Waldbrand 1984 in Markt Piesting
Otto Langer
Otto Langer
Chronik

Die größten Waldbrände Niederösterreichs

In Niederösterreich kam es in der Vergangenheit immer wieder zu großen Waldbränden. Besonders dramatisch war der Kampf gegen die Flammen 1984 in Markt Piesting (Bezirk Wiener Neustadt). Ein Einsatz, der „zunächst harmlos aussah“, erinnert sich ein Zeitzeuge.

Am 1. Jänner 1984 brach im Föhrenwald bei Markt Piesting Feuer aus, vermutlich ausgelöst durch eine verspätete Silvesterrakete. „Das war definitiv ein prägendes Ereignis, am Neujahrstag 1984“, erinnert sich der ehemalige Bezirksfeuerwehrkommandant von Wiener Neustadt, Franz Wöhrer, der damals Zugskommandant der örtlichen Feuerwehr und einen Tag lang auch Einsatzleiter war, im Gespräch mit noe.ORF.at.

„Der Einsatz hat eigentlich harmlos ausgehen, es hat sich aber ein Feuersturm entwickelt“, erzählt Wöhrer. Wie in einem Kamin zogen die Flammen den Hang hinauf. Der erste Trupp der Feuerwehr hatte großes Glück. Er stand nämlich vor einem geschlossenen Bahnschranken, verlor somit wertvolle Minuten, die womöglich Leben retteten.

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Waldbrand 1984 im Piestingtal
Silvia Friedreich
Dichte Rauchwolken legten sich am Neujahrstag 1984 über Markt Piesting
Waldbrand 1984 im Piestingtal
Otto Langer
Eine Silvesterrakete dürfte den verheerenden Brand ausgelöst haben
Waldbrand 1984 im Piestingtal
Silvia Friedreich
Das Feuer zog wie in einem Kamin den Hang hinauf
Waldbrand 1984 im Piestingtal
Otto Langer
Es kam zu einem Wipfelbrand, die Einsatzkräfte mussten sich zunächst zurückziehen
Waldbrand 1984 im Piestingtal
Feuerwehr Markt Piesting
Der Brand umfasste 72 Hektar, 40 Hektar Wald wurden völlig zerstört
Waldbrand 1984 im Piestingtal
unbekannt
Die Löscharbeiten dauerten sechs Tage, 1.080 Feuerwehrleute waren im Einsatz – es war ein prägendes Ereignis in der Region

„Es kam zu einem Wipfelbrand, die Einsatzkräfte mussten sich sofort zurückziehen, weil das Feuer gleich über hunderte Meter übergesprungen ist“, berichtet Wöhrer über die dramatischen Ereignissse 1984. Über Markt Piesting hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits eine dichte Rauchwolke gelegt.

„Brand aus“ erst nach sechs Tagen

90 Feuerwehren und 1.080 Helfer waren im Einsatz, auch Löschhubschrauber und -flugzeuge rückten an. Erst nach sechs Tagen konnte „Brand aus“ gegeben werden. „Wir waren lange nicht so ausgerüstet wie heute“, erinnert sich Wöhrer. Der Brand erstreckte sich über drei Gemeindegebiete. 72 Hektar des Föhrenwaldes waren betroffen, etwa 40 Hektar wurden komplett zerstört.

In Online-Einträgen ist bis heute gar vom größten Waldbrand Österreichs zu lesen, der 400 Hektar umfasst haben soll. Dabei handelt es sich aber um einen Fehler, stellt Wöhrer klar. „Ich glaube, dass es sich dabei um einen Rechenfehler handelt und die Kommastelle verschoben wurde.“

Zahlreiche Bäume mussten nach dem Brand geschlägert werden, auf den kahlen Flächen sind nach fast 38 Jahren teilweise wieder Föhren nachgewachsen. An jenen Bäume, die das Feuer überlebt haben, sind heute teilweise noch Brandspuren zu erkennen.

Fotostrecke mit 5 Bildern

Feuerwehrleute im damaligen Brandgebiet im Föhrenwald
ORF/Thomas Koppensteiner
Lokalaugenschein im Wald: Franz Wöhrer (Mitte) mit Kollegen unterwegs im Föhrenwald, wo 1984 gegen den Brand gekämpft wurde
Baum mit Brandspuren vom Waldbrand 1984
ORF/Thomas Koppensteiner
An den Bäumen, die das Feuer überlebt haben, sind bis heute Brandspuren zu erkennen
Föhre mit Brandspuren
ORF/Thomas Koppensteiner
Vor allem jene Föhren mit dickeren Stämmen waren resistent gegen das Feuer
Florianikreuz in Gedenken an den Waldbrand 1984 im Piestingtal
ORF/Thomas Koppensteiner
In Gedenken an den Waldbrand von 1984 wurde mitten im Wald ein Florianikreuz errichtet. Die Fläche rundherum war nach dem Brand kahl. Bei den Bäumen handelt es sich bereits wieder um den Nachwuchs.
Warnschild mit dem Hinweis „Achtung Waldbrandgefahr“
ORF/Thomas Koppensteiner
In unmittelbarer Nähe des Florianikreuzes wurde ein Warnschild montiert, das auf die Gefahr eines Waldbrandes hinweist

In Gedenken an den Großeinsatz 1984 wurde mitten im damaligen Brandgebiet ein Florianikreuz errichtet. Es soll zugleich aber auch eine Art Mahnmal sein. Nicht umsonst wurde gleich daneben ein großes Schild mit dem Hinweis „Achtung, Waldbrandgefahr! Rauchen, Feuer & offenes Licht verboten!“ montiert. „Es muss aber immer etwas Großes passieren, damit die Leute zu denken beginnen“, sagt Wöhrer.

Großbrände auch in den Folgejahren

Der Großbrand 1984 im Piestingtal hatte jedenfalls ein Ausmaß, das in Niederösterreich so schnell nicht wieder erreicht werden sollte. Großes Aufsehen erregte allerdings bereits einige Jahre später, 1992, ein Brand am Schneeberg. Die Einsatzkräfte gingen davon aus, dass das Feuer durch Funkenflug der dampfbetriebenen Zahnradbahn ausgelöst wurde, berichtete ORF-Reporter Jörg Hofer vom Schneeberg.

Bei einem Brand am Anninger 1994 wurden 40 Wanderer gerettet. Die dichten Rauchschwaden waren bis nach Wien zu sehen. 40 Hektar Wald standen im Jahr 2000 in Hernstein (Bezirk Baden) in Flammen. Nachbarn hatten das Feuer entdeckt und Alarm geschlagen. 2014 löste ein Harvester, der bei Holzarbeiten Feuer fing, einen Waldbrand bei Lilienfeld aus.

Fotostrecke mit 21 Bildern

Waldbrand am Schneeberg 1992
ORF
1992 kam es zu einem Großbrand am Schneeberg
Waldbrand am Schneeberg 1992
ORF
Viele Private schlossen sich den Löscharbeiten an
Waldbrand am Schneeberg 1992
ORF
Unterstützung erhielt die Feuerwehr etwa von Bauern, die mit Traktoren Löschwasser auf über 1.000 Meter Seehöhe brachten
Jörg Hofer (ORF) beim Brand am Schneeberg 1992
ORF
ORF-Reporter Jörg Hofer berichtete direkt vom Brandgeschehen
Waldbrand am Schneeberg 1992
ORF
Die Einsatzkräfte machten Funkenflug der Zahnradbahn für den Brand verantwortlich
Waldbrand am Anninger 1994
ORF
Beim Brand am Anninger im Bezirk Mödling war 1994 ein Großaufgebot der Feuerwehr aus dem ganzen Bezirk im Einsatz
Waldbrand in Blumau 1994
ORF
Am selben Tag 1994 gab es auch in Blumau (Bezirk Baden) im Bereich des Truppenübungsplatzes Feueralarm
Waldbrand Hernstein 2000
ORF
Zu den größten Bränden in Niederösterreich zählt auch jener aus dem Jahr 2000 in Hernstein (Bezirk Baden)
Waldbrand Baden 2000
ORF
40 Hektar Wald wurden zerstört
Feuerwehrmänner nach Waldbrand in Hernstein 2000
ORF
Der Schaden betrug zehn Millionen Schilling – umgerechnet 700.000 Euro
Waldbrand 8. August 2013 bei Wiener Neustadt
ORF
Am 8. August 2013 kam es bei Wiener Neustadt zu einem der größten Waldbrände in Niederösterreich
Löscharbeiten beim Waldbrand am 8. August 2013 bei Wiener Neustadt
ORF
53 Hektar Waldfläche – vorwiegend Kiefern – stehen in Flammen
Waldbrand Puchenstuben 1972
ORF
Ende Dezember 1972 waren in Puchenstuben (Bezirk Scheibbs) mehrere Quadratmeter Wald betroffen
Waldbrand Puchenstuben 1972
ORF
Laut einer damaligen APA-Meldung war die Ursache ein „Leitungsschaden an der Starkstromleitung“
Waldbrand 1983
ORF
Auf dem Nordhang der Schneealpe im Gemeindegebiet von Schwarzau (Bezirk Neunkirchen) brach 1983 ein Waldbrand aus, 30 Hektar waren betroffen
Waldbrand 1987
ORF
1983 dürfte ein Blitzschlag einen Brand im Klostertal bei Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt) ausgelöst haben, 100 Feuerwehrleute sowie drei Hubschrauber und zwei Flugzeuge waren im Löscheinsatz
Lilienfeld 2014
ORF
2014 fing in Lilienfeld ein Harvester bei Holzarbeiten Feuer
Lilienfeld 2014
ORF
Zusätzliche Gefahr herrschte durch Kriegsrelikte, die sich auf dem Bergrücken befanden
Waldbrand bei Saubersdorf 2020
ORF
Im Jahr 2000 brannten bei Saubersdorf (Bezirk Neunkirchen) 30 Hektar Föhrenwald
Feuerwehr bekämpft Waldbrand bei Saubersdorf 2020
ORF
Der starke Wind erschwerte die Löscharbeiten
10.7.2021 Gutenstein
ORF
Im Juli 2021 standen bei Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt) einige Hektar Wald in Flammen, 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz

In jüngster Vergangenheit war es aber immer wieder der Föhrenwald in den Bezirken Wiener Neustadt und Neunkirchen, der Schlagzeilen machte. Im April 2020 standen bei Saubersdorf (Bezirk Wiener Neustadt) 30 Hektar Wald in Flammen, der letzte größere Waldbrand vor jenem in Hirschwang erreignete sich im Juli 2021 in Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt).

Hirschwang übertrifft alles

Mit 115 Hektar übertraf der jüngste Waldbrand in Hirschwang an der Rax (Bezirk Neunkirchen) jedoch alles Bisherige. Das Feuer hatte am 25. Oktober auf fünf Hektar begonnen und sich über Nacht – angefacht vom starken Wind – innerhalb von nur zehn Stunden ausgedehnt.

9.000 Helferinnen und Helfer waren am Kampf gegen die Flammen beteiligt, 8.000 davon von der Feuerwehr, der Rest von Bundesheer, Polizei, Bergrettung und der Forstdirektion Wien. Insgesamt wurden rund 200.000 Einsatzstunden geleistet, 95 Prozent davon ehrenamtlich – mehr dazu in „Größter Waldbrand, den es je gab“ (noe.ORF.at; 26.10.2021).

Fotostrecke mit 15 Bildern

Waldbrand an der Rax
Einsatzdoku/Patrik Lechner
Am 25. Oktober 2021 brach auf dem Mittagstein bei Reichenau ein Brand aus
Waldbrand an der Rax
Einsatzdoku/Patrik Lechner
Das Feuer breitete sich über Nacht auf 115 Hektar aus
Waldbrand an der Rax
Einsatzdoku/Patrik Lechner
300 Feuerwehrleute waren am Nationalfeiertag zunächst im Einsatz
Schneise im Wald
Feuerwehr
Um eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern, wurden Schneisen in den Wald geschnitten
Waldbrand Hirschwang Rax Tag 3
Matthias Fischer
Die Löscharbeiten in dem steilen, unwegsamen Gelände gestalteten sich schwierig
Polizeihubschrauber wirft Löschwasser ab beim Waldbrand in Hirschwang
ORF/Katharina Sunk
Die Löscharbeiten erfolgten daher zunächst vor allem aus der Luft
Tanklöschfahrzeug mit Wasserwerfer beim Waldbrand Hirschwang
Matthias Fischer
An neuralgischen Punkten wurden Einsatzfahrzeuge positioniert, die verhindern sollten, dass sich das Feuer durch Funkenflug weiter ausbreitet
Feuerwehrmann löscht Glutnester beim Waldbrand in Hirschwang von Staumauer aus
ORF/Markus Posch
Von den teils senkrechten Felswänden stürzte immer wieder Gestein herab
Feuerwehrleute mit Pumpen beim Fluss beim Waldbrand in Hirschwang
Matthias Fischer
Bereits nach wenigen Tagen wurde auf 500 Helfer täglich aufgestockt
Waldbrand bei Hirschwang Einsatz in der Nacht von Freitag auf Samstag
Patrik Lechner/Einsatzdoku
Aufgrund des starken Windes flammten immer wieder Glutnester auf
Waldbrand bei Hirschwang Einsatz in der Nacht von Freitag auf Samstag
Patrik Lechner/Einsatzdoku
Als Schwerpunkt der Löscharbeiten galt die sogenannte Ostflanke
Waldbrand in Hirschwang in der Nacht auf Freitag
Einsatzdoku/Patrik Lechner
Hinsichtlich der Brandursache verdichteten sich bereits nach wenigen Tagen die Hinweise, dass eine „fremde Zündquelle“ der Auslöser gewesen sein dürfte
Waldbrand
ORF
Am Höhepunkt des Löscheinsatzes waren 16 Fluggeräte – Hubschrauber und Flugzeuge – in der Luft
Ein italienisches Löschungflugzeug im Einsatz
APA/EINSATZDOKU.AT
Unterstützung kam auch aus dem Ausland, Italien schickte etwa Löschflugzeuge
Bilanz PK Waldbrand
ORF / Thomas Koppensteiner
Am 6. November konnte bei einer Pressekonferenz in Hirschwang das vorläufige „Brand aus“ gegeben werden

Der starke Wind und das steile, unwegsame Gelände erschwerten die Löscharbeiten. 16 Löschhubschrauber und -flugzeuge – zum Teil auch aus Deutschland, Italien und der Slowakei – flogen 4.400 sogenannte Turns und warfen fast fünf Millionen Liter Wasser ab. Erst nach 13 Tagen konnte am 6. November ein vorläufiges „Brand aus“ gegeben werden – mehr dazu in Vorläufiges „Brand aus“ im Rax-Gebiet (noe.ORF.at; 6.11.2021).

Als Brandursache gilt das „Einbringen einer fremden Zündquelle“. Konkret hat man den Verdacht, dass ein illegales Lagerfeuer den bisher größten Waldbrand der Geschichte in Niederösterreich ausgelöst haben dürfte. Auf Videoaufnahmen der Rax-Seilbahn vom gegenüberliegenden Hang aus ist am 25. Oktober kurz vor 11.00 Uhr eine erste Rauchsäule zu sehen, die aus dem Wald hochsteigt. Derzeit werden Zeugenbefragungen und Auswertungen von Luftaufnahmen durchgeführt.