vollbracht hat“, sagt Viehböck über die Mondlandung im Jahr 1969.

Er erinnert sich an die Fernsehbilder, die er damals im Elternhaus in Maria Enzersdorf (Bezirk Mödling) auf einem eigens dafür ausgeborgten Fernsehapparat als neunjähriger Bub bis spät in die Nacht verfolgen durfte und die seine eigene Begeisterung für die Raumfahrt weckten. Nach dem Studium der Elektrotechnik bewarb sich Franz Viehböck Anfang der 1990er Jahre für die Mission Austromir (Sojus TM-13), bereitete sich in der Folge zwei Jahre darauf vor und verbrachte schließlich neun Tage im Weltall.

Astronaut und Manager Franz Viehböck im Gespräch mit Alice Herzog
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Franz Viehböck im Gespräch mit Alice Herzog

An die Sekunden vor dem Start erinnert sich der österreichische Weltraumpionier noch ganz genau: „Für mich war überraschend, dass ich dabei relativ ruhig war, ich hatte einen Puls von 72, obwohl ich vorher bei jedem Arztbesuch mit dem Blutdruck immer an der Grenze war. Ich bin ein eher emotionaler Mensch, aber in diesem Moment war ich relativ entspannt, das hat mich im Nachhinein ziemlich überrascht“, schildert Viehböck.

Ein Leben als Vater und Astronaut

Im persönlichen Interview erinnert sich Franz Viehböck auch an jenem Moment, als er man ihm zum ersten Mal von der Geburt seiner Tochter Carina benachrichtigte: „Ich habe es erst am nächsten Tag erfahren, das war der dritte Tag im Weltall, nachdem es in Österreich schon alle aus dem Fernsehen wussten. Das war natürlich ein Moment der Freude, und hat die ganze Mission in einen fast euphorischen Zustand versetzt.“ Viehböck erzählt in der „Nahaufnahme“ auch über das Gefühl, die Erde von oben zu sehen und gleichzeitig die eigene Unbedeutsamkeit zu spüren: „Das sind dann die Momente, in denen man durchaus tiefer nachdenkt. Da merkt man, wie unbedeutend wir in diesem Universum sind.“

Dieser Blick von außen auf die Erde war es auch, der ihn zum überzeugten Umweltschützer werden ließ: „Wir haben gesehen, wie Urwald abgebrannt wurde, wie im Golf von Kuwait Ölfelder brannten, den verschmutzen Aralsee und verdreckte Flüsse.“ Franz Viehböck erzählt auch über die Zeit nach seinem Weltraumflug, wie er mit seiner plötzlichen Popularität umging und über seine Ehefrau, die dem vierfachen Vater beruflich immer den Rücken freihielt.

Mars als nächstes Ziel der Menschheit

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„Nahaufnahme“, 21.7.2019

Auch für seine Arbeit als Spitzenmanager der Berndorf AG lernte Viehböck während seiner Weltraummission viel. „Das ist mir eigentlich erst hinterher bewusst geworden, aber wenn es zum Beispiel um Stressmanagement oder Teamarbeit geht, konnte ich vieles mitnehmen.“ Für die Zukunft der bemannten Raumfahrt würde sich Viehböck wünschen, dass die Entwicklung konsequenter vorangetrieben wird: „Man hat damals innerhalb weniger Jahre große Fortschritte gemacht. Aber: Man ist seitdem technologisch gesehen ziemlich stehengeblieben, zum Beispiel in der Raketen- und Anschubtechnologie. Hier braucht es einen Quantensprung in der Entwicklung, damit ein Flug zum Mars überhaupt möglich werden kann.“

An intelligentes Leben außerhalb der Erde will der Niederösterreicher nicht glauben, obwohl die Wahrscheinlichkeitsrechnung, also die reine Mathematik, dafür sprechen würde. Sehr wohl glaubt Viehböck aber an außerirdisches Leben in einer einfachen Form.

Die „Nahaufnahme“ zum Nachhören: