Amazon Verteilzentrum in Großebersdorf
APA/Hans Klaus Techt
Wirtschaft

Amazon: Sozialministerium schaltet sich ein

Nachdem ein Amazon-Mitarbeiter in Großebersdorf (Bezirk Mistelbach) von gefährlichen Arbeitsbedingungen berichtet hat, sei es laut Gewerkschaft zu Veränderungen im Management gekommen. Amazon weist das zurück.

Nach den bekannt gewordenen Vorwürfen eines Mitarbeiters im Amazon-Verteilzentrum in Niederösterreich gibt es nun auf politischer Ebene erste Maßnahmen. Die Gewerkschaft hatte eine Verordnung angeregt, um die Anzahl der Leiharbeiter bei Amazon zu beschränken. Das Sozialministerium will nun die Sozialpartner, also Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter, anhören. „Das Sozialministerium wird daher einen solchen Konsultationsprozess einleiten, um sich ergebende, offene Fragen mit diesen abzuklären“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums gegenüber der APA.

Laut Gewerkschaft sei es nach den Vorwürfen bei Amazon zu Änderungen im Management gekommen. „Darüber hinaus wurde die Halle nach einer Überprüfung durch das Arbeitsinspektorat komplett umgebaut“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, Barbara Teiber. Amazon bezeichnet die Darstellung der Gewerkschaft als „Unsinn“. Das Verteilzentrum werde „von dem selben Management-Team geleitet“, hieß es in einer Stellungnahme. Zudem habe man keinen Umbau vor, wie die GPA verkündete, „da das Gebäude absolut sicher ist und gute Arbeitsbedingungen bietet“.

Die GPA habe weiter die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse ersucht zu überprüfen, ob bei den Botenfahrern Scheinselbstständigkeit vorliegt. Derzeit arbeitet Amazon in Österreich praktisch nur mit Leiharbeitern, nur 16 Beschäftigte sind bei Amazon selbst angestellt. Leiharbeiter seien da, um Spitzen abzudecken, aber nicht für die Regelarbeit, kritisierte die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft, Barbara Teiber, am Mittwoch. Daher regte sie die Verordnung an.

Mitarbeiter Amazon Großebersdorf
APA/Hans Klaus Techt
Ein ehemaliger Mitarbeiter von Amazon kritisierte die Arbeitsbedingungen als gefährlich und erniedrigend

„Mitarbeiter werden überwacht“

Am Dienstag hatte Amazon-Mitarbeiter Maarten N., unterstützt von der GPA, vor zahlreichen Journalisten über bedenkliche Arbeitsbedingungen bei dem Onlineriesen berichtet. Durch die räumliche Enge komme es zu Unfällen, Mitarbeiter würden permanent überwacht und diszipliniert, und Anfang der Woche wisse man nie, ob man Ende der Woche noch einen Job habe.

Amazon hatte darauf in einer schriftlichen Stellungnahme reagiert. „Wir denken nicht, dass die Vorwürfe die Wirklichkeit in unseren Gebäuden widerspiegeln“, hieß es am Mittwoch. Amazon-Chef Jeff Bezos gilt als der reichste Mann der Welt. Das US-Magazin „Forbes“ bezifferte zuletzt das Vermögen des 55-Jährigen auf 131 Mrd. Dollar (rund 116 Mrd. Euro). Das seien nochmals 19 Mrd. Euro mehr als ein Jahr zuvor.