AMS CoV Virtuelle Jobbörse Arbeitslosigkeit März
ORF/Christoph Koller
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Wirtschaft

Virtuelle Jobbörse soll Arbeitsmarkt stärken

Die Zahl der Arbeitslosen ist in Niederösterreich im März stark gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau. Wegen der Kontaktbeschränkungen verläuft die Suche nach einem Job bzw. nach Mitarbeitern schwieriger, das AMS setzt nun auf virtuelle Jobbörsen.

Wie bei Jobmessen üblich, reiht sich ein Betriebsstand an den nächsten. Die Bewerberinnen und Bewerber können sich über die Unternehmen informieren und bei Interesse einen Termin für ein Vorstellungsgespräch buchen. In diesem Fall ist es aber ein virtueller Raum. Die Bewerber bewegen sich also am Computer nur mit Mausklicks von Stand zu Stand. Damit können auch in Zeiten der Pandemie und trotz der Kontaktbeschränkungen Arbeitssuchende und Unternehmen zusammengebracht werden.

Neben den Bewerbern sehen darin auch Personalrecruiter eine neue Chance. Denn durch die Pandemie gibt es etwa keine Berufstage in den Schulen oder Informationsmessen. „Auch Bewerbungsgespräche sind durch die Abstandsregeln im Lockdown weggefallen“, erzählt Marleen Karner, Personalrecruiterin beim Raiffeisen Lagerhaus in Bruck an der Leitha, „deswegen ist die virtuelle Jobbörse toll, weil man doch den Erstkontakt herstellen kann und so die Lehrlinge zu einem Eignungstest oder einer Schnupperlehre einladen kann.“

AMS CoV Virtuelle Jobbörse Arbeitslosigkeit März
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Statt von Stand zu Stand zu gehen, informiert sich Niklas, der eine Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann sucht, über die Betriebe

Zeit- und ressourcensparend

Zudem sei das Modell laut Karner „sehr zeit- und ressourcensparend“. Die erste Jobbörse richtete sich vor allem an Lehrstellensuchende, an der drei Unternehmen und 39 Jugendliche teilnahmen. Nach 43 virtuellen Bewerbungsgespräche schafften 38 Bewerberinnen und Bewerber den Sprung in die nächste Runde. Die Jugendlichen nehmen nun in den Unternehmen an Tests teil oder haben die Möglichkeit, zu „schnuppern“. „Sie waren durchwegs gut vorbereitet“, sagt Karner.

Nach dem Pilotprojekt wird das Modell nun auf ganz Niederösterreich ausgerollt. Immerhin sind beim AMS Niederösterreich derzeit mehr als 12.000 offene Stellen gemeldet, um die Hälfte mehr als noch vor einem Jahr. „In der derzeitigen Arbeitsmarktkrise ist es wichtig, dass wir alles tun“, sagt AMS-Landeschef Sven Hergovich: „Damit können wir reale Kontakte reduzieren, aber gleichzeitig unserer arbeitsmarktpolitischen Aufgabe nachkommen und Bewerbungsgespräche ermöglichen.“

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Die Bewerbungsgespräche finden online statt, für Personalrecruiter wie Marleen Karner ist das zeit- und ressourcensparend

Arbeitslosigkeit um ein Fünftel gesunken

Bis Jahresende sind noch 50 solcher virtuellen Jobbörsen geplant. Das Ziel sei es, den Menschen ihre Perspektiven am Arbeitsmarkt aufzuzeigen, sagt der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP): „Wir erwarten uns vom E-Job-Meeting, dass hier noch viel mehr an Vermittlung passieren kann, und unsere Botschaft muss sein: Es gibt Arbeit.“

Im März ging die Zahl der Arbeitslosen in Niederösterreich im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent zurück. Allerdings hatte die Arbeitslosigkeit damals – mitten im ersten Lockdown – ihren Höhepunkt. Seither sank die Zahl aber stetig, betont Hergovich: „Die fallende Tendenz zeigt uns aktuell ein etwas positiveres Bild als noch vor einigen Wochen.“ Besonders erfreulich sei ein leichter positiver Trend bei den Jugendlichen, ergänzt Eichtinger: „Denn mit der Lehrlingsoffensive investieren wir in die Fachkräfte von morgen, was sich bereits auf die Anzahl von arbeitslosen Jugendlichen positiv auswirkt.“

Frauen sind stärker betroffen

Bei den Jugendlichen gab es – nach Altersgruppen – auch mit 47 Prozent den stärksten Rückgang. Bei den 25-bis-49-Jährigen ging die Zahl um 29 Prozent zurück, bei Menschen über 50 Jahren waren es 14 Prozent. Auffallend sei aber nach wie vor, dass Frauen durch die Krise stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Männer. Während der Rückgang im Jahresvergleich bei den Frauen gut 22 Prozent beträgt, fällt er bei den Männern mit über 28 Prozent deutlich höher aus.

Zudem wirkt sich die Coronavirus-Krise besonders stark auf die Langzeitarbeitslosigkeit aus, die um mehr als 60 Prozent stieg. Derzeit sind hier 16.341 Menschen als arbeitslos gemeldet, im Vorjahr waren es noch 10.156 Männer und Frauen. „Die größte Herausforderung in den kommenden Monaten wird sein, der Verfestigung der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken", erklären Eichtinger und Hergovich.

Nach Branchen gab es die stärksten Rückgänge in der Beherbergung und Gastronomie (-4.603), im Baubereich (-4.091), im Bereich Gebäudebetreuung und der Arbeitskräfteüberlassung (-2.300), im Handel (-1.685) sowie im Bereich Verkehr und Lager (-1.141). Niederösterreichweit entspannte sich die Situation im Most- und Waldviertel am schnellsten, wo die Arbeitslosigkeit um 43 bzw. um 38 Prozent geringer ausfällt als noch vor einem Jahr.