Blaugelbe Anekdoten von Figl bis Pröll

Niederösterreichs Landeshauptleute werden oft als einflussreich, aber auch als gesellig beschrieben. Rund um diese Bürgernähe gibt es viele Geschichten. Diese wurden in einem „blaugelben Anekdotenschatz“ zusammengefasst.

Auf mehr als 100 Seiten geht es zum Beispiel um die Kukuruz-Wette zwischen Leopold Figl und dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow. Oder darum, welche Rolle ein Ziegel im Wahlkampf von Andreas Maurer gespielt hat. 23 Anekdoten drehen sich alleine um Erwin Pröll. Ausgangspunkt war eine Mappe, „in der Prölls engste Mitarbeiter unterschiedlichste Kuriositäten dokumentiert hatten“, sagt einer der beiden Buchautoren, Martin Gebhart.

„Es gibt vor allem sehr viele kuriose Briefe, die Pröll bekommen hat. Nur ein Teil davon ist in dem Buch abgedruckt, aber es ist wirklich kurios, was die Menschen dem Landeshauptmann in all den Jahren geschrieben haben“, so Gebhart, der Pröll mehr als zehn Jahre lang als Chefredakteur der „Niederösterreichischen Nachrichten“ journalistisch begleitet hatte.

Altlandeshauptmann als Heiratsvermittler

Ausgehend von einem dieser Briefe wurde Pröll im Sommer 1999 zum Heiratsvermittler. Er kam der Bitte eines Mannes aus Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) nach, seine zukünftige Frau unter dem Vorwand eines Festbanketts in das Rathaus nach Klosterneuburg zu locken. „Dieser Brief verfehlte seine Wirkung nicht. Die Braut erschien und staunte nicht schlecht, als sie zur Trauung geführt wurde, wo nicht der Landeshauptmann, sondern der Standesbeamte wartete“, ist in dem Buch zu lesen.

Ziel des „Anekdotenschatzes“ sei es, Niederösterreichs bisherige Landeshauptleute abseits ihrer politischen Arbeit darzustellen, sagt der zweite Autor Thomas Jorda: „Es zeigt, dass all diese Politiker, die fast alle große Persönlichkeiten waren, eine sehr menschliche und zugängliche Seite hatten, die auch kleine Fehler und Schwächen hatte.“

Leere Klassenräume nach Fest in Göstling

Die Lieblings-Anekdote der beiden Autoren: „Mein persönliches Highlight ist, dass ein Schüler Pröll so sehr überrumpelt, dass alle Schüler nach einem Fest in Göstling einen Tag freibekommen haben“, schmunzelt Gebhart. „Pröll hat etwas getan, was ihm wahrscheinlich gar nicht zugestanden ist und dem Schüler in Form einer schriftlichen Entschuldigung freigegeben. Der Schüler hat diese Entschuldigung dann kopiert und an alle anderen Schüler weitergegeben, sodass am nächsten Tag fast keine Schüler in der Schule waren“, ergänzt Jorda.

Die leeren Schulklassen

Journalist und Buchautor Thomas Jorda mit einer Leseprobe aus dem „Anekdotenschatz“. Das Buch wurde am Montag in St. Pölten vorgestellt.

Pröll selbst wird in dem Buch, das im Kral-Verlag erschienen ist, nicht nur in Form von Anekdoten, sondern auch in Form von Karikaturen abgebildet. Er nimmt es mit Humor: „Der Humor hat mich im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte täglich begleitet und die Kontakte mit der Bevölkerung haben diesen Humor auch herausgefordert. Für mich war Humor immer etwas, das mich in schwierigen Zeiten nicht nur getragen, sondern über diese schwierigen Zeiten auch hinweggetragen hat“, so Altlandeshauptmann Pröll.

Gernot Rohrhofer, noe.ORF.at

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