Alexander Kaiser (nach Nicolas-Marie-Joseph Chapuy), Semmeringbahn, Krausel-Klause-Viadukt, ca. 1855
NÖ Landesbibliothek
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Wissenschaft

Symposion reist zurück in das 19. Jahrhundert

Niederösterreich war im 19. Jahrhundert von rasantem Wandel geprägt. Das in Wiener Neustadt stattfindende 39. Symposion des niederösterreichischen Instituts für Landeskunde wagt von 1. bis 3. Juli eine Reise zurück in die Zeit der Industrialisierung.

Die Agrarrevolution, die Industrialisierung, der Ausbau des Bildungswesens, neue Massenparteien und unzählige Vereinsgründungen: Das 19. Jahrhundert brachte Wandel aller Lebensbereiche – und das war auch in Niederösterreich zu spüren. Das 39. Symposion des niederösterreichischen Instituts für Landeskunde greift die Themen rund um das ereignisreiche Jahrhundert auf, um ein Bild der historischen Entwicklung und der Veränderungen in Niederösterreich zu zeichnen.

20 Vortragende aus dem In- und Ausland

Die öffentliche Konferenz findet im Bernardisaal im Neukloster statt, versammelt mehr als 20 Vortragende aus dem In- und Ausland und greift zentrale Anliegen der historischen Forschung zum 19. Jahrhundert auf. Für den Abendvortrag am 1. Juli wurde mit Pieter M. Judson vom Europäischen Hochschulinstitut Florenz ein prominenter Gast gewonnen. Mit seinem Buch „Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740–1918“ wurde er 2017 einem breiten Publikum bekannt. Am 2. Juli ist Dirk van Laak von der Universität Leipzig zu Gast. Sein Buch „Alles im Fluss“ erschien 2018. Eine Führung durch die niederösterreichische Landesausstellung „Welt in Bewegung“ soll das Programm des Symposions abrunden.

Holzstich einer Lokomotive in Wiener Neustadt im 19. Jahrhundert (1888)
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Dieser Holzstich aus dem Jahr 1888 zeigt eine historische Lokomotive in Wiener Neustadt

„Das 19. Jahrhundert konfrontiert uns mit den Dynamiken der Modernisierung, mit neuen Formen von Macht und neuen sozialen Verwerfungen“, sagt Oliver Kühschelm, Dozent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, der gemeinsam mit Elisabeth Loinig, der Leiterin des niederösterreichischen Instituts für Landeskunde, die Tagung konzipierte. „Es war keine betuliche ‚alte Zeit’, aber ebenso wenig die Ära einer noch unschuldigen Fortschrittsbegeisterung. Neben dem Wandel und gegen ihn gerichtet, gab es auch Beharrung“, so Kühschelm.

Bei dem Symposion in Wiener Neustadt stehen u.a. Fragen nach der Rolle des Staates und den neuen Strukturen der Verwaltung im Fokus. Ebenso werden wirtschaftliche Veränderungen, Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen Engagements und Elemente der städtischen und ländlichen Gesellschaft beleuchtet. Ausgangspunkt ist dabei Niederösterreich, doch Beiträge aus anderen europäischen Regionen sollen den Veranstaltern zufolge den Blickwinkel erweitern.

Gemälde Blick auf Stift Melk, Thomas Ender (1793–1875), Öl auf Leinwand
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Dieses Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert stammt von Thomas Ender und zeigt den damaligen Blick auf das Stift Melk

1.500 Seiten regionale Geschichte

Das Symposion findet vor dem Hintergrund eines am Institut für Landeskunde laufenden Buchprojektes statt, das die Geschichte Niederösterreichs von 1780 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in mehr als 50 Einzelbeiträgen darstellen wird. Elisabeth Loinig zufolge werden dazu im Frühjahr 2020 zwei Bände erscheinen. „Wir werden mit der neuen Publikation auf fast 1.500 Seiten regionale Geschichte für ein interessiertes Publikum aufbereiten und Entwicklungslinien nachzeichnen, die über Niederösterreich hinaus wissenschaftliche Relevanz besitzen.“ Das Symposion biete schon jetzt „die Möglichkeit, einigen Autorinnen und Autoren über die Schulter zu schauen“, so Loinig.