„Falter“: Schwere Vorwürfe gegen Landbauer

Der „Falter“ erhebt kurz vor der Wahl schwere Vorwürfe gegen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer. Laut der Zeitung ist er Mitglied einer Burschenschaft, in deren Liederbuch Judenmord und Nazi-Regime verherrlicht werden.

Laut „Falter“ ist Landbauer stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft „Germania zu Wiener Neustadt“. Aus einem Lied wird zitiert: „Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ‚Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million‘“. Und weiter: „Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines’: ‚Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.‘“

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„NÖ heute“, 23.1.2018

Bei den Freiheitlichen distanzierte man sich nach Erscheinen des Vorabberichts. Die Partei würde in solchen Fällen „hart durchgreifen“. Wenn das Liederbuch „im Jahr 1997 neu überarbeitet in Druck geschickt“ worden sei, wie der „Falter“ schreibt, so sei Landbauer damals „elf Jahre alt“ gewesen. Er habe somit „noch nicht einmal allein Radfahren dürfen“.

Landtagswahl Diskussion Spitzenkandidaten Landbauer

ORF / Nagel

FPÖ-Spitzenkandidat Landbauer sieht sich kurz vor der Landtagswahl mit schweren Vorwürfen konfrontiert

Landbauer selbst reagierte per Aussendung Dienstagabend: Er sei „auf das Äußerste entsetzt und schockiert“ über die Text- und Liedpassagen. „Als dieses Buch gedruckt wurde, war ich elf Jahre alt. Ich erhalte davon heute zum ersten Mal Kenntnis und ziehe auch sofort die notwendigen Konsequenzen.“ Konkret bedeute das, dass er seine Mitgliedschaft in diesem Bund umgehend ruhend stelle und „die Einsetzung einer Untersuchungskommission mit allen auch rechtlichen Konsequenzen“ fordere, „um diese skandalöse Angelegenheit restlos und umfassend zu klären, gegebenenfalls auch vor Gericht“.

Er verwies auf seinen eigenen Migrationshintergrund und verurteile Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. „Ich will und werde persönlich mit Nachdruck die Klärung dieser Angelegenheit vorantreiben und nicht den leisesten Zweifel zurücklassen, dass weder ich, noch die FPÖ mit Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Totalitarismus, auch nur das Geringste am Hut haben“, so Landbauer in der Aussendung.

Schwere Vorwürfe gegen Landbauer

Der FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer nahm zu den Vorwürfen gegenüber dem ORF Niederösterreich Stellung.

Auf Nachfrage sagte Landbauer gegenüber noe.ORF.at, er habe die „Lieder selbst nie verwendet und wusste auch nicht davon, dass es dieses Büchlein gibt“. Zudem sehe man an den Reaktionen der anderen Parteien, „dass offensichtlich manche Herrschaften Umfragedaten haben, die ihnen sehr wehtun. Denn es ist nicht anders zu erklären, dass man jetzt, so kurz vor der Wahl, mit solch haltlosen Vorwürfen kommt.“

Rücktrittsaufforderungen von anderen Parteien

Auf den Medienbericht gab es Dienstagnachmittag bereits zahlreiche Reaktionen: Für die ÖVP sprach Landesparteiobfrau Johanna Mikl-Leitner von schwerwiegenden Vorwürfen. Sie erwarte sich Aufklärung. Es müsse, wenn sie an die Zukunft der Landesregierung denke, Klarheit über die Vergangenheit geben. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) reagierte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: Die Liedtexte seien „rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig“. Er forderte ebenfalls „volle Aufklärung“.

NEOS-Spitzenkandidatin Indra Collini forderte Landbauers Rücktritt, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Gleiches forderte der Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Max Lercher. SPÖ-Chef Christian Kern kritisierte, ebenfalls auf Twitter: „Während Landbauer/FPÖ im Verdacht der Verhetzung und Wiederbetätigung steht, teilt Strache Landbauers Werbevideo auf FB.“ „Diesmal geht sich, ‚da war ich ja noch gar nicht auf der Welt‘, nicht mehr aus.“, meinte Kern weiters.

Burschenschaft distanziert sich

Die Burschenschaft selbst distanzierte sich am Dienstagabend von den in der Wochenzeitung zitierten Liedtexten. Man lehne „jede Diskriminierung von Religionen zutiefst ab sowie jegliche Art von Antisemitismus“, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

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„Die pennale Burschenschaft Germania distanziert sich von jeder Verherrlichung der Verbrechen der NS-Diktatur“, ließ die Burschenschaft wissen. Das Liederbuch sei vor 21 Jahren gedruckt worden. Warum überhaupt „derart menschenverachtende Liedertexte abgedruckt wurden beziehungsweise nicht restlos entfernt wurden“, soll bei einer Versammlung der Verbindung am Mittwoch geklärt werden, hieß es weiters.

Philip Wenninger, stellvertretender Obmann der Mittelschülerverbindung, erklärte gegenüber der APA, dass man seit Jahren das 1997 gedruckte Liederbuch erneuern wolle. Bisher habe es aber am Geld gefehlt, soll es doch ein ledergebundenes Buch werden. Wie die nun publik gewordenen Texte, in denen der Judenmord verherrlicht wird, in das Liederbuch kamen, sei nun zu klären. Die Germania zu Wiener Neustadt hat laut Wenninger rund 70 Mitglieder und wurde 1917 gegründet.

Landbauer stellte Mitgliedschaft ruhend

Udo Landbauer, Spitzenkandidat der niederösterreichischen FPÖ bei der Landtagswahl am Sonntag, hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass er seine Mitgliedschaft bei der Germania nach Bekanntwerden der Vorwürfe ruhend stellt. FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz stellte sich in einer Aussendung hinter Landbauer. Dieser habe sich stets klar von antisemitischem und rassistischem Gedankengut abgegrenzt. Das Ruhendstellen der Mitgliedschaft sei der richtige Schritt gewesen, so Rosenkranz.

Erst am Samstag hatte das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet, dass Landbauer im Jahr 2010 - als er bereits Spitzenfunktionär der Freiheitlichen Jugend war und im selben Jahr Stadtrat in Wiener Neustadt wurde - einen rechtsextremen Verein („Junge Patrioten“) unterstützt haben soll. Die FPÖ sah in diesen Vorwürfen „linke Polemik“ im Wahlkampffinale.