Semmeringbahn: Stein für Stein wird versetzt

Seit dem Jahr 2016 werden die drei Viadukte entlang der Semmering-Strecke generalüberholt. Jeder Stein muss einzeln ausgebaut, saniert und wieder eingesetzt werden. Kurz vor der Winterpause liegt man mit den Arbeiten im Plan.

Die 1854 eröffnete Semmering-Bergstrecke, die von Gloggnitz (Bezirk Neunkirchen) bis nach Mürzzuschlag in der Steiermark führt, ist in die Jahre gekommen. Große Temperaturschwankungen, Schnee und Frost hinterließen bei den Viadukten über den Wagnergraben, den Gamperlgraben und den Rumplergraben ihre Spuren. Gearbeitet wird Tag und Nacht, denn die Sanierung ist aufwendig. Jeder Stein wird nummeriert, abtransportiert und zum Steinmetz nach Kapfenberg in der Steiermark gebracht, wo jeder einzeln bearbeitet und zugeschnitten wird.

Sanierung der Semmering-Viadukte

Erst aus der Luft sind die imposanten Viadukte erkennbar, die 1854 errichtet wurden. Jeden Tag fahren 180 Züge über die Strecke.

Danach werden die Steine wieder mit der Bahn auf den Semmering gebracht, wo sie in Millimeterarbeit versetzt werden. Aufgrund der schmalen Gleisanlage kann jeder Stein aber nur versetzt werden, wenn gerade kein Zug vorbeifährt. Die Takte sind knapp, denn jeden Tag passieren 180 Züge die Baustelle in fast 40 Metern Höhe. „Das Versetzen der Steine dauert zwar nicht lange, etwa zwei bis drei Minuten, aber die Möglichkeit, den Stein zu versetzen, sich mit dem Bagger zu drehen, das gibt es untertags weniger, in der Nacht ist es etwas flotter“, erklärt ÖBB-Regionalleiter Günter Novak.

Viadukte werden saniert und modernisiert

Alle Steinblöcke müssen erhalten bleiben, weil die Viadukte unter Denkmalschutz stehen. Ersatzsteine gibt es keine mehr. „Es ist so, dass diese Steinbrüche, wo die Steine anno dazumal abgetragen wurden, geschlossen wurden. Das bedeutet, wir müssen alle Steine schonend behandeln und das Material, das weggeschnitten wird, für die Aufbereitung der Aufbruchstellen verwenden. Das Material, das nicht verwendet wird, wird für zukünftige Projekte gelagert“, sagt Projektleiter Daniel Gödl gegenüber noe.ORF.at.

Gleichzeitig werden die Viadukte auch modernisiert, so wurde unter der Gleisanlage etwa eine Platte eingebaut, die das Viadukt nicht nur vor Niederschlag schützen, sondern auch die Last besser verteilen soll. Carl Ritter von Ghega konnte beim Bau vor 164 Jahren wohl kaum damit rechnen, dass heute die bis zu 40-fache Last über die Strecke rollt, als ursprünglich berechnet wurde.

Nach Winterpause wird im Frühling weitergebaut

In wenigen Tagen sollen alle Steine wieder an ihrem Platz sitzen, dann gehen die Arbeiten in die Winterpause, beide Gleise sind dann wieder befahrbar. „Im März 2019 geht es mit der anderen Seite weiter, es werden wieder Steine angepasst, saniert und wieder versetzt. Den großen Abschluss gibt es dann von 18. bis 28. Mai, wo wir in einer Doppelgleissperre die Mittelfuge schließen“, erklärt Novak. Zu dieser Zeit werden auch zahlreiche andere Arbeiten durchgeführt, für Bahnreisende wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Die Arbeiten sollen dann 2020 beendet werden. Alleine heuer werden für die Sanierung der Semmering-Strecke 17 Millionen Euro ausgegeben. Es sei eine Investition für die Zukunft heißt es bei den ÖBB, denn selbst wenn im Jahr 2026 der Semmeringbasistunnel fertig ist, soll der Zugsverkehr während regelmäßiger Instandhaltungsarbeiten weiterhin über die historische Bergstrecke geführt werden.

Margit Laufer, noe.ORF.at

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