Amazon Verteilzentrum in Großebersdorf
APA/HANS KLAUS TECHT
Wirtschaft

Amazon: Viel Wirbel nach Vorwürfen

Der Streit um die Arbeitsbedingungen bei Amazon Österreich geht weiter. Nun ist ein Abteilungsleiter gekündigt worden. Er bestätigt die Vorwürfe eines Amazon-Mitarbeiter, dass Mitarbeiter exzessiv überwacht würden.

Freitagvormittag sprach die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) davon, dass es nach dem Gang an die Öffentlichkeit eines Mitarbeiters, der von schweren Missständen sprach, zu Veränderungen im Management gekommen sei. Replik des US-Konzerns wenige Stunden später: „Unsinn“. Doch nun meldete sich ein Mitarbeiter bei der APA, der angibt Abteilungsleiter zu sein. Er habe nach Eigenangaben heute, Freitag, ein Kündigungsschreiben erhalten. Begründet sei dies damit worden, dass sich seine Mitarbeiter nicht auf ihn verlassen hätten können. Was sich der Gekündigte nur so erklären kann, dass damit sein Krankenstand nach einem Autounfall gemeint sei.

Mitarbeiter sei kein „Manager“

Der US-Konzern bestreitet, einen Manager gekündigt zu haben. Jener Mitarbeiter habe aufgrund seiner Erfahrung zwar nicht auf der einfachsten Ebene gearbeitet, aber habe auch keine Leitungsfunktion inne gehabt, hieß es zur APA. Der Beschäftigte wiederum behauptet, operativer Schichtführer der Nachtschicht gewesen zu sein. Beworben habe er sich um eine Stelle als „Teamleiter mit Führungsfunktion“, für die er auch angestellt wurde. Laut Gewerkschaft GPA soll es aber auch beim Dienstvertrag des Mitarbeiters Ungereimtheiten geben. Die GPA will sich den Vertrag nun genauer anschauen.

Der „Teamleiter“ sei laut APA verwundert, dass er gehen musste, obwohl der Mitarbeiter, der sich am Dienstag mit Kritik am Konzern an die Medien wandte, gar nicht in seiner Schicht arbeitete. Die Vorwürfe des Kollegen – unter anderem sollen die Mitarbeiter exzessiv kontrolliert worden sein – würde er jedenfalls zu hundert Prozent unterschreiben. „Wir können alle Daten einsehen“, so der Mann.

Sozialministerium schaltete sich ein

Barbara Teiber, Vorsitzende der GPA-djp, sagte zur Kündigung der Führungskraft: „Es ist unfassbar, mit welch dreisten Mitteln Amazon versucht, die offensichtlichen Missstände bei den Arbeitsbedingungen im Verteilzentrum Großebersdorf (Bezirk Mistelbach, Anm.) zu negieren und kleinzureden. Die Behauptung, es hätte keine personellen Konsequenzen im Führungsteam des Verteilzentrums gegeben, ist nun als glatte Lüge entlarvt worden."

Das Sozialministerium schaltete sich Freitagnachmittag in die Vorgänge ein. „Das Sozialministerium wird daher einen solchen Konsultationsprozess einleiten, um sich ergebende, offene Fragen mit diesen abzuklären“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums auf APA-Anfrage. Dabei geht es vor allem um die Leiharbeiter. Derzeit arbeitet Amazon in Österreich praktisch nur mit Leiharbeitern, 16 Beschäftigte sind bei Amazon angestellt. Leiharbeiter seien da, um Spitzen abzudecken, aber nicht für die Regelarbeit, kritisierte die GPA-Vorsitzende Barbara Teiber, am Mittwoch. Die Gewerkschaft hatte die Verordnung an das Ministerium angeregt.

Gang an die Öffentlichkeit löste Wirbel aus

Am Dienstag hatte Amazon-Mitarbeiter Maarten N., unterstützt von der GPA, vor zahlreichen Journalisten über bedenkliche Arbeitsbedingungen bei dem Onlineriesen berichtet. Durch die räumliche Enge komme es zu Unfällen, Mitarbeiter würden permanent überwacht und diszipliniert, und Anfang der Woche wisse man nie, ob man Ende der Woche noch einen Job habe mehr dazu in Amazon-Mitarbeiter prangert Arbeitsbedingungen an (noe.ORF.at; 11.6.2019).

Amazon hatte darauf in einer schriftlichen Stellungnahme reagiert. „Wir denken nicht, dass die Vorwürfe die Wirklichkeit in unseren Gebäuden widerspiegeln“, hieß es am Mittwoch. Das Verteilzentrum in Großebersdorf wurde im Februar eröffnet. Amazon-Chef Jeff Bezos gilt als der reichste Mann der Welt. Das US-Magazin „Forbes“ bezifferte zuletzt das Vermögen des 55-Jährigen auf 131 Mrd. Dollar (rund 116 Mrd. Euro). Das seien nochmals 19 Mrd. Euro mehr als ein Jahr zuvor.