Infusionsschläuche werden zum Abtransport fertig gemacht.
ORF/Petra Ottitsch
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„Im Fokus: Wissenschaft“

Infusionsschläuche für sensible Bereiche

Die CoV-Krise hat gezeigt, wie sehr man bei Medizinprodukten vom Ausland abhängig ist. Einer der wenigen heimischen Betriebe in dem Bereich ist DOC medikus aus Krems. Er entwickelte Infusionssysteme für Krebspatienten, Frühchen und Intensivpatienten.

Auf Intensivstationen sind die Ansprüche an medizinische Produkte besonders hoch. Speziell für diesen sensiblen Bereich werden in den Reinräumen in Krems dünne Infusionsschläuche hergestellt. Dahinter steckt viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Christian Kraule, der Geschäftsführer und Gründer von DOC medikus: „Wir haben sehr viel Zeit investiert. Was vielleicht nicht so kompliziert ausschaut, hat einen komplizierten Background. Man muss die richtigen Materialien definieren. Bestimmte Teile und Bestandteile werden nur für uns gebaut und sind teilweise patentrechtlich geschützt.“

Hochkomplexe Infusionssysteme werden zusammengebaut

Die Mitarbeiterinnen bauen auch weitverzweigte Leitungssysteme zusammen, stets unter dem strengen Auge des Produktionsleiters Pedram Parsian: „Das muss man sich wie einen Baum mit verschiedenen Ästen vorstellen. Dementsprechend sind auch unsere Produkte aufgebaut. Es handelt sich um hochkomplexe Systeme, die aus mehreren Leitungen beziehungsweise Ästen bestehen.“

Unter strengsten Hygienemaßnahmen werden die Infusionssysteme hergestellt.
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Jeder einzelne Produktionsschritt unterliegt strengsten Qualitäts- und Hygienevorgaben

Die Leitungen müssen viele Qualitätschecks bestehen. Auch ein Zugtest gehört zu den Kontrollmethoden. Beim Zusammenkleben der einzelnen Teile werden ebenfalls einige Sicherheitsschritte durchlaufen, erklärt Kraule gegenüber noe.ORF.at: „Diese Leitungssysteme müssen bei der Produktion, wenn sie verklebt werden, mit Luft durchblasen werden, damit sie frei durchgängig sind. Gleichzeitig müssen wir sie dann auf Dichtigkeit prüfen. Der schlimmste Fall wäre, wenn ein einem Intensivpatienten verabreichtes Medikament in das Bett rinnt.“

Infusionsleitungen werden im Reinraum produziert

Bei jedem einzelnen Arbeitsschritt müssen strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Dazu gehört regelmäßiges Händedesinfizieren genauso wie der möglichst viren- und bakterienfreie Reinraum. Hier wird die Luft alle drei Minuten komplett ausgetauscht. Immer wieder werden Stichproben gemacht, betont der Produktionsleiter: „Unsere Qualitätsprüfungen sind in mehrere Schritte aufgeteilt. Die wichtigste Qualitätsprüfung, die wir an jeder Leitung durchführen, ist die Prüfung der Dichtigkeit.“

Infusionsschläuche aus Niederösterreich

In Krems ist eines der wenigen heimischen Unternehmen im Medizinproduktesektor beheimatet. DOC medikus entwickelt Infusionssysteme.

Die Infusions- und onkologischen Systeme werden am Firmenstandort im Technologie- und Forschungszentrum (TFZ) Krems verpackt. Bevor sie an die Spitäler ausgeliefert werden, werden sie noch speziell sterilisiert. In der Coronavirus-Krise stieg die Nachfrage nach medizinischen Einmalprodukten, heißt es seitens des Unternehmens. Viele Krankenhäuser hätten ihre Lager seit dem Ausbruch der Pandemie aufgefüllt – auch mit Infusionssystemen aus Krems.

Forschung und Entwicklung am Standort Krems

Im TFZ Krems sind Hightechunternehmen aus dem Life-Science- und Medizintechnikbereich und Gewebebanken angesiedelt. Hier werden Forschung und Entwicklung neuer Therapieverfahren und medizinischer Erzeugnisse betrieben und innovative Produkte erzeugt. Das TFZ ist einer der Eckpfeiler des Technopol Krems.