Landestheater Niederösterreich Blick von der Bühne ins Publikum
Lukas Beck
Lukas Beck
Coronavirus

„Welle der Enttäuschung“ in Lockdown-Branchen

Von „Enttäuschung“, „Entrüstung“ und „Frustration“ ist in Niederösterreich nach der jüngsten Ankündigung der Regierung die Rede. Kritik gibt es vor allem daran, dass es für Hotels, Gastronomie und Kultureinrichtungen keine zeitliche Perspektive gibt.

Für die betroffenen Branchen ist die Situation frustrierend. Spätestens ab Mitte März habe man mit weiteren Öffnungsschritten gerechnet, sagte Mario Pulker, Fachverband-Obmann für Gastronomie in der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Das, was man jetzt erlebe, sei „eine Welle der Enttäuschung und der Entrüstung“.

Vielen macht vor allem die Ungewissheit zu schaffen, etwa dem Hotelier und Gastronomen Leo Graf aus St. Pölten. „Wir hätten uns gewünscht, dass man dezidiert einen Tag sagt, etwa den 30. März oder 10. April, damit wir mit den Mitarbeitern richtig planen können“, sagte Graf.

aufgestapelte Tische und Sessel vor einem Restaurant in Wien
APA/HANS PUNZ
Für die Gastronomie heißt es weiter warten

Pulker: „Viele stehen kurz davor, den Betrieb zu schließen“

Zur Ungewissheit kommen laut Pulker auch immer mehr finanzielle Sorgen: „Wir Unternehmer sind nicht arbeitslos gemeldet oder in Kurzarbeit, sondern der Unternehmer lebt von dem, was er einnimmt. Daher stehen viele kurz davor, den Betrieb schließen zu müssen oder Insolvenz anzumelden.“

Die Umsatzersätze für November und Dezember hätten sehr geholfen, so Pulker, auch den Jänner und „mit Müh und Not“ den Februar hätte man „noch durchgebracht“. „Aber jetzt noch sechs Wochen geschlossen zu halten, das geht sich nicht mehr aus. Da braucht es zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen“, so der Branchenvertreter.

Rötzer: „Haben bewiesen, dass Konzepte funktionieren“

Auch im Landestheater in St. Pölten heißt es – wie auch in allen anderen Kultureinrichtungen – noch mindestens sechs Wochen lang weiter proben und warten. Geplante Vorstellungen müssen nach hinten geschoben werden. Das sei vor allem deshalb enttäuschend, weil „wir im Herbst bewiesen haben, dass unsere Präventionskonzepte unglaublich gut funktioniert haben“, so Marie Rötzer, die künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich.

Leerer Kinosaal
APA/dpa/Fabian Sommer
Man fühlt sich im Stich gelassen, heißt es aus der Branche der Kinobetreiber

Ähnlich sieht man das auch bei den Kinos des Landes. Man fühlt sich im Stich gelassen, sagte Mario Hueber, Branchensprecher der Kinos bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Immerhin sei man schon zum zweiten Mal zusammen mit den Veranstaltern und den Theatern die Branche, die als erste zugesperrt und als letzte aufgesperrt wird. „Da macht sich Frustration breit, weil wir das Gefühl haben, dass die Politik kein besonders großes Interesse hat, sich um Kultur, Theater und Kinos zu kümmern“, so Hueber.

Auch Rötzer hofft, dass die Theater im „Ranking der nächsten Lockerungsschritte“ dabei sein werden. „Wir wollen dafür kämpfen und fordern, dass wir spätestens zu Ostern wieder unsere Theatertüren öffnen dürfen“, so Rötzer.