Pappbecher, Pappteller, Holzgeschirr
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Umwelt

Holz und Pappe statt Plastik

Im Nationalrat sollen diese Woche Plastiksackerl verboten werden. Ab 2021 sind diese Einwegplastikprodukte EU-weit betroffen. In St. Valentin (Bezirk Amstetten) setzt man schon seit dem Vorjahr auf Holz und Pappe.

Die Bilder von Müllbergen aus Plastikbechern, Strohhalmen und Besteck gehören in St. Valentin der Vergangenheit an. Immer mehr Vereine verwenden bei ihren Festen Mehrwegbecher. Die Stadt stellt diese seit dem Vorjahr kostenlos zur Verfügung. Beim Maifest habe man heuer erstmals Plastik-Flaschen komplett verbannt, sagt Andreas Hofreither, Obmann des Eisenbahnsportvereins St. Valentin gegenüber noe.ORF.at. „Stattdessen haben wir jetzt 20-Liter-Gebinde, die man bei den Getränkelieferanten bekommt.“

Alkoholfreie Getränke, die auf Festen ausgeschenkt werden, gebe es laut Hofreither zudem in Glasflaschen, „somit kann man sich auch da die Plastikflaschen ersparen.“ In den Getränkeautomaten der Gemeinde findet man ebenfalls nur noch Glasflaschen. Alternativen gibt es bei Veranstaltungen auch bei Teller und Besteck. Die Vereine setzen dabei auf Pappe und Holz, weiß Ilse Wolfinger, Obfrau der Naturfreunde. „Da hat man schon eine Community, da redet man sich natürlich zusammen, aber es ist durchaus eine Herausforderung.“

Mehrwegbecher St. Valentin
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Andreas Hofreither verwendet bei Veranstaltungen nur noch die Mehrwegbecher der Stadt

Eine Herausforderung waren anfangs auch die Trinkbecher beim Stadtlauf mit etwa 500 Läufern. Doch auch hier wurde eine Lösung gefunden. Die Becher, die während des Rennens weggeworfen werden, sind heuer aus Pappe statt aus Plastik, auch wenn die Veranstalter dafür etwas mehr Geld investieren müssen.

Vorbild für andere Gemeinden und Vereine

St. Valentin will mit diesen Initiativen vor allem Vorbild für andere Gemeinden sein, sagt Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ). „Natürlich sieht man erst in der Praxis, wo auch Probleme sind. Zum Beispiel brauchen wir jetzt auch Personal für den Abwasch, da kommen natürlich neue Dinge auf einen zu, aber die Leute beschäftigen sich damit.“ Das spürt auch Hofreither, denn immer öfter „kommen Vereine, die auch das Fest besuchen und fragen, wie wir das gemacht haben, wo wir uns das ausgeborgt haben. So besteht der Kontakt, um Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben.“

Mittlerweile suchen aber auch die Produzenten nach Lösungen, etwa die Firma Vöslauer mit Sitz in Bad Vöslau (Bezirk Baden). Das Unternehmen stellt bereits PET-Flaschen zu 100 Prozent aus recyceltem Material her. Derzeit sind etwa 70 Prozent der Plastik-Flaschen „rePet“-Flaschen. Nach Angaben von Geschäftsführerin Birgit Aichinger sollen bis spätestens 2025 alle PET-Flaschen aus recyceltem Kunststoff erzeugt werden.

Vöslauer: „Glas hat ein Revival“

Zusätzlich setzt das Unternehmen künftig verstärkt auf Glas. Daher wird am Mittwoch eine neue Glasproduktionsanlage eröffnet. „Glas hat ein Revival. Wir wissen, dass Glas sehr hohe Zuwachsraten hat. In der Gastronomie hatten wir immer 100 Prozent Glas, aber wir haben seit vier Jahren nun auch eine ein Liter-Glasflasche am Markt, die sehr hohe Zuwachsraten hat“, so Aichinger. Konkret: Die Glasflasche wurde 2018 um 25 Prozent häufiger verkauft als noch 2017.

„Deswegen haben wir auch in eine neue Glasanlage investiert. In die Anlage und in Gebinde investieren wir heuer neun Millionen Euro“, so die Geschäftsführerin. Gänzlich auf Plastik zu verzichten, sei für das Unternehmen allerdings kein Thema. „Man kann nicht sagen, entweder Glas oder Plastik. Wir brauchen zukunftsfitte Lösungen im PET-Bereich, Stichwort ,rePet’, und auf der anderen Seite auch zeitgemäße Lösungen im Glas-Mehrwegbereich“, betonte Aichinger.