Letzter Drehorgelbauer Österreichs
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Der letzte Drehorgelbauer Österreichs

Früher haben Straßenmusiker und Gaukler bekannte Lieder auf der Drehorgel präsentiert. Heute ist es eher ein Instrument für Liebhaber und Sammler. In Wolfsgraben im Wienerwald findet man Österreichs letzten Drehorgelbauer.

Die Drehorgel ist das perfekte Instrument für Einsteiger: einfach kurbeln und los geht’s. Im Handumdrehen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – spielt selbst der musikalische Laie komplizierte Wagner-Opern genauso wie moderne Pop-Hits.

Die Technik dahinter ist allerdings alles andere als einfach. Der Bau einer Drehorgel dauert oft hunderte Arbeitsstunden. In seiner Werkstatt im Keller eines Einfamilienhauses in Wolfsgraben (Bezirk St.Pölten) restauriert Christian Wittmann alte Drehorgeln und baut neue Eigenanfertigungen. Besonders herausfordernd dabei ist die richtige Abstimmung der Pfeifen.

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In seiner Werkstatt im Keller restauriert Christian Wittmann alte Drehorgeln und baut neue Eigenanfertigungen

„Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Töne und zusätzlich unterschiedliche Pfeifenregister, Trompeten, Piccolo- und Panflöten. Sie alle müssen richtig zusammenspielen“, erklärt Drehorgelbauer Christian Wittmann.

Bis zu 700 Arbeitsstunden, oft ohne Bauanleitung

An seinem Meisterwerk hat Wittmann drei Jahre beziehungsweise 700 Stunden gearbeitet. Es ist ein Nachbau einer historischen Wurlitzer-Jahrmarktsorgel aus den USA. Hier spielt dann gleich ein ganzes Orchester aus Schlagzeug, Flöten und Trompeten. Wie bei vielen Restaurationsarbeiten hatte er auch dafür keine konkrete Bauanleitung.

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Die Musikrollen werden in Handarbeit gefertigt

„Den größten Teil habe ich nur von Bildern, Fotos und Beschreibungen nachgebaut. Und so habe ich jedes Einzelteil angefertigt, weil man natürlich nichts Fertiges zu kaufen bekommt“, erzählt Wittmann.

Kunden aus aller Welt

Auch die Musikrollen – quasi die Software des Instruments – werden vom Orgelbauer selbst gemacht: Zuerst werden die Musikstücke am Computer komponiert oder arrangiert. Dann bringt eine selbstgebaute Lochstanzmaschine die Musik zu Papier oder in den meisten Fällen zu Kunststoff. „Oft muss man Stücke etwas umkomponieren, da die Drehorgel nur eine beschränkte Tonskala hat. Es ist wichtig, dass es am Schluss so klingt wie das Original“, sagt Wittmann.

Wer eine originale Wittmann haben möchte, der kann gut und gerne zwischen 5.000 und 30.000 Euro bezahlen. Kunden gibt es aus aller Welt: Bis in die USA und Mexiko haben es Wittmanns Drehorgeln aus Wolfsgraben bereits geschafft.