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Wirtschaft

EVN & E-Control rechnen nicht mit Gas-Stopp

Wegen des Ukraine-Konflikts wächst bei manchen die Sorge, dass Russland seine Erdgaslieferungen einstellen könnte. Damit rechnen derzeit jedoch weder EVN noch E-Control. Und selbst wenn, würden die Speicher für diese Heizperiode reichen, heißt es.

Das Gas, das Österreich verbraucht, kommt zu 80 Prozent aus Russland. Die Versorgung ist zum einen über Lieferverträge gesichert, zum anderen haben Energieversorger, wie etwa die EVN, Gas in Speichern gelagert. Bei der EVN sind die Lager aktuell zu nicht einmal 20 Prozent gefüllt. In ganz Österreich sind die Füllstände heuer deutlich niedriger. „Im letzten Sommer sind die Preise auch nicht wesentlich hinunter gegangen, deshalb haben viele Unternehmen, die Gas verkaufen, wenig oder gar nicht eingespeichert, weil die Preise hoch waren“, erklärt EVN-Sprecher Stefan Zach, „die EVN speichert für ihre Kundinnen und Kunden immer ausreichend Gas ein.“

„Im Augenblick sind in den Gasspeichern in Österreich etwa 17 Terrawattstunden eingespeichert, das bedeutet, dass man sehr gut über den Winter kommt“, sagt Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der für die Strom- und Gaswirtschaft zuständige Regulierungsbehörde E-Control. Zum Vergleich: Um alle Haushalte in Österreich zu heizen, benötige man pro Monat etwa zwei bis drei Terrawattstunden, so Urbantschitsch.

Sorge bei Industrie, Entwarnung von E-Control

Besorgt zeigte sich am Dienstag die Industrie, sollte Russland aufgrund des Ukraine-Konflikts die Gaslieferungen drosseln oder gar einstellen – mehr dazu in Ukraine: Industrie sieht Versorgung in Gefahr (noe.ORF.at; 21.2.2022). Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO warnte, dass ohne russisches Gas eine Rezession drohen könnte – mehr dazu in WIFO-Chef Felbermayr: Ohne Gas Rezession in Europa (news.ORF.at; 22.2.2022).

Die Regulierungsbehörde entwarnt jedoch: „Wir gehen davon aus, dass angesichts der Gasmengen, die vorhanden sind, und vor allem weil auch Gas aus Russland weiter fließt, auch für große Abnehmer bishin zur Industrie ausreichend Gas da ist.“

Österreich könne zudem auch auf andere Gaslieferanten und etwa Flüssiggas umsteigen – das würde sich allerdings auf die ohnehin sehr hohen Gas-Preise auswirken. Russlands Präsident Wladimir Putin hat zuletzt beteuert, die Gas-Lieferverträge für Europa weiter einzuhalten. Die OMV bestätigt, dass die Gasversorgung aus Russland derzeit „wie gewohnt und vertragskonform“ laufe, und auch die EVN rechnet weiter mit russischem Gas. „Auch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs hat es immer Bedenken gegeben“, schildert EVN-Sprecher Zach, „russisches Gas ist immer geliefert worden“.

Wichtig, Speicher wieder zu füllen

Dennoch sei es laut E-Control wichtig, dass sich die Gasversorger für den kommenden Winter rüsten und etwa die Gasspeicher trotz hoher Preise wieder befüllen. „Es gibt in den politischen Vorschlägen zum Beispiel auch so etwas wie eine Gasbevorratung, das wird vor allem auf europäischer Ebene diskutiert“, sagt E-Control-Vorstand Urbantschitsch, „wir schauen uns diese Konzepte an, wir werden auch entsprechende Vorschläge vorlegen“.

Energieversorger, die private Haushalte beliefern, müssen zudem laufend nachweisen, dass sie ihrem Auftrag nachkommen können. Die EVN will ihre Gasspeicher in den nächsten Monaten jedenfalls wieder auffüllen.