Premiere von Casanova kocht im Stadttheater Mödling
Bettina Frenzel
Bettina Frenzel
Kultur

Galante Leckerbissen in „Casanova kocht“

Im Stadttheater Mödling geht es kulinarisch zu: Hausherr Bruno Max hat sich diesmal die Biografie von Giacomo Casanova vorgeknöpft und lädt zu einem „aphrodisischen Dinner mit galanten Leckerbissen“. „Die Premierengäste am Samstag goutierten ‚Casanova kocht‘“, schreibt APA-Kritiker Ewald Baringer.

Ein wenig irreführend mag der Titel insofern sein, als Casanova selbst durchaus nicht kocht an diesem Abend, sondern als alter Mann (Hermann J. Kogler spielt ihn mit angemessen resignativem Gehabe) in einem schäbigen Landgasthof auf den gleich alten Chroniker Restif de la Bretonne (Bernie Feit) trifft. Wenn die beiden Herren hinter Schwingtüren ihre prostatabeschwerten Blasen entleeren, verschlucken sich die ersten Zuschauer an den Schinkenspeckröllchen.

Premiere von Casanova kocht im Stadttheater Mödling
Bettina Frenzel
Hermann J. Kogler (l.) und Christina Saginth

Bis zu den dessertmäßig abschließenden Venusbrüstchen aus Nussnougat und weißer Schokolade gibt es im Laufe von zwei Stunden noch jede Menge Rückblenden in das abenteuerliche Leben des legendären Liebhabers, dessen jugendlichere Varianten von Mark Mayr und Eric Lingens verkörpert werden. „Für diesen Abend haben wir schamlos geplündert“, gesteht Bruno Max: musikalisch, literarisch, szenisch, choreografisch. Doch ja, besser gut geklaut als schlecht erfunden.

Was ist wichtig im Leben? Schöne Frauen und gutes Essen

Am Ende seiner Tage und auf der Flucht aus seinem Altersheim auf Schloss Dux in Böhmen taucht Casanova in die Erinnerung an die zwei wichtigsten Dinge seines Lebens ein: Schöne Frauen und gutes Essen. Und so begegnen wir Huren und Herzoginnen, Pasta, Austern und weißem Trüffel, Nonnen und Zwillingsschwestern, dem alten Voltaire und einer steinalten Marquise (grotesk zurechtgeschminkt: RRemi Brandner), die sich von Casanova noch schwängern lassen will.

Veranstaltungshinweis

„Casanova kocht. Ein galantes Dinner im Jahre 1791“ ist bis 29. Februar im Stadttheater Mödling zu sehen, von 12. März bis 4. April wird es im Theater Scala in Wien gezeigt.

Eine erfreuliche Entdeckung macht nicht nur Casanova, der sich in den vorgeblichen Kastraten Bellino verliebt: Angela Ahlheim fasziniert auch als mechanische Glitzerpuppe, ähnlich E.T.A. Hoffmanns Olimpia. Marcus Ganser hat den Saal für die Dinner-Show gestaltet, Sigrid Dreger die zum Teil aufwendigen Kostüme beigesteuert, Max selbst hat inszeniert. Das Resultat ist ein bunter Mix geworden, nicht immer klischeefrei, aber wie denn auch bei dieser Vorgabe.

Übrigens war Casanova tatsächlich zu Lebzeiten auch in Mödling, wo er seinen Bruder Francesco besuchte, ein Maler, der in der Brühl lebte und auch dort begraben wurde. Somit kehrt Casanova 230 Jahren später gleichsam nach Mödling zurück.