Bahngleise/Schienen
APA/ROLAND SCHLAGER
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Verkehr

Fahrplan 2020: Was auf Bahnfahrer zukommt

Der Fahrplanwechsel am 15. Dezember bringt für Bahnfahrer in Niederösterreich etliche Neuerungen. Während die private Westbahn ihre Verbindungen reduziert, baut der Verkehrsverbund Ostregion bzw. die ÖBB mit Hilfe des Landes massiv aus.

Deutliche Änderungen gibt es ab 15. Dezember für Kunden der privaten Westbahn. Der ÖBB-Konkurrent verkauft schrittweise alte Züge, muss auf die neuen aber noch voraussichtlich zwei Jahre warten. Die Folge ist eine zwischenzeitliche Reduktion des Angebots um fast die Hälfte: Statt eines Halbstundentaktes verkehrt die Westbahn zwischen Wien und Salzburg künftig in der Regel nur noch einmal pro Stunde. Nur in den Spitzenzeiten werden zusätzliche Westbahn-Garnituren eingeschoben.

Einen Teil dieses Ausfalls wollen die ÖBB bzw. der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) mit neuen Nachmittagsverbindungen vom Wiener Westbahnhof über St. Pölten bis Amstetten kompensieren. Zwar geht es bei dem Thema großteils um Fernverbindungen und nicht primär um den Nahverkehr, doch VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll spricht trotzdem von einer „Herausforderung“: „Als Verkehrsverbund wissen wir natürlich, dass viele Pendler das schnelle Angebot mit Zeitkarten in Anspruch nehmen. Daher sind die Züge der ÖBB auch schon gut gefüllt.“ Wie sich die Reduktion der Westbahn auswirken wird, könne er „jetzt aus Planungssicht noch nicht sagen“. Die ÖBB hätten aber jedenfalls Maßnahmen gesetzt.

Züge halten am Wiener Westbahnhof
APA/ROBERT JAEGER
Der Wettkampf zwischen Westbahn und ÖBB ist um ein Kapitel reicher

Südbahnstrecke immer wichtiger

Neues gibt es auch auf der Südbahnstrecke, die als dauerhaft stark ausgelastet gilt. Halbstündlich sollen hier schnelle Züge verkehren, die zwischen Wien und Wiener Neustadt nicht halten. Im Süden von Wien geht außerdem die Pottendorfer Linie auf dem Abschnitt bis Münchendorf zweigleisig in Betrieb. Künftig wird hier bis 22.00 Uhr eine stündliche REX-Garnitur über Ebreichsdorf bis Ebenfurth angeboten. Auch eine stündliche S60-Verbindung gibt es nun.

„Es gibt einige kleinere Ausnahmen“, sagte Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP), aber grundsätzlich schaffe man nun auf fast allen Strecken einen täglichen Stundentakt. Außerdem richte man „Spätverbindungen auf allen Regionalstrecken in Niederösterreich rund um 23.00 Uhr und auf den Hauptstrecken bis mindestens Mitternacht“ ein. Auf der Süd- und Westbahnstrecke gebe es diese Spätzüge sogar bis 1.00 Uhr in der Nacht.

Neue Randzeiten

Den Schwerpunkt auf Randzeiten erklärte VOR-Geschäftsführer Schroll mit den Bedürfnissen von Pendlern. Bisher hätten diese oft das Problem, dass sie aufgrund von Früh- oder Spätdiensten nur eine der Fahrten öffentlich zurücklegen könnten. Es sei „daher eine ganz wichtige Planungsprämisse, die Beginnzeiten am frühen Morgen und die Endzeiten am Abend in den Taktverkehr einfließen zu lassen.“

Landesrat Schleritzko und VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll
ORF / Novak
Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (l.) und VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll bei der Pressekonferenz in St. Pölten

Mit dem Taktfahrplan, also der regelmäßigen Abfahrt etwa im Stundentakt, will Schroll auch neue Zielgruppen erreichen: „Wenn der Fahrgast zum Beispiel weiß, dass der Bus oder Zug immer in der Minute 27 abfährt, dann ist das auch für jemanden, der nur gelegentlich öffentliche Verkehrsmittel nutzt, leichter merkbar.“

Für den neuen Fahrplan 2020 erhöhte das Land die finanziellen Förderungen im Vergleich zu 2019 um 40 Prozent. Im kommenden Jahr wird man laut Schleritzko 131 Millionen Euro zuschießen. Insgesamt will man an Werktagen künftig eine halbe Million Sitzplätze anbieten, das entspricht einem Zuwachs von etwa zehn Prozent. Der Verkehrsdienstevertrag mit den ÖBB, der den Fahrplänen der nächsten zehn Jahre und damit auch dem geplanten Fahrplan 2020 zugrunde liegt, wird derzeit allerdings noch verhandelt. Schleritzko ging am Mittwoch von einem Abschluss in den nächsten Tagen aus. Dieser muss zwangsläufig vor der Umstellung am 15. Dezember erfolgen.

Dauerthema Schweinbarther Kreuz

Unverändert bleibt übrigens der Entschluss, die Weinviertler Regionalbahn Schweinbarther Kreuz einzustellen. Sie wird seit September wie berichtet auf Busse verlegt, die in Zukunft elektrisch betrieben werden sollen. Im Dezember sollen im auf der Strecke die letzten Züge fahren – mehr dazu in E-Busse statt Bahnlinie am Schweinbarther Kreuz (noe.ORF.at; 29.3.2019).

Verkehrslandesrat Schleritzko gab zu, dass es an der Entscheidung viel Kritik gegeben habe, berichtete jedoch auch von positiven Stimmen: „Es gibt auch Lob aus der Bevölkerung in der Region Mistelbach und Gänserndorf, wo das Näherbringen des öffentlichen Verkehrs durch das Etablieren des Bussystems sehr positiv gesehen wird.“ Weitere Bahnstrecken, die von einer Einstellung bedroht sind, konnte man am Mittwoch nicht nennen. Nun müssten die neuen Verbindungen kommuniziert werden. Aussagekräftige Daten zu der Auslastung der einzelnen Züge bekomme man dann laut VOR erst in etwa vier Jahren.

Die Neuerungen im Überblick

Nordbahn:

  • Stundentakt zwischen Gänserndorf und Wien täglich (Montag bis Sonntag) und ganztags bis 23.20 Uhr
  • Alle R-Züge fahren bis Breclav (Anbindung an den tschechischen Fernverkehr)

Nordwestbahn:

  • Stundentakt zwischen Wien und Retz am Wochenende
  • Zweistundentakt zwischen Retz und Znaim am Wochenende

Marchegger Ostbahn:

  • Durchgehender REX-Stundentakt zwischen Wien und Marchegg
  • Verbesserung der Spätverbindungen (letzter Zug ab Wien fährt um 0.16 Uhr)

Franz-Josefs-Bahn (Streckenast Gmünd):

  • Tägliche neue Spätverbindung zwischen Wien und Sigmundsherberg (ab Wien um 22.28 Uhr)
  • Zusätzliche schnelle Wochenendzüge zwischen Gmünd und Wien
  • Alle Takt-Züge mit Anschluss in Horn

Franz-Josefs-Bahn (Streckenast Krems):

  • Neue Spätverbindungen zwischen Krems und Wien mit letzten Abfahrten um 0.05 Uhr (ab Wien) sowie um 22.51 Uhr (ab Krems)
  • Zusätzliche Freitagsverbindung mit Abfahrt um 13.33 Uhr ab Wien
  • Neue Verbindungen wochentags um 8.29 Uhr ab Krems und um 14.33 Uhr ab Wien

Traisentalbahn:

  • Neue Spätverbindungen nach Hainfeld (zwei Stunden später) und Lilienfeld/Schrambach (eine Stunde später)
  • Neue Morgenverbindungen an Sonn- und Feiertagen nach St. Pölten (zwei Stunden früher)

Erlauftalbahn:

  • Neue Spätverbindungen ab Pöchlarn nach Scheibbs (drei Stunden später)
  • Neue Frühverbindung von Scheibbs nach Pöchlarn ab 3.43 Uhr

Rudolfsbahn:

  • Einrichtung des Knotens Amstetten in beide Richtungen (Linz und St. Pölten)
  • Wiederaufnahme der Haltestelle Sonntagberg
  • Täglicher Stundentakt von 6.00 bis 21.00 Uhr von Amstetten nach Waidhofen an der Ybbs

Westbahn:

  • Neuer Halbstundentakt am Nachmittag auf der Strecke Wien Westbahnhof – Tullnerfeld – St. Pölten – Amstetten
  • Neue Spätverbindungen auf dieser Strecke (letzte Abfahrt am Westbahnhof um 0.20 Uhr
  • Neuer Halbstundentakt am Nachmittag auf der Strecke St. Pölten – Amstetten – Loosdorf – Melk – Pöchlarn – Ybbs
  • Neuer Stundentakt auf der Strecke St. Pölten – Ybbs – Pöchlarn

Südbahn:

  • Neuer Halbstundentakt mit schnellen Verbindungen (ohne Zwischenhalte) zwischen Wien und Wiener Neustadt (abwechselnd RJ und REX)
  • Neue Früh- und Spätverbindungen auf dieser Strecke (Halbstundentakt jeweils um eine Stunde ausgeweitet)
  • Neue Direktzüge am Wochenende ab Wien Hauptbahnhof nach Aspang, Semmering und ins Schneebergland

Pottendorfer Linie:

  • Neuer Stundentakt für REX zwischen Wien und Ebenfurth mit Halt in Ebreichsdorf bis 22.00 Uhr
  • Täglicher Stundentakt der S60 zwischen Wien und Wiener Neustadt

Triestingtalbahn:

  • Neue Spätverbindungen (eine Stunde später) ab Leobersdorf
  • Ausgeweiteter Halbstundentakt

Puchbergbahn:

  • Neue Spätverbindungen (eine Stunde später) ab Wiener Neustadt
  • Neue Verbindung in der Nacht auf Samstag (0.44 Uhr ab Wiener Neustadt)

Gutensteinerbahn:

  • Neue Spätverbindungen (eine Stunde später) ab Wiener Neustadt
  • Ausgeweiteter Halbstundentakt